Rödermarker Feuerwehr

Tagsüber sind Helfer Mangelware

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Im künstlich vernebelten Lager der Firma Videor trainierte die Feuerwehr Ober-Roden, wie sie unter schwierigen Bedingungen Menschen retten kann. Bei der Übung am Donnerstagabend waren Personalengpässe kein Thema, doch der Einsatzalltag sieht anders aus.

Rödermark - Der Stadtbrandinspektor sorgt sich um Schlagkraft der Rödermärker Feuerwehr. Die Personalknappheit birgt Risiken. Von Michael Löw 

137 Männer und Frauen gehören der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Rödermark an. Eine starke Truppe - meint man. Wenn"s aber morgens um 11 Uhr brennt, muss der erste Löschtrupp mit nur 5 bis 18 Mann ran. Stadtbrandinspektor Herbert Weber schlägt Alarm.

Die so genannte „Tageseinsatzverfügbarkeit“ wird für die Freiwilligen Feuerwehren in der Region immer mehr zum Problem. „Realistisch gesehen habe ich tagsüber in Ober-Roden 18, in Urberach oft nur vier bis fünf Kräfte für den Erstangriff zur Verfügung“, spricht Stadtbrandinspektor Herbert Weber Klartext. Rödermarks oberster Feuerwehrmann könnte personell theoretisch aus dem Vollem schöpfen. 80 Namen stehen auf der Liste der Ober-Röder Einsatzabteilung, 57 auf der Urberacher Liste. 31 freiwillige Feuerwehrleute arbeiten in Rödermark, wären bei einem Alarm also in Minutenschnelle am Feuerwehrhaus.

Löschgruppe auf neun Personen festgeschrieben

Die Realität sieht anders aus. Etliche Feuerwehrleute sind als Monteure tagsüber für ihre Firma unterwegs, andere arbeiten Schicht, drei verdienen ihr Geld in Berufen wie Optiker und beraten unter Umständen gerade einen Kunden, wenn der Piepser geht. „Diese Firmen können ihr Personal verständlicherweise nicht weglassen“, sagt Weber. Der Ober-Röder Feuerwehr fehlen ab Sommer zudem drei Atemschutzgeräteträger, die momentan die Nell-Breuning-Schule besuchen. Sie bildeten mit den Hauptamtlichen die schlagkräftige Besatzung des ersten Löschfahrzeugs. Doch nach dem Abitur sind sie zumindest vorläufig weg.

Hessische Feuerwehren - auch die freiwilligen - müssen innerhalb von zehn Minuten mit sechs voll ausgebildeten Kräften am Unglücksort sein. Weil aber nicht alle Feuerwehrleute eine Atemschutzausbildung haben, hat die Stadt Rödermark die Stärke einer Löschgruppe auf neun Personen festgeschrieben. Nach weiteren fünf Minuten muss eine zwei Löschgruppe nachrücken.

Übung in der Feuerhölle

„Die Person, die Hilfe braucht, bekommt in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit Hilfe“, versichert Stadtbrandinspektor Weber. Personalengpässe haben aber schon die freiwilligen Helfer einem hohen Risiko ausgesetzt: Im ersten Fahrzeug saßen genug Atemschutzträger, um Menschen aus einer brennenden Wohnung zu retten. Der Sicherungstrupp für die Feuerwehrleute war aber zu dünn besetzt.

Um die Sicherheit von Hilfsbedürftigen und Helfern zu gewährleisten, hat Weber die Alarmordnung verschärft. Sind Menschenleben oder große Sachwerte in Gefahr, rücken automatisch beide Rödermark-Wehren aus. Ein wenig Entlastung bringt ein Dietzenbacher Feuerwehrmann, der in Ober-Roden arbeitet: Nach kurzer Extraausbildung auf den Rödermärker Fahrzeugen leistet er Nachbarschaftshilfe der besonderen Art. Weber und sein Vorgänger Waldemar Schrod haben auch schon innerhalb der Stadtverwaltung um Quereinsteiger geworben - allerdings ohne Erfolg.

Ansonsten ist die Feuerwehr auf Unterstützung von außen angewiesen: Mehr hauptamtliche Kräfte kann eine Stadt wie Rödermark, die unter Rettungsschirm des Landes steht, nur einstellen, wenn sie anderswo spart. Jobs in der Nähe der Feuerwehrhäuser können nur dann entstehen, wenn dort auch Platz für Firmen ist.

Übung der Jugendfeuerwehren (2011)

Übung der Jugendfeuerwehren

Quelle: op-online.de

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