Finanzierung der Kinderbetreuung

Kita-Bau wird zum Risikospiel

Rödermark (lö) - Der vom Bund geforderte Ausbau der Kleinkindbetreuung wird für Rödermark immer mehr zum Risikospiel. Die Finanzierung der geplanten U3-Kita in Ober-Roden steht auf recht wackeligen Beinen, klagte gestern der Erste Stadtrat Alexander Sturm.

Außerdem findet die Stadt immer schwerer Erzieherinnen und muss immer höhere pädagogische Anforderungen erfüllen.

Die Stadt will in der Odenwaldstraße 70a einen Minikindergarten für fünf Gruppen bauen. Das schafft 38 neue Plätze und garantiert, dass Rödermark die Vorgabe aus Berlin - einen Versorgungsgrad von 35 Prozent - im Spätsommer 2013 auch erfüllen kann. Der Neubau orientiert sich optisch und energietechnisch an den U3-Kindergärten in der Carl-Zeiss- und Bruchwiesenstraße und soll rund 1,65 Millionen Euro kosten. Ein erster Zuschussantrag wurde abgelehnt, beim zweiten wartet Sturm auf Antwort. Weil aber Eile geboten ist, muss die Stadtverordnetenversammlung am 11. September den Bau auch ohne Förderbescheid beschließen.

In die Magistratsvorlage hat Sturm das Wortungetüm „nicht förderschädlich“ eingebaut. Will heißen: Das Parlament segnet das Projekt ab. Die Bagger rücken aber erst dann an, wenn Klarheit in puncto Förderung herrscht. Sturm geht davon aus, dass dies bis Ende September der Fall ist.

Hohe Anforderungen

Doch auch ein positiver Zuschussbescheid bedeutet nicht, dass die Finanzierung zwischen Stadt, Land und Bund gedrittelt wird wie das ursprünglich versprochen war. Jeder der theoretisch 50 Plätze erfordert 33.000 Euro Investitionen, bis zu 15.000 Euro schießt das Land zu. Die Anforderungen sind indes so hoch, dass maximal 38 Plätze gefördert werden. Grund: Die „Stoppelhobser“, einer der Mieter im Neubau, fahren ein relativ einfaches Betreuungsmodell mit viel Elternhilfe. Dafür gibt"s vom Land kein en Cent. Sturm: „Von einer Kostendrittelung sind wir weit entfernt. So bleiben an uns 55 Prozent der Investitionen hängen.“

Des Kämmerers berechtigtes Klagelied hat noch eine weitere Strophe. Die Umwandlung von Elterninitiativen in professionelle Betreuungseinrichtungen bezahlt die Stadt im Alleingang. Über Jahre hinweg reichte für die „Krabbelgruppen“ ein Zuschuss von 800 Euro pro Kind und Jahr. Die von oben vorgebenen Standards bei Personal, Gruppenstärke, Räumen und Ausstattung lässt diese Summe regelrecht explodieren - auf 4500 Euro.

Sturms düsteres Fazit: Der Konflikt zwischen knapp bemessenem Fördergeld und dem Rechtsanspruch der Eltern bringt nicht nur Rödermark in eine unverschuldete Misere.

Quelle: op-online.de

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