Bunt, bewegt und bodenständig

KSV-Fastnacht nach 2 x 11 Jahren im runderneuerten Gewand

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Der Stolz der KSV-Fastnachtsabteilung ist die große Garde „Red Team“.

Urberach – Närrische Geburtstage gibt’s viele in diesem Jahr – so auch beim KSV Urberach, dessen Fastnachtsabteilung genau 2 mal 11 Jahre besteht. Karnevalistische Aktivitäten gabs schon seit 1973, erinnert sich KSV-Vorsitzender Werner Popp. Von Christine Zieseke

Doch vor 22 Jahren war es dann an der Zeit, die „Veranstaltungsgruppe“ zu einer eigenen Abteilung Karneval zu manifestieren, „die sich voll und ganz auf die fünfte Jahreszeit konzentriert“. Sinn und Zweck ist ausschließlich die Organisation und Durchführung der Kampagne, und das zwölf Monate lang. Ihr erster Abteilungsvorsitzender war Sebastian Popp, gefolgt von Klaus Peter Maaß, Bastian Lamprecht, Manuela Lanzenstiel und seit 2013/14 nun Lars Löbig, unterstützt von Ute Steiger und Andrea Ott.

Er waltet auch engagiert seines Amtes als Sitzungspräsident und ist jederzeit – wie eigentlich die ganze Abteilung – bereit, um die närrischen Gäste zu erfreuen, auch sich selbst mit viel bodenständigem Humor mal zum Narren oder gar zum Affen zu machen.

Die närrischen 22 Jahre waren für die Karnevalsabteilung des KSV auch Anlass, einiges Neue auf den Weg zu bringen: erstmals eine kleine Festschrift, die ganz bodenständig „1. Orwischer Kampagnenheft“ heißt und neben Grußworten, Historie, Fotos und Informationen auch die Speisen- und Getränkekarte des Vereinsheimes enthält. Auch zu den Getränken gibt’s Neues: handfeste Schilder auf den Tischen, die beim Hochheben den durch den Saal flitzenden Bedienungen unzweideutig sagen: „Dorscht!“ Neues gibt’s auch an der Technikfront: Der Elfertisch, an dem sich diesmal 17 Herren vom närrischen Komitee vergnügen (warum eigentlich nur Männer?), erstrahlt in neuer, leuchtender Schönheit.

Doch das Meiste drum herum bleibt beim heiß geliebten Alten: Lydia Suderleith und Birgit Lamprecht etwa fegen im wahrsten Wortsinn über die Bühne und sorgen fürs Künstlerwohl. Die drei Garden in verschiedenen Altersklassen – die Mini-Garde, die Red Diamonds und das Gardeteam Red – bringen viel KSV-Rot und auch viel Anmut und Grazie auf die Bühne.

Mehr Orange bringen jene sechs gestandenen Herren vom Dippehäuser Hofballett unters Volk, die als Rettungsschwimmer vom Rodaustrand mit einem fürs Auge des Betrachters leider viel zu kurzen Tanz auftreten. Dank sei hier den neuen Trainerinnen Laura Kruse und Nisha Steiger, die garantiert viel Mühe mit so viel kraftstrotzender Grazie hatten.

Nicht neu sind auch die alljährlich sehr engagierten Frauengruppen des KSV: die „Montagsfrauen“ mit ihrem perfekt ausgeklügelten „heiteren Beruferaten“, das viel Koordination erfordert. Die „Ladykracher“ kommen diesmal mit einem ganzen Zirkus auf die Bühne, von wunderbaren Muckimännern über Ballerinas bis zu Clowns. Aber auch sonst ist die KSV-Gala eher frauenlastig – etwa mit der Kurzfassung des wohlbekannten Abba-Musicals „Mamma Mia“ (mit einem wunderschönen Live-Solo von Diana Schlapp) oder der sexy vorgetragenen Playback-Show der 90er- und 2000er-Jahre.

Vom Publikum frenetisch gefeiert: all jene Paarungen, die kleine Geschichten beschreiben, wie etwa Helga Maaß-Bender und Claudia Bahnen mit ihren ganz privaten Gedanken während ihrer Arbeit als Masseurinnen. Wunderbar und teilweise wirklich lebensecht, nur eben in „Orwischerisch“: „Dinner for One“ mit Ursula Kaufmann als „Frollein Sofie“ und Birgit Lamprecht als Butler Johann („Muss isch werklich??“) und natürlich mit einem Tigerkopf. Dick und Doof alias Maria Herzog und Helga Maaß-Bender begeistern mit ihrem wortlosen, lachtränen-rührenden Slapstick-Beitrag ebenso wie die beiden Putzfrauen Renate San Nicolas und Lydia Suderleith, die mit Verständigungsproblemen kämpfen. Zuvor hat Renate San Nicolas allerdings schon mit dem Problem zu kämpfen, keine 20 mehr zu sein und immer größere Beauty Cases zu benötigen. Zu diesem Thema haben auch die Männer etwas zu sagen – etwas deftiger, wie üblich, jammert Bernd Kosellek alias Kosi darüber: „Ich werd fuffzich!“

Die Herren haben es generell gern etwas kraftvoller – so etwa das Zwiegespräch über ein neues Lied zum Jubiläum oder die schon aus dem letzten Jahr mit Vorfreude wieder erwartete Einlage der „11 Drummer“-Lehrlinge, die einige Elfer gemeinsam mit Mitgliedern der KSV-Truppe von „Spirit of Music“ und erarbeitet von Lukas Reiß präsentieren.

Bilder: KSV Urberach feiert 2 x 11 Jahre

Ein Höhepunkt des Abends stand allerdings schon ganz am Anfang und machte auch nachdenklich: das alljährliche Protokoll des „Elfers“ Bastian Lamprecht. Er stellte es neben dringendem Wahlaufruf und Seitenhieben gegen die geplante Trumpsche Mauer („Was grenzt an Dummheit? Mexiko und Kanada!“) weitgehend auch unters Motto des 22. Geburtstags: 2 x 11 Jahre schon Orwischer Rosenmontagszug (der 23. startet am 4. März), das heißt 24 442 sind mitgelaufen – das ist ein guter Grund, die Korken knallen zu lassen!

Quelle: op-online.de

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