Feuerwehrmänner bauen Einsatzfahrzeuge nach

Eine Parallelwelt im Maßstab 1:87

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Gute Nerven und eine ruhige Hand sind für die bastelnden Feuerwehrmänner unabdingbar. Hier montiert Jürgen Rebel die Sitzbank mit der Atemschutzausrüstung in ein Löschfahrzeug.

Ober-Roden - Ober-Röder Feuerwehrmänner bauen ihre Einsatzfahrzeuge nach. Auch Unglücksorte gibt es als Modell. Von Michael Löw

Sie knacken mit dem Rettungsspreizer auch das verbogenste Autowrack und machen mit 5.000 Litern Wasser aus dem Tanklöschfahrzeug in Minutenschnelle jedem Waldbrand den Garaus. Doch Ober-Röder Feuerwehrmänner beweisen immer wieder Feingefühl. Sie basteln Modellautos im Maßstab 1:87. Ihre Motive? Natürlich Einsatzfahrzeuge. Zehn Männer und Jugendliche ist der Bautrupp um Jürgen Rebel und Sven Lehninger stark. Anfangs klebte jeder allein vor sich hin, 2005 beschlossen sie dann, ihre Modelle beim Tag der offenen Tür im Feuerwehrstützpunkt als Gemeinschaftsausstellung zu zeigen.

Jürgen Rebel fing mit Standardmodellen an. Doch er wollte die Autos, mit denen er und seine Kollegen nahezu täglich zu einem Einsatz rasen, im Kleinformat haben. Der „Rüstwagen 1“, ein aus heutiger Sicht antiquierter Mercedes mit runder Motorhaube, war der erste Eigenbau. Genauer gesagt: der erste Beinahe-Eigenbau. Fahrgestell und Führerhaus stammen von einem gekauften Modell, nur der Aufbau ist Handarbeit.

Das neueste Vorhaben: eine brennende Fabrik

Kaum handtellergroß ist das Modell das „TLF 20/25“. Das Original steht - wie die Vorbilder der meisten anderen Modelle auch - im Feuerwehrstützpunkt in der Kapellenstraße. Die Bastler wollen nämlich die Fahrzeuge nachbauen, mit denen sie im Einsatz sind.

Seitenwände und Türen entwirft Jürgen Rebel am Computer und überträgt sie auf eine CNC-Maschine. Die spuckt eine gut millimeterdicke Kunststoffplatte aus, aus der er die vorgestanzten Teile nur noch herausschneiden, bemalen und zusammenkleben muss. Klingt eigentlich ganz einfach, ist’s aber nicht. Allein für die Theorie - das große Vorbild fotografieren, die Maße aufnehmen und auf 1:87 herunter rechnen, das Computerprogramm schreiben - verschlingt fast 20 Stunden. Der Maßstab 1:87 entspricht übrigens der handelsüblichen H0-Eisenbahn. Selbst Laien können sich die Fummelarbeit vorstellen, die hinter den Einreißhaken des „Rüstwagens 1“ steckt.

Thomas Braun baut nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Einsatzorte. Sein neuestes Vorhaben ist eine brennende Fabrik, aus der Rauch und Flammen dringen. Grau gefärbte Watte und elektrisches Flackerlicht machen’s möglich. Braun hat daheim alle Modelle in einer Vitrine geschlossen, „weil sie zum Spielen zu schade sind“.

Jürgen Rebel ließ seine Kinder mit den Feuerwehrautos Marke Eigenbau spielen: „Aber nur, wenn sie bei mir auf dem Schoß saßen.“ Seinen Sohn Merlin hat er mit dem Bastelfieber angesteckt. Er ist derzeit am „Gerätewagen Atemschutz“ dran. Wie im Original soll auch beim Modell die Dekontaminationszelle absetzbar sein.

Viel Schweiß und Blut

Jürgen Rebel und sein Sohn Merlin bauen daheim im Keller den Ober-Röder Feuerwehrstützpunkt nach und bestücken ihn mit Minifahrzeugen aus eigener Produktion.  J Fotos (4): Löw

Technisch noch einen Schritt weiter geht Pascal Jäger, Ausbilder bei der Ober-Röder Jugendfeuerwehr. „Ich bin gerade in der Planungs- und Konstruktionsphase des Teleskopmast-Fahrzeugs“, erzählt er. Der Mast mit dem Rettungskorb kann ausgefahren und gedreht werden, das Auto selbst rollt vom Computer gesteuert durch Miniaturstädte. Für soviel Technik ist eigentlich kein Platz, aber Pascal Jäger hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Da wird noch viel Schweiß und Blut reinfließen. Aber wenn es fertig ist, wird das mein persönliches Meisterstück!“ Bei soviel Detailverliebtheit der Jungen werden selbst die alten Hasen wie Mittvierziger Jürgen Rebel blass.

Ein Modellbauer der anderen Art ist Sven Lehninger. Er stellt Brände und Unfälle mit Playmobil-Figuren und -Fahrzeugen nach: „Ich habe davon mehrere Kubikmeter im Keller stellen.“ Seine Mini-Katastrophe für den Tag der offenen Tür: der Zusammenstoß einer Eisenbahn mit mehreren Autos.

Großübung der Rodgauer Feuerwehr

Großübung der Rodgauer Feuerwehr

Quelle: op-online.de

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