Turngemeinde

Ober-Roden: Der Auftritt der "Street Life Dancers" sorgt für Jubelchöre

Die Fußspitzen gerade und immer lächeln: Caroline Schließmann-Jaensch, Tanztrainerin bei der Turngemeinde, und ihr Team Maren Würtenberger, Chantal Potoczny, Lisa Houben, Selina Weinert und Doreen Pekar proben auch zwischen den Sitzungen mit ihren Mädels. Foto: Löw

Knappe fünf Minuten dauert der Tanz, mit dem die „Street Life Dancers“ das Publikum der Turngemeinde-Sitzungen zu Beifallsstürmen hinreißen. Doch bis der umjubelte Auftritt steht, haben die Mädels und ihre Trainerinnen monatelang überlegt und geschwitzt. 

Ober-Roden – Die vielen Tanzgruppen sind der Hingucker bei der Turngemeinde-Fastnacht. Egal, ob Midigarde, Jazz-Nachwuchs oder „Street Life Dancers“: „Zugabe, Zugabe“-Rufe sind ihnen ebenso sicher wie die dreistufigen närrischen Raketen. Aber welch immense Arbeit hinter ein paar Minuten Tanz steht, ahnt kaum einer der jubelnden Zuschauer im Saal.

Maren Würtenberger, Chantal Potoczny und Caroline Schließmann-Jaensch trainieren die drei eingangs erwähnten Gruppen. Ihr Ziel: die perfekte Show von 48 Jugendlichen und jungen Frauen – 21 bei den „Street Live Dancers“, 15 bei der Midigarde und 12 beim Jazz-Nachwuchs. Alle drei haben als Tänzerinnen bei der Turngemeinde angefangen, Maren Würtenberger und Chantal Potoczny sind immer noch bei den „Street Life Dancers“ aktiv. Lediglich Caroline Schließmann-Jaensch springt nicht mehr selbst lächelnd über die Bühne, seit sie 2010 die Leitung der TGO-Vorzeige-Formation übernommen hatte.

Die war damals allerdings auf acht Unentwegte geschrumpft und war der Auflösung näher als dem nächsten Auftritt. Caroline Schließmann-Jaensch ging ihre Aufgabe mit viel Herzblut an, und das hat sich gelohnt. 21 „Street Life Dancers“ lassen ihr inzwischen die Qual der Wahl. Denn pro Fastnachtssitzung dürfen nur 14 von ihnen zeigen, was sie können.

Die Trainerin legt die Aufstellung von Anfang an so fest, dass keine Tänzerin benachteiligt wird. „Damit kann auch jede umgehen“, lässt Caroline Schließmann-Jaensch möglichem Rumgezicke keine Chance. Das war zu ihren aktiven Zeiten durchaus ein Thema: Denn da tanzten die „Street Life Dancers“ bei Turnieren um Meisterschaften. Da kam eher mal Neid auf. Seit zehn Jahren konzentrieren sie sich auf die Show an Fastnacht.

Jede Gruppe studiert nur einen Tanz pro Kampagne ein. Und den zieht sie bei allen eigenen Sitzungen und Gastauftritten durch. „Manchen Leuten ist nicht klar, wie viele Monate der Vorbereitung da drinstecken“, sagt Maren Würtenberger. Das Training läuft fast das ganze Jahr durch. Höchstens nach den Sitzungen gönnen die Trainerinnen sich und ihren Mädels zwei, drei Wochen Pause.

Selbst da sind sie mit dem Kopf schon in der nächsten Kampagne. Stundenlang sehen sie sich auf Youtube Musikvideos an, die sie auf der Bühne umsetzen können. Lieder, die sie privat nie hören würde, dreht Caroline Schließmann-Jaensch im Autoradio auf volle Pulle und testet sie auf ihre Tanztauglichkeit.

Ihrer Familie möchte sie das daheim nicht zumuten. Das närrische Publikum wiederum ist vom diesjährigen Techno-Mix „Rainbow“ geradezu verzückt. Denn er ist eines jener Stücke, die mit einem „Knall“ enden. Damit meinen die drei Trainerinnen ein Finale mit Sprüngen oder Hebefiguren über Kopf.

Wenn die ersten Beats aus den Lautsprechern donnern, können Maren Würtenberger, Chantal Potoczny und Caroline Schließmann-Jaensch nur noch hinterm Bühnenvorhang mitzittern. Ihre einhellige Meinung: „Das ist schlimmer als selbst zu tanzen!“

Sie hoffen dann nicht nur, dass bei ihren Mädels jeder Schritt passt. Ihr Blick schweift immer auch in den Saal: Geht das Publikum mit? Bei der Turngemeinde ist die Sache klar; auf dieses Publikum können sich alle Akteure verlassen. Doch die „Street Life Dancers“ tanzten schon vor Leuten, die wie versteinert saßen. So eine Erfahrung bleibt hängen.

Genau das Gegenteil war der Fall, als das Hessen-Fernsehen 2016 in der Kulturhalle die besten Fastnachtsgruppen suchte. Gecoacht von Caroline Schließmann-Jaensch tanzten Maren Würtenberger, Chantal Potoczny und die übrigen „Street Life Dancers“ vor den Objektiven großer Fernsehkameras. Diesen Auftritt werden sie ebensowenig vergessen wie die Heimlichtuerei bei der Hochzeit ihrer Chefin. Bevor die den Namen Jaensch dazu bekam, studierten Maren und Chantal ein Medley alter Schließmann-Choreografien ein und mussten zu Extra-Tanzstunden immer wieder Mädels aus den regulären Proben loseisen, ohne dass die Braut das mitbekam.

Diese Aktion verlieh dem Wort „Vereinsfamilie“, von dem alle TG-Trainerinnen schwärmen, eine ganz neue Bedeutung.

Von Michael Löw

Quelle: op-online.de

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