Einsätze mit extremer Belastung

Feuerwehr musste schon sieben Leichen bergen

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Rödermark - Sieben Tote, 36 oft schwerst verletzte Unfall- oder Brandopfer: Rödermarks Feuerwehrleute wurden in den vergangenen zwölf Monaten mit soviel psychischen Herausforderungen wie schon lange nicht mehr konfrontiert. Von Michael Löw 

Aus dem mit Fakten und Daten nur so gespickten Jahresbericht 2012/2013 von Stadtbrandinspektor Herbert Weber stechen zwei Zahlen hervor. „Bei den Einsätzen waren 36 Personen mit teilweise schwersten Verletzungen und leider auch 7 Tote zu verzeichnen“, sagte er bei der gemeinsamen Hauptversammlung der Feuerwehren Ober-Roden und Urberach.

Zwischen dem 1. November 2012 und dem 31. Oktober 2013 starben drei Menschen auf Rödermarks Straßen und vier in ihren Wohnungen. Besonders dramatisch ist den Einsatzkräften ein Unfall auf der B45 zwischen Ober-Roden und Rollwald in Erinnerung. Auf der Schnellstraße war ein Motorradfahrer gestürzt und wurde von mehreren Autos überrollt. Die Bergung der Leiche und die Arbeit der Sachverständigen dauerte mehrere Stunden. Die Feuerwehrleute mussten die Unfallstelle ausleuchten und waren erste Ansprechpartner für geschockte Autofahrer.

Geschockt waren selbst hartgesottene Einsatzkräfte nach einem nächtlichen Pkw-Brand im Wald neben der B 486. Der Leichnam des Autofahrers war so verkohlt, dass er erst kurz vorm Abtransport des Wracks entdeckt wurde. Aber auch der leise, unauffällige Tod beziehungsweise dessen Begleitumstände setzen den Feuerwehrleuten zu. Viermal mussten sie Türen öffnen in der Gewissheit, nicht mehr helfen zu können. Dass der Tod eines Nachbarn in einem Hochhaus unbemerkt bleibt, ist auch in Rödermark schon länger traurige Tatsache. Wenn aber in einer Altort-Seitenstraße ein Mensch stirbt, ohne dass es jemandem auffällt, stimmt das mehr als nachdenklich.

„Oft ist hier eine Gleichgültigkeit zu erkennen“, bedauert Stadtbrandinspektor Weber und schildert einen Fall aus Urberach: Ein Mann, der eigentlich oft ein Schwätzchen mit Nachbarn hielt, lag tagelang tot in seiner Wohnung. Aufgefallen war"s aber dem Fahrer eines Lebensmittelservices, der vergeblich geklingelt hatte und dann ums Haus ging. Als er Fenster voller Fliegen sah, schlug er Alarm. „Leider nimmt die Zahl dieser Einsätze zu“, blickt Weber düster nach vorn.

Großübung der Rodgauer Feuerwehr

Großübung der Rodgauer Feuerwehr

Bei aller psychischer Belastung hatten die Feuerwehrleute auch Momente des Aufatmens. An Pfingsten hatten sie eine Frau aus den Trümmern ihres völlig zerstörten Autos befreit. Die Altheimerin schickte einen herzlichen Dankesbrief in die Feuerwache. Weber: „Das erlebt man selten.“

Glücklich endeten auch die meisten der zwölf Tiereinsätze des vergangenen Jahres. Ein Pferd, das in einem Graben feststeckte, kam aus eigener Kraft frei, als die Feuerwehr anrückte. Und eine Katze, die hinter einem großen Kaminofen klemmte, konnten Webers Leute unversehrt den Besitzern zurückgeben -nachdem sie den Ofen inklusive aller Rohre abgebaut hatten.

Quelle: op-online.de

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