Eispanzer in Slowenien geknackt

+
Daniel Ortiz (links) und Waldemar Schrod aus Ober-Roden gehörten zu den rund 50 hessischen Feuerwehrleuten, die die Stromversorgung in Slowenien nach dem schweren Eisregen wieder in Gang brachen. Nach ihrer Rückkehr demonstrierten sie im Kleinen, was sie in der Stadt Logatec im Großen (anderes Bild) taten.

Ober-Roden - Einer der längsten Auslandseinsätze hessischer Feuerwehren geht in die dritte Woche: Gut 50 Mann helfen, die Stromversorgung in Slowenien, die nach tagelangem Eisregen buchstäblich zusammengebrochen war, wieder aufzubauen.

Waldemar Schrod und Daniel Ortiz von der Feuerwehr Ober-Roden gehörten zum ersten Trupp, der am 4. Februar ins Winterchaos aufgebrochen war. Gestern berichteten sie im Gespräch mit unserer Zeitung über geknickte Masten und internationale Zusammenarbeit.

Anfang Februar hatten drei Tage Dauer-Eisregen große Teile Sloweniens mit einem dicken Panzer überzogen. Strommasten brachen unter dem Gewicht zusammen, umstürzende Bäume rissen die Leitungen herunter. Das Innenministerium bat die Europäische Union um Hilfe.

Beeindruckende Arbeit der Slowenen

Notstromaggregate dorthin fahren, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. Einheimische Fachleute kümmerten sich ums Anschließen.

18 Stunden hatte die Fahrt nach Logatec, mitten zwischen Adriaküste und Alpen gelegen, gedauert. „Morgens um 4.30 Uhr kamen wir an, um 7.30 Uhr war das erste Meeting, um 12 Uhr waren schon die ersten fünf Generatoren am Netz“, schilderte Schrod den Beginn des Einsatzes. „Den ersten Tag haben wir fast rund um die Uhr gearbeitet.“ Die Fahrer der deutschen Feuerwehrautos manövrierten die garagengroßen Aggregate in die Nähe von Krankenhäusern, Altenheimen oder Trafohäuschen. Experten der regionalen Energieversorger übernahmen den Anschluss. Die Arbeit des slowenischen Katastrophenschutzes hat Schrod und Ortiz beeindruckt. Soldaten hatten umgestürzte Bäume zusammengesägt oder am Stück von den Straßen gezogen, die Streudienste hatten die schlimmste Glätte entschärft. Trotzdem gab"s ein paar heikle Momente: So kam der hessische Tross erst weiter, nachdem österreichische Feuerwehrleute mit ihrem Unimog Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes einen Berg hinaufgezogen hatten.

Daniel Ortiz, Waldemar Schrod und ihre Kollegen waren in einer ehemaligen Kaserne, die dem slowenischen Militär heute als Veteranenheim dient, untergebracht. Um die Verpflegung kümmerten sich Köche aus Logatec. Egal, ob die Helfer im Quartier oder die Einsatzkräfte auf vereisten Parkplätzen: Die Leute, so Ortiz, hätten sie immer spüren lassen, wie willkommen die Hilfe aus dem Ausland ist. Eifersüchteleien oder gar Spannungen zwischen unterschiedlichen Organisation aus insgesamt fünf Ländern habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Freiwillige Feuerwehr feiert Geburtstag (2011)

Freiwillige Feuerwehr feiert Geburtstag

Waldemar Schrod und ein paar Kollegen aus Hainburg waren nach einem arbeitsreichen Tag Pizza essen gegangen und kamen dabei mit einem Slowenen ins Gespräch. Als sie ihre Zeche zahlen wollten, kam die Kellnerin mit einer geradezu lächerlich geringen Rechnung: Der Unbekannte hatte beim Gehen ohne viel Aufhebens die Getränke übernommen.

Mittlerweile ist das Eis geschmolzen, doch Hilfe wird immer noch benötigt. Aus Ober-Roden ist der inzwischen dritte Trupp nach Slowenien gefahren. Waldemar Schrod geht davon aus, dass die beiden Männer mindestens bis Anfang nächster Woche bleiben. Ob auch ein vierter Trupp nach Logatec fährt, hängt davon ab, wie das slowenische Innenministerium die Lage einschätzt. Schrod schließt einen weiteren Einsatz nicht aus.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare