Aufzeichnungen zur Fastnacht

Schillernd bunte Fernsehwelt in der Kulturhalle

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Sieht gewaltig nach „Raumschiff Enterprise“ aus: die Bildmischanlage, an der Robert Gräfe, Heike Prager und Regisseur Helmut Zanoskar (im Hintergrund) den Liveschnitt überwachen.

Ober-Roden - Das Fernsehen ist seit fünf Jahren Stammgast in der Kulturhalle. Von Michael Löw 

Rund 50 Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks - und erstmals einige Kollegen des ZDF - haben die Halle für zweieinhalb Wochen mit Beschlag belegt, um „Das große Fastnachtsduell“ und „Die hessische Weiberfastnacht“ aufzuzeichnen.
Rot in allen Tönen, Lila in unzähligen Schattierungen, blaue Blitze und dazwischen grelles Weiß: Das Auge weiß an diesem Nachmittag in der Kulturhalle nicht, wie ihm geschieht. Denn die Fernsehfastnacht will ins rechte Licht gerückt werden, und das tut der Hessische Rundfunk (HR) mit geballter Technik. Zwölf Container voller Material ließ der öffentlich-rechtliche Sender nach Ober-Roden transportieren. Strahler, Spots und Scheinwerfer allein füllen vier Container.

Die eine Kamera schwebt am bis zu elf Meter langen Ausleger über die Bühne, bei der Feinjustierung braucht der Techniker Augenmaß.

Tonnenweise Licht- und Tontechnik haben die Fernsehleute über Saal und Bühne gehängt. Die Decke ist ein Grund, warum der HR seit 2013 in die Kulturhalle kommt. Deren Tragfähigkeit hatte sich die Stadt seinerzeit extra von einem Statiker bestätigen lassen.
Seine Tragfähigkeit muss auch Eike Rauschenbach bei Proben und Sendungen unter Beweis stellen. Der Nieder-Röder Kameramann rückt mit seiner 30 Kilo schweren Ausrüstung den Akteuren ganz dicht auf die Pelle: Die mobile Steady-Cam wiegt inklusive Kontrollmonitor 20 Kilo. Eine 10 Kilogramm schwere Stahl-Kunststoff-Konstruktion hält sie an der Hüfte. „Rücken und Arme müssen ganz ordentlich was mitmachen“, sagt Rauschenbach, der kein bisschen nach Kraftprotz aussieht.

Kraft und Körperbeherrschung braucht Eike Rauschenbach: Er schleppt am Sonntag 30 Kilo Steady-Cam auch mitten unter die tanzenden Weiberfastnachts-Akteure auf die Bühne.

Seine Frau Dana steht - oder besser läuft - auch beruflich immer an seiner Seite. Sie bezeichnet sich als die „leider fehlende dritte Hand“ ihres Manns und ist sozusagen der externe Autofokus seiner Kamera. Schärfe nachziehen heißt das unter Fachleuten.
Deutlich leichter als Eike Rauschenbach hat’s sein Kollege am „Super Scorpio“. Der dirigiert einen elf Meter langen Ausleger mit vergleichsweise kleiner Kamera ganz gemütlich durch ein paar Hebelchen.

Technikchef Wolfgang Scheibe ist ein mehr als begehrter Mann. Um die Frage „Wollen wir lieber hören oder lieber sehen?“ zu klären, lässt er sich mit einer Hebebühne unter die Hallendecke liften und nimmt ein Mikrofon aus dem Lichtkegel eines Scheinwerfers.

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Und er sorgt sich um die Hose von Moderatorin Simone Kienast. „Das hält doch kein Gummizug aus!“, weist Scheibe das Ansinnen einer Assistentin zurück. Sie wollte ihr drei Mikroports - das sind die Sender der kleinen Kopfmikros - an den Hosenbund klemmen. Die Schwerkraft hätte für den Lacher der Sendung gesorgt - wäre Scheibe nicht dazwischengegangen.

Was der Riesenaufwand bringt, sehen 540 hoffentlich närrisch gestimmte Kulturhallenbesucher am Sonntag, 4. Februar, ab 19 Uhr. Denn dann beginnt die Aufzeichnung der „Hesssichen Weiberfastnacht“. Das Rödermärker Publikum sieht schon mal live, was der Rest von Hessen später im Fernsehen guckt. Die Sendung wird am Donnerstag, 8. Februar, um 20.15 Uhr erstmals im HR ausgestrahlt. Wiederholungen sind am Freitag um 23.35 Uhr und am Fastnachtssonntag um 16.45 Uhr.

Quelle: op-online.de

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