Dr. Jude Njoku zum Terror in Nigeria

Berichte aus einem Land der Angst

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Pfarrer Dr. Jude Njoku informierte in der vollen Kelterscheune eindringlich über die Leiden der Christen in seinem Heimatland Nigeria.  

Urberach - Seit Monaten bewegt das Schicksal von fast 200 katholischen Schülerinnen die Welt, die am 15. April in der abgelegenen Stadt Chibok im Nordosten Nigerias gekidnappt worden waren. Von Christine Ziesecke 

Über diese Entführung und andere Verbrechen an Christen berichtete Pfarrer Dr. Jude Njoku am Montagabend in der Kelterscheune. Die Entführung der jungen Frauen geht auf das Konto der radikalislamischen Terrorgruppe Boko Haram, die allein in den vergangenen Wochen mehrere hundert Zivilisten ermordete. Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, droht durch Boko Haram weiter ins Chaos abzurutschen - und als Staat zu scheitern. Diese Tatsachen dringen bis Rödermark vor, doch die Zusammenhänge bleiben vielen Zeitungslesern und TV-Konsumenten unklar. Der Leiter des nigerianischen Priesterseminars Dr. Jude Njoku, seit vielen Jahren in den Sommerferien als Gastpfarrer unter anderem in der Urberacher Gallus-Gemeinde tätig und hier sehr geschätzt, kommt aus dieser Region. So war es naheliegend für die CDU Rödermark, ihn um ein Referat mit Informationen und Hintergründen zur Situation der Christen in Afrika und speziell in seinem Heimatland Nigeria zu bitten.

Bernd Reuter brauchte den Geistlichen zwar kaum mehr vorzustellen, doch schon seine Lebensgeschichte zeigt die Brisanz der Situation vor Ort. Dr. Njoku kennt wie kaum ein anderer dieses Land, das zutiefst gespalten ist. Die knappe Hälfte der Menschen (darunter rund 14 Prozent Katholiken) lebt im südlichen Landesteil. Hier liegen auch die Wirtschaftszentren und die riesigen Ölfelder. Doch das Geld versickert in den Taschen einer kleinen Elite. Im armen Norden dagegen versuchen Islamisten, angeführt von Boko Haram-Fanatikern, die weltliche Gesetzlichkeit durch die Scharia des islamischen Gottesstaates abzulösen. Was schrittweise auch gelingt. Nicht nur an den Brennpunkten, an den Schnittstellen der beiden Regionen, endet das mit Entführungen, Enthauptungen und übelster Unmenschlichkeit - aus der Angst der radikalen Islamisten heraus, dass Christentum mit westlicher Zivilisation, mit Bildung und mit der Abkehr von ursprünglichen Traditionen einher geht.

Forderung nach Umdenken in der Politik

Sollte Nigeria dann nicht in zwei Landesteile aufgespalten werden? „Das geht nicht, im nördlichen Landesteil leben vereinzelt auch Christen, die würden wir sofort verlieren“, bedauert der Geistliche, der den ganzen Vortrag einschließlich aller Präsentationen dazu in deutscher Sprache bestritt - die vorsichtshalber mitgebrachte Übersetzerin erwies sich als unnötig. Seine Botschaft an die Menschen, die nach einer Lösung des Problems suchen: ein Umdenken auch in der Politik. Es ist nicht mehr möglich, die Welt ohne Gott politisch korrekt darzustellen. „Eine ganz säkularisierte Gesellschaft bietet den Nährboden für den radikalen Islam.“ Oder anders ausgedrückt: Eine Gott abgewandte Gesellschaft erinnert an westliche, wissenschaftsbetonte Kulturen und wird damit vermeintlich zum Feind des Islam. Das Schicksal der Christen im Nigeria bewegte die Zuhörer in der Kelterscheune. In der Fragerunde, die Bernd Reuter moderierte, kamen zahlreiche Fragen rund um Armut und Korruption, die aber immer wieder darauf hinausliefen: Was können wir hier tun, um die Situation erträglicher zu machen?

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Dr. Jude Njoku rät dringend, die Organisationen für Menschenrechte wie etwa Ärzte ohne Grenzen, aber auch Laienorganisationen wie Misereor oder Caritas zu unterstützen. „Es geht darum, sich mehr für die Menschen und weniger für die wirtschaftlichen Interessen einzusetzen!“ Und das mündet für ihn in die eine Folgerung: „Einen Sieg über den Terrorismus gibt es nur über einen Sieg über die Armut.“ Viele Zuhörer unterstützten diese These mit einer Spende am Ausgang.

Quelle: op-online.de

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