Acht „Kern“ Startkapital

Am Eingang müssen die Spielstadtbewohner zwei „Kern“ Steuern bezahlen. Dann befähigt ihr Ausweis sie dazu, sich aus der Reihe der Angebote eine Arbeit für diesen Tag auszusuchen. 

Ober-Roden - 54 Kinder bevölkern diese und nächste Woche die Spielstadt in der Nell-Breuning-Schule. Ginge es nach dem Willen der Stadtväter, dürfte die Einwohnerzahl höher sein. Doch wie schon bei den kirchlichen Freizeiten zu Ferienbeginn sind nicht alle Plätze besetzt. Von Christine Ziesecke

„Viele Kinder sind nach dem Schulalltag erschöpft und wollen beim in den Ferien mal nichts tun. Aber viele Eltern können das berufsbedingt nicht leisten“, erläutert Sozialpädagogin Stephie Grabs. Am Elternwunsch liegt es auch, dass entgegen dem bundesweiten Spielstadtkonzept diesmal schon Sechs- und Siebenjährige als Neubürger eingezogen sind. Sie haben eigene Ansprechpartner. Denn allein die Frage der in „Kern“ zu zahlenden Steuern ist ihnen schwieriger verständlich zu machen als Acht- bis Zwölfjährigen. Nach den Ferien möchte Stephie Grabs eine Online-Umfrage unter Eltern machen, um den echten Bedarf fürs nächste Mal zu ermitteln.

Morgens stehen die 54 Jungbürger am Eingang Schlange. Sie müssen zwei „Kern“ Steuern für den Tag berappen, bekommen ihrem Ausweis und können sich damit bei einer der ausgeschriebenen Beschäftigungen eintragen. Ob in der Mosaikwerkstatt „Farbenfieber“, in der Gärtnerei „Biene“, im „Laden der Sinne“ oder beim Spielmobil: bis zum frühen Nachmittag wird mit Pausen gearbeitet, dann wird beim Basar das bisher Produzierte verkauft. Ebenso können dort für den nächsten Tag Ausflüge, etwa ins Vivarium Darmstadt, gebucht werden – Geschäftstätigkeit wie im wahren Leben.

Ein Monopol hat die Bank. Jeder Bürger bekam zu Beginn acht „Kern“ (das Konterfei von Bürgermeister Roland Kern ziert die Geldscheine) als Startkapital. Die Bank zahlt im Auftrag der Berufssparten die Löhne aus, die nach Dienstschluss aufs eigene Konto einbezahlt werden können. Neben ihrer Funktion als Währungshüter sind die Banker auch die Streitschlichter und ersetzen das Gericht, das Konfliktparteien im vorigen Jahr anrufen konnten. Schon am ersten Tag brauchten zwei Kandidaten die Unterstützung.

Sport- und Spiel-Programm für alle

Beliebt und gut gebucht ist auch der erste Spielstadt-Sportverein: Aaron von Soosten-Höllings vom Verein für Fitness und Schwimmsport will den Kindern neben viel Bewegung auch einiges über das Vereinswesen beibringen. „Wovon sie eigentlich überhaupt nichts wissen, obwohl sie fast alle einem Verein angehören“, hat er festgestellt. Mittags während des Basars bietet der Verein zudem ein Sport- und Spiel-Programm für alle an.

Sehr gefragt ist die Mitarbeit im „Kids-Studio“. Mit Kamera und Mikrofon alle Geschäfte oder Werkstätten abzulaufen und Interviews zu führen, reizt viele Kinder. Die Technik hat der Offene Kanal Offenbach ihnen geliehen, der am Ende eine Zusammenfassung der Spielstadt-Berichterstattung übertragen wird.

Heute Nachmittag wird’s spannend. Denn dann wählen die Einwohner der Spielstadt ihren Bürgermeister und den Stadtrat. Bis dahin kann sich jeder Teilnehmer für ein Spitzenamt in der Verwaltung profilieren. Über eine Neuerung freut sich Stephie Grabs besonders: die Kooperation mit dem Förderverein der NBS. Seine Bistro-Chefin hilft, sich in der Schulküche zurechtzufinden.

Quelle: op-online.de

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