Fataler Zickenkrieg im Internet

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Der Blick aufs Handy bringt nicht jedes Mal Freude mit sich, sondern oft auch unliebsame Entdeckungen.

Urberach - „Fake oder War doch nur Spaß“, das Theaterstück eines hochkarätigen Ensembles rund ums Mobbing im Internet, ging fast ohne Zuschauer über die Bühne.

Das war die traurige und beschämende Realität in einer Stadt, in der allein 1 740 Schüler an eine weiterführende Schule gehen und genau mit diesem Thema angesprochen sind. Die wenigen Zuschauer waren meist mit Jugendarbeit betraute Erwachsene und sechs, sieben Jugendliche, großteils von Sozialpädagogin Stephanie Grabs aus dem „Schiller-Haus“ mitgebracht, sowie zwei Familien. „Wir haben die Schulen und auch Kirchen angesprochen, aber sie hatten kein Interesse“, lautete die Antwort. Lag"s vielleicht daran, dass am Freitagabend für Lehrer in die Freizeit fällt?

Die Geschichte drehte sich um Lea und ihre Freundin Nadine, ihren Vater, den verklemmten PC-Freak Jo und natürlich den allseits beliebten Sunnyboy. Lea meldet sich bei einer Casting-Agentur an, fliegt dadurch aus ihrer Band, und schon gerät das Rad in Schwung und dreht sich unaufhaltsam weiter. „Zickenkrieg“ über StudiVZ, WKW, Facebook und andere Netzwerke; Fotomontagen über SMS und Internet verschickt: das Stück bewegt auch die wenigen jungen Besucher. „Lea beleidigen ist nun mal Sport geworden, „Disziplin Lea verarschen“ – jeder im Raum ahnt die Bedrängnis des Mädchens.

Die verfahrene Situation eskaliert ins vermeintlich Ausweglose, Lea will von der Schule abgehen, landet in der Psychiatrie – Ende offen. „Wir geben keine Lösung vor, sondern nur Anregung zum Überlegen und Gesprächsstoff“, betonten die Schauspieler, die alle Rollen spielen. Nach der ersten Aufführung kam ein Junge aus dem Publikum mit purer Angst in den Augen zu den Beiden; und so geht es fast an jedem Abend. „Dabei haben wir das Originalstück schon abgemildert, es war noch viel drastischer.“

Den Jugendlichen im Saal ist so etwas noch nicht passiert, wie sie im Gespräch mit den Schauspielern erzählen, aber sie kennen Mädchen, von denen etwa schon unerlaubt Fotos eingestellt worden waren. Eine Mutter gibt zu: „Am meisten hat mich beschäftigt, mit wie wenig das angefangen hat – nur mit einem kleinen Zickenkrieg, wie er täglich passiert...“

„Falls ihr Betroffene kennt: geht zum Vertrauenslehrer und meldet es notfalls der Polizei, das hilft ihnen wirklich“, rieten die Schauspieler den Zuschauern.

chz

Quelle: op-online.de

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