Feinjustierung an Entwicklung

Rödermark (lö) ‐ Wie entwickelt sich Rödermark in den nächsten 15 bis 20 Jahren? Braucht die Stadt neue Wohn- und Gewerbegebiete, wo ist Platz für Erholung, müssen zusätzliche Verkehrswege gebaut werden?

Der Regionale Flächennutzungsplan des Planungsverbandes Rhein-Main will diese Entwicklung steuern, indem er Vorgaben liefert. Städte und Gemeinden im Verbandsgebiet geben ihre Stellungnahme dazu ab.

Der Rödermärker Bauausschuss diskutierte in einer Sondersitzung am Montagabend viereinhalb Stunden über Änderungswünsche und Präzisierungen. Großes stand allerdings nicht zur Debatte.

Die wichtigsten Ergebnisse vorweg: CDU und FDP verzichten auf das von Anwohnern kritisierte Gewerbegebiet westlich der Marienstraße und wollen stattdessen ein 100 bis 200 Meter breites Band entlang des Rödermark rings erschließen.

Überraschend sollen die Flächen zwischen Friedhof Ober-Roden, Disco-Ruine und Rödermarkring nach dem Willen der Koalition ebenfalls Gewerbegebiet werden. Tobias Kruger (CDU), der Vorsitzende des Bauausschusses, sieht darin keinen Widerspruch zum Bau einer Großküche für Rödermarks Schulen oder eines Mehrgenerationenhauses. Bürgermeister Roland Kern kritisierte den Vorstoß zu später Stunde als „unseriös“ und zweifelte seine Notwendigkeit an.

Nur in weiteren Gewerbegebieten können jene neuen Arbeitsplätze entstehen, die Rödermark für junge Familien attraktiv machen und Steuereinnahmen bringen, bekräftigte Kruger einmal mehr die Position von CDU und FDP. Er wolle Gewerbeansiedlung „nicht zum Wettkampf der Kommunen hoch stilisieren“, aber eine städteübergreifende Zusammenarbeit auf diesem Gebiet sei „völlige Illusion“.

Ungezügelter Flächenverbrauch verursache hohe Kosten

Stadtentwicklung darf keine Haushaltspolitik ersetzen“, hielt der AL-Fraktionsvorsitzende Stefan Gerl dagegen. Und sein Parteifreund Friedhelm Mersmann warnte vor allzu einfachen Rechnungen: Ungezügelter Flächenverbrauch verursache hohe Folgekosten für die Infrastruktur.

FAKTEN

‐ Gesamtfläche der Gemarkung: 2 998 Hektar

‐ Wohnen: 416 Hektar plus weitere 29 Hektar

‐ Mischgebiete: 82 Hektar plus weitere 2 Hektar

‐ Gewerbegebiete: 130 Hektar plus 23 Hektar

‐ Grünfläche: 78 Hektar

‐ Ökologisch bedeutsame Flächen: 656 Hektar (Gegenüber dem Regionalplan Südhessen 2000 sieht der Entwurf des Flächennutzungsplanes in Rödermark keine Zuwachsfläche für den Wald mehr vor.)

‐ Regionalpark-Korridor: zehn Kilometer

Quelle: Planungsverband

Nur mit den Stimmen der Koalition nahm der Ausschuss die Kirchengrundstücke am Steckengarten in Ober-Roden als Bauland in den Entwurf auf. AL und SPD wollten die Wiesen erhalten oder in Gärten umwandeln.
Weit gehend einig waren sich die Parteien beim alten Gaswerk an der Mainzer Straße. Das soll zwar als „Sondergebiet Einkauf“ in den Regionalen Flächennutzungsplan aufgenommen, aber nicht zwangsläufig für die Firma REWE entwickelt werden. Die Einzelhandelskette würde gern ihren 1 100 Quadratmeter großen Supermarkt an der Kapellenstraße aufgeben und am Gaswerk 2 000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche bauen. Das unterlaufe jedoch viele Bestrebungen zur Wiederbelebung des Ortskerns von Ober-Roden. Der Ausschuss lehnt Konkurrenz zum innerstädtischen Angebot ab und würde allenfalls Ergänzungen dazu befürworten.

Der Regionale Flächennutzungsplan zeige „Entwicklungsmöglichkeiten für Kommunen auf“, betonte Bürgermeister Roland Kern, dass der Entwurf in die Zukunft gerichtet sei. Niemand müsse bangen oder hoffen, dass nach seiner Verabschiedung sofort die Bagger anrücken. Vor jeder Änderung des Ist-Zustandes müssen die Kommunen einen Bebauungsplan aufstellen. Und das geht nur mit öffentlicher Beteiligung.

Quelle: op-online.de

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