Erst die Arbeit, dann das Bier

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Sie sind die guten Geister des FC Viktoria Urberach.

Urberach - Ein knappes Dutzend Rentner ist einer der fleißigsten Stammtische in ganz Rödermark. Die Truppe um die beiden Heinz‘s - Braun und Weber mit Nachnamen - hält das Gelände des FC Viktoria in Schuss, bevor sie sich einmal die Woche ihre Schoppen schmecken lässt. Von Michael Löw 

Der damalige Vorsitzende Friedhelm Plaßmann hatte den Arbeits-Stammtisch zusammen mit Heinrich Oberthür und Heinz Becker ins Leben gerufen. 18 Jahre ist das mittlerweile her. Einige Helfer der ersten Stunde sind längst gestorben, Neu-Rentner haben ihre Plätze eingenommen. Geblieben ist die Arbeit. Zwei Sportplätze, Tribüne, Biergarten, Park- und Tennisplätze wollen sauber gehalten werden. Im Tribünengebäude fallen immer Elektriker-, Installations- und Weißbinderarbeiten an, die die Rentner für ein paar anerkennende Worte erledigen. Schlosser Werner Frank und Elektriker Winfried Ries bringen die Erfahrungen eines langen Berufslebens ein.

Besonders stolz sind die Männer auf mehrere hundert Quadratmeter Pflastersteine, die sie zwischen Viktoria-Gaststätte und Tribüne verlegt haben. Das war ein im doppelten Sinne Knochenjob: Die Steine, die im Handwerker-Deutsch Knochen heißen, haben die Knochen der Rentner ziemlich beansprucht. Was die Truppe aber nicht daran hindert, demnächst auch noch den restlichen Weg hin zu den Tennisplätzen zu pflastern. Erich Nostadt (79) ist der Älteste im Bunde. Die Rolle des Juniors spielt Gerd Heinzmann. „Wenn ich mal daheim bin, mache ich bei euch mit“, hatte er einst versprochen. Nun ist er Rentner und hat doch einmal pro Woche einen festen Job.

„Der Spaß muss im Vordergrund stehen“, beschreibt Heinz Weber das oberste Gebot der Gruppe. Wer zuhört, wenn Heinz Braun und Gerd Mickler über die Zärtlichkeiten beim Betonverstreichen philosophieren, kann nachvollziehen, dass die Männer vom Wort „bierernst“ höchstens der erste Teil interessiert - natürlich nur nach getaner Arbeit. Wer Geburtstag hatte, gibt beim Stammtisch unter der Tribüne einen aus. Die Mitfeiernden honorieren Getränke und hausmacher Wurst mit einem Ständchen. „Wir haben alle Höhen und Tiefen unseres Vereins miterlebt“, resümiert Heinz Braun und Heinz Weber ergänzt: „...manchmal mehr Tiefen als Höhen!“ Die Turbulenzen der letzten Hessenliga-Saison der Fußballer haben die Viktoria mächtig durchgeschüttelt. Mittlerweile sind aber nicht nur die Rentner der Meinung, dass der Abstieg die bessere Alternative zum teuren Risikospiel war.

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Der Sparte „Tiefschlag“ rechnet Heinz Weber auch den Einbruch in die Garage mit den Werkzeugen zu. Die Ganoven im Herbst ließen eine Motorsense, zwei Rasenmäher und den Minitraktor, den die Rentner teils aus eigener Tasche bezahlt haben, mitgehen. Aber das hat die fleißigen Rentner nur kurz aus der Bahn geworfen. Sie denken schon wieder nach, wie sie zu einem Ersatztraktor kommen. Arbeit und Geselligkeit stehen immer dienstags ab 9.30 Uhr auf dem Plan. Wer mitmachen will, findet bei Heinz Weber (Tel.: 06074/67244) ein offenes Ohr.

Quelle: op-online.de

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