Flucht in die virtuelle Welt der Spiele

Ober-Roden ‐ Für die einen ist es Zeitverschwendung und Konkurrent zu schulischen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen, für die anderen das Tor zu einer neuen multimedialen Welt, die soziale Kontakte und persönliche Fertigkeiten eher fördert als verhindert: „Sinnlos zocken und doch was lernen!?“ lautete der Titel eines Gesprächsabends zum Thema „Computerspiele“.

Das Dekanat Rodgau hatte zur Gesprächsreihe „Evangelisch betrachtet“ Fachleute und Interessierte eingeladen.

Hintergrund ist das zweite „Gockel Gaming“, eine LAN-Party, die die Evangelische Jugend Ober-Roden am 14./15. November zum zweiten Mal veranstaltet.

Vor allem die Argumente von Eltern und „Gamern“, also Computerspielern, machten die Spannungsfelder deutlich, in denen sich auch die Auseinandersetzung in Familien um die Vorherrschaft über den Computer abbilden. „Es ist ein ständiger Kampf“, schilderte eine Mutter den Konflikt zwischen realen Schulleistungen und virtueller Freizeitbeschäftigung. Klar ist: Es gibt weder „das Computerspiel“, noch den typischen Spieler, erklärten der Ober-Rodener Martin Müller und Patrick Schönfeldt vom Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler. Der Zusammenschluss der deutschen „Gamer“ wurde im Juli gegründet und zählt bereits 1000 Mitglieder. Neben Interessenvertretung und Beiträgen zur politischen und gesellschaftlichen Debatte gehen die Verbandsvertreter auch an Schulen und in Jugendeinrichtungen und informieren Lehrer, Eltern und Jugendliche über die Inhalte der virtuellen Spielwelt.

Warnung vor einer unkontrollierten Nutzung des Mediums

Sie plädierten für mehr Offenheit und Interesse der Eltern an den Online-Aktivitäten ihrer Kinder, gleichzeitig aber sehr wohl für die Verantwortung: Altersfreigaben und konkrete, aber flexibel angewandte Absprachen über die spielerische Nutzung des PC vor allem in der Pubertät halten erfahrene Spieler für essenziell. Vor allem junge Spieler hätten auch selbst ein Interesse, mit ihren Eltern darüber zu reden. Das erfordere Fingerspitzengefühl, denn vor allem für Jugendliche heiße die Benutzung von PC und Internet auch: Privatsphäre und Selbstinszenierung. Beides sei, so der Ober-Rodener Gemeinde- und Medienpädagoge Frank Daxer, wichtig für die Persönlichkeitsbildung.

Vor einer zu frühen und unkontrollierten Nutzung des Mediums Computerspiel warnte Werner Damm: „Eltern müssen nicht selbst spielen, aber die Spiele kennen und ihre Kinder anleiten, die Balance zwischen virtueller und realer Welt zu halten.“ Der Pädagogische Leiter der Nell-Breuning-Schule, selbst Vater von vier Söhnen, steht den Argumenten der Online-Generation kritisch gegenüber. Er warnte unter anderem vor der Gefahr, in Abhängigkeit zu geraten. Auch der soziale Druck in Cliquen oder Spiel-Teams (so genannten „Clans“) sei immens. Ebenso seien viele Spiele darauf angelegt, ihre Nutzer „für möglichst langes Durchhalten am PC“ zu belohnen. Auch Damm sieht die Verantwortung hauptsächlich bei den Eltern.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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