Fastnacht hat Tradition in beiden Familien

Patchwork-Paar regiert die Narrenschar in Rödermark

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Prinzessin Sarina und Prinz Heinz lassen derzeit noch ganz bürgerlich Blumen sprechen. Denn die Insignien ihrer närrischen Macht bekommen sie erst in einer Woche überreicht.

Ober-Roden - Erstmals wehen in einer Fastnachtskampagne zwei Fahnen: eine bei Heinz Kiehl junior (48) am Wiesengrund, die zweite bei Sarina Houben (38) vor dem Blumengeschäft Koser. Die Beiden sind die Regenten der Rödermärker Narren. Von Christine Ziesecke 

Das Patchwork-Paar mit vier Töchtern (15 und 13, 22 und 18) lebt mal da, mal da, aber egal wo: Es wohnt im Herzen von Ober-Roden. Einige Stunden vor dem offiziellen Fahnehissen am Samstag hatten Sarina I. und Heinz II. im familiären Kreis an der Koser’schen Gartenbank die erste Flagge aufgezogen. Eigentlich konnte es gar nicht anders kommen, bei den Familiengeschichten. Der Ur-Ober-Röder Heinz Kiehl hat einen wohlbekannten Vorgänger. Sein Vater war 1963 an der Seite Grete Winkler Prinz Heinz I.; seine Mutter Hannelore Schrod war ein Jahr später Fastnachtsprinzessin mit Theo Koser.

Der Urgroßvater hatte die Turngemeinde mitbegründet, der Opa die Fußballabteilung des Vereins mit ins Leben gerufen. Heinz Kiehl jun. selbst war lange Sänger bei der Gruppe „Kurz + Bündig“, ehe er 1999 Horst Ziegler als Präsident der Fastnachtssitzungen ablöste und diese Ehre nach zehn Jahren an Sascha Reisert weitergab. Gemeinsam mit Norbert Köhler hat er den Rathaussturm in seiner heutigen Form ins Leben gerufen. Richtig kennengelernt hat sich das Prinzenpaar vor fünf Jahren – bei der TG-Fastnacht! „Das kommt davon, wenn man nach einer Sitzung nicht gleich heimgeht“, schmunzelt der Prinz, dessen Prinzessin ebenfalls eine lange TG-Tradition hat.

Ihr Vater Manfred Koser blies im Spielmannszug Fanfaren und Trompete. Mutter Elke hatte die Majoretten-Gruppe ins Leben gerufen, ehe sie - als ein Jahr später Tochter Sarina unterwegs war - die Truppe an Moni Boss übergab. Natürlich wurde Sarina mit fünf Jahre Mini-Majorette: „Ich bin meine ganze Kindheit und Jugend in der TG groß geworden. Meine große Tochter tanzt in der TG, seit sie sieben ist, und die kleine auch!“ Prinzessin Sarina spielt Klarinette beim Musikverein 03, während Prinz Heinz II. nicht nur zum RCO, dem Rodauclub Ober-Roden, gehört, sondern auch zu den tragenden Stimmen des Frohsinn-Männerchores. Sie arbeitet als Floristin im elterlichen Blumenladen Ecke Rathenaustraße, er seit 2011 als Industriefachwirt bei Biotest in Dreieich.

Der Schritt zum Prinzenpaar entstand schon während der letztjährigen Kampagne aus einer Laune heraus: „Ach, Prinz oder Prinzessin wäre auch mal was….“ Konkreter wurde es bei einer Tasse Kaffee auf dem Balkon: „Wann ist denn nächstes Jahr eigentlich Fastnacht?“ Der Termin passte, und bei den meisten der Veranstaltungen wären sie ja ohnehin dabei. Bei einer typischen Patchwork-Familie wurden erst mal die vorsichtig die Töchter gefragt, die ebenso dafür waren wie die anschließend ganz im Geheimen informierten Eltern: Die waren glücklich!

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Während der traditionellen Babbelrunde nach Ende der Kampagne haben die Beiden bei Chef-Karnevalist Kalli Weber vorgefühlt. Absolut geheim blieben die Regenten tatsächlich selbst den meisten der engen Freunde und Hardcore-TG-Mitglieder bis zur Fastnachtsproklamation am 11.11. vor dem Ober-Röder Rathaus. Und da staunten alle Narren nicht schlecht. Beide waren sehr gerührt, wie sehr sich der ganze Kreis gefreut hat.

Die Vorbereitung ist aufwendig, zwei Reden haben Sarina Houben und Heinz Kiehl schon selbst geschrieben, und seit Wochen wird gedichtet. Vor allem aber ließ sich das Prinzenpaar in einer Fastnachtsmetropole am Rhein eine neue Robe schneidern, natürlich in den TG-Farben Grün und Weiß. Traurig sind die angehenden Tollitäten, dass sie bei der ersten Veranstaltung, dem Hexenrummel der TG-Fußballer am heutigen Samstag, nicht dabei sein können. Denn da sind sie zum großen Empfang in Offenbach geladen, danach geht’s noch ins Kreishaus. Alle anderen Termine im Ort, egal, ob Kindergarten, Altenheim oder befreundete Vereine, sind aber Ehrensache.

„Wir sind sehr traditionell gestrickt – wir lieben die klassische Form der Fastnacht und werden sie auch so feiern.“ Und wenn Sarina I. und Heinz II. am 20. Januar in der TG-Halle ihre Insignien überreicht bekommen, wird ganz vorn in der ersten Reihe die Dame sitzen, die schon beim Fahnehissen mit Krönchen und Rollator dabei war: Oma Katharina Schrod, 96 Jahre jung und sehr stolz auf ihre närrische Familie.

Quelle: op-online.de

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