Stadt sucht Kontakt zu privaten Bauträgern und schafft Platz durch Umstrukturierung

Kinderbetreuung: Flexible Lösungen sind gefragt

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Die frostigen Tage Mitte bis Ende Januar haben das Verlegen des Estrichs in der Mensa der Schule an den Linden um ein paar Tage verzögert. Stadt und Architekt sind sicher, diese Verspätung aufholen zu können.

Rödermark - Kindergartenplätze werden knapp. Eltern von Einjährigen zum Beispiel haben Probleme, ihre Kinder vor den Sommerferien unterzubringen. So steht’s im Kindertagesstätten-Bedarfsplan. Von Michael Löw

Das 34-Seiten-Papier zeigt aber auch zahlreiche Lösungsansätze, wie Stadt und freie Träger den Mangel beheben können. Der Magistrat setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit Investoren. Rund 1 600 kleine Rödermärker - vom Krabbelkind bis hinauf zum Viertklässler - haben laut Kindertagesstätten-Bedarfsplan Platz in den Kitas der Stadt und der freien Träger sowie in der Schulbetreuung. Von Engpässen wie zum Beispiel in Waldacker abgesehen, reicht dieses Angebot im Großen und Ganzen - auch wenn nicht alle Kinder in der Wunsch-Kita unterkommen. Doch Rödermark wächst in den nächsten Jahren: durch Baugebiete wie auf dem Hitzel & Beck-Gelände oder den „Rennwiesen“, durch Flüchtlinge und den Zuzug von Familien. Das trifft vor allem Waldacker, wo alte Menschen zu groß gewordene Häuser verkaufen oder vererben.

Erster Stadtrat Jörg Rotter hat im Magistrat und im Sozialausschuss den Kindertagesstätten-Bedarfsplan eingebracht. Der weist auf drohende Lücken hin und zeigt Möglichkeiten, wie sie geschlossen werden können. In Urberach spricht vieles für die Wiederbelebung der seit 2016 verwaisten Kita Lessingstraße. Pläne, das mehr als 2 000 Quadratmeter große Grundstück für die reine Wohnbebauung zu nutzen, sind vom Tisch. „Das Haus ist aus meiner Sicht funktionstüchtig, zumindest für eine Übergangszeit“, lehnt auch Bürgermeister Roland Kern den Abriss ab. Ohne allzu großen Aufwand ließen sich sowohl U3- als auch Regelplätze unterbringen. Dem Magistrat liege außerdem das „seriöse Angebot“ eines Investors vor, der innerhalb von zwei Jahren einen Neubau hochziehen will: im Erdgeschoss eine Kita, in den beiden Stockwerken darüber Wohnungen.

Private Bauherrn könnten der Stadt auch über einen Engpass in Ober-Roden helfen. Der Mietvertrag der Johanniter-Kita „Sonnenburg“ im Breidert-City-Center läuft 2019 aus, eine Verlängerung ist nach dem derzeitigen Stand unwahrscheinlich. 20 U3-Plätze fielen weg. Ersatz könnte dort entstehen, wo demnächst Familien einziehen: auf dem früheren Galvanikwerk in der Odenwaldstraße. Der Magistrat verhandelt mit Investor Christian Früchtenicht und der Bauaufsicht. Ziel der Gespräche: 400 der 1 000 Quadratmeter für Läden, Praxen und Büros als Kita abzwacken.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Auf dem alten Ober-Röder Festplatz baut die Stadt selbst beziehungsweise mit rund 1,9 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm des Bundes. Ab Sommer entsteht der Nachfolger des Familienzentrums Motzenbruch, bis Ende 2018 muss er fertig sein. Sonst verfällt die Förderung. Stadtrat Rotter spricht von einem ambitionierten Vorhaben. Denn bei Baubeginn liegen auf dem Festplatz weder Wasser noch Kanal. In der Kita Motzenbruch und ihrer Waldgruppe werden mehr als 100 Kinder betreut. Plätze will die Stadt auch durch Umorganisation schaffen. Rotter lässt prüfen, ob in der Carl-Zeiss-Straße auch Kinder über drei Jahren betreut werden können, wenn die Nachfrage nach Krabbelgruppenplätzen sinkt. Um solche Überlegungen, so der Sozialdezernent, komme die Stadt nicht herum, weil der Schutzschirmvertrag ihre Investitionen begrenzt.

Einen großen Schritt nach vorn macht die Schulkindbetreuung in Urberach, die Mensa im südlichen Teil des Schulhofs nimmt Gestalt an. Herzstück ist ein Speisesaal, in dem 100 Erst- bis Viertklässler gleichzeitig essen können. Der geplante Drei-Schicht-Betrieb erlaubt die Versorgung von 300 Kindern. Der rund 1,6 Millionen Euro teure Bau ist nach Auskunft von Architekt Christos Karawassillis 513 Quadratmeter groß und bietet Platz für eine Küche samt Lager, zwei Betreuungsräume, ein Arbeitszimmer für die Betreuer und ein Leiterinnenbüro. Moderne Technik mit Wärmerückgewinnung und Pelletsheizung hält die Energiekosten in Grenzen. Die Küche nimmt im Mai den Probetrieb auf, die Einweihung soll beim Schulfest im Juni stattfinden.

Quelle: op-online.de

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