Feuerwehr tagsüber nur auf dem Papier stark

Rödermark (lö) - Rund 133 Männer und Frauen - 83 in Ober-Roden, 50 in Urberach - ist die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Rödermark stark.

Doch trotzdem bangen Stadtbrandinspektor Waldemar Schrod und die übrigen Führungskräfte tagsüber bei so manchem Alarm: Bringen wir bei Großbränden oder schweren Unfällen genug Helfer auf die Beine? 2011 wurden beide Wehren 327 Mal alarmiert. Nur 20 Prozent der Einsätze konnte das hauptamtliche Personal abwickeln. In 80 Prozent der Notfälle mussten Ehrenamtliche mit ran.

„Auf dem Papier stehen wir gut da. Aber die Tageseinsatzstärke hat sich negativ entwickelt“, bedauert Ober-Rodens stellvertretender Wehrführer Herbert Weber. 31 Männer und Frauen seiner Einsatzabteilung arbeiten in Rödermark, das hört sich zunächst recht viel an. Doch die Zahl relativiert sich schnell: Neun Monteure sind oft außerhalb der Stadt unterwegs , drei Kundendienstmitarbeiter können nicht einfach lossprinten, für zwei Oberstufenschüler haben Klausuren Vorrang. Bei den elf Urberacher Feuerwehrleuten, die ihr Geld im Ort verdienen, sieht"s ähnlich aus.

Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber, einen freiwilligen Feuerwehrmann gehen zu lassen, wenn sich der Piepser meldet. Doch dann steckt mancher im Zwiespalt zwischen Karriere und bürgerschaftlichem Engagement. „Wir üben da keinen Druck aus, sondern überlassen diese Entscheidung jedem selbst“, hat die Rödermärker Wehrführung als Devise ausgegeben. Immer häufiger geht das zu Lasten der Tageseinsatzstärke, die Weber schon längst Tageseinsatzschwäche nennt.

Technik kann Menschen nicht ersetzen

Selbst städtische Bedienstete sind bei einem Alarm nicht immer sofort zur Stelle. Wer gerade einem Bürger einen komplizierten Antrag erläutert, muss das bis zum Ende durchziehen. Sonst heißt"s schnell „Die im Rathaus lassen die Leute einfach stehen!“

Feuerwehrautos werden immer weiter hochgerüstet, um möglichst wenig Helfern eine möglichst große Schlagkraft zu verleihen. Aber Technik ohne Mensch kann - und darf - kein Allheilmittel sein. Weber: „Laut Gesetz müssen wir bei einem Brand innerhalb von zehn Minuten mit einer vollständigen Löschgruppe am Unglücksort sein.“ Im Klartext: neun Feuerwehrleute, darunter mindest vier mit Atemschutzausbildung.

„Gottseidank konnten wir bei allen kritischen Einsätzen bisher immer die Zehn-Minuten-Frist einhalten“, ist Herbert Weber einerseits zufrieden. Aber er räumt auch ein: Wenn nach einem Unfall mit Blechschaden nur ausgelaufenes Motoröl beseitigt werden muss, kann's schon mal etwas länger dauern.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Christoph Ehleben/pixelio.de

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