Forschungsleiter im Chemiesaal

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Veit Höpker hat 1995 promoviert und danach fast 13 Jahre an Hochschulen und für die pharmazeutische Industrie geforscht. Seit August ist er Lehrer an der Nell-Breuning-Schule. Der Biologe ist einer von 15 Quereinsteigern, die in der Kapellenstraße unterrichten.

Rödermark - Promotion in London, Veröffentlichungen in renommierten Wissenschafts-Zeitschriften wie „Science“ oder „Nature“, Vorträge in England und Japan, Leiter eines Forschungsinstituts, das neue Medikamente auf ihr Krebsrisiko testet. Von Michael Löw

Der Lebenslauf von Dr. Veit Höpker (45) liest sich beeindruckend - zumindest bis ins Jahr 2007. Seither unterrichtet er Biologie, Chemie und Physik an der Nell-Breuning-Schule. Und zwar gern, sehr gern.

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Ich wollte meine wissenschaftlichen Kompetenzen nutzbringend für die Allgemeinheit anlegen“, begründet Höpker den ungewöhnlichen Wechsel von der Industrie in den Schuldienst, den er mit einer Gehaltseinbuße bezahlt hat. Höpker ist ein so genannter Quereinsteiger, von denen es an der NBS inzwischen 15 gibt.

Der Doktor der Biologie schwärmt geradezu von der „Faszination Naturwissenschaften“. Diese Begeisterung blitzt immer wieder durch, wenn Veit Höpker über die von Schülern nicht immer geliebten Fächer spricht. Früh übt sich seiner Meinung nach, wer Spaß an Naturwissenschaften haben will. Im Frühjahr 2008 demonstrierte er im Kindergarten Lessingstraße, wie Essig Eierschalen zerfrisst und erläuterte das Phänomen der Schwerkraft mit fallenden Gegenständen.

In diesem Alter haben die Kinder großes Interesse an Chemie, Physik und Biologie, auch wenn sie mit diesen Begriffen wenig anfangen können. Umgekehrt ist‘s an der Schule: Da kennen Elf- oder Zwölfjährige die Bedeutung der Fächer, aber das Interesse lässt schlagartig nach und erwacht erst wieder kurz vor der Oberstufe. Die NBS versucht diese Lücke mit dem Fach „NaWi“ für ihre fünften und sechsten Klassen zu überbrücken.

Gewaltige Unterschiede zwischen Industrielabor und Chemiesaal

Die Unterschiede zwischen einem Industrielabor und einem Chemiesaal sind gewaltig. Das musste Veit Höpker während seiner ersten Wochen an der Schule lernen. „Da habe ich Frontalunterricht gemacht und viel zu sehr belehrt“, räumt er einen Fehler ein, den Praktiker gerne machen. Nach und nach lernte er, dass Unterricht von Anschauung lebt und seine Schüler die Experimente ja selbst durchführen sollen.

Der Quereinsteiger holt sich seinen pädagogischen Feinschliff als Student an der TU Darmstadt. Damit dürfte er der einzige der knapp 130 NBS-Lehrer sein, der Schüler und Lehrer zugleich ist. Seinen Stundenplan in Ober-Roden hat er auf den in Darmstadt abgestimmt.

Chemischer Sachverstand kann bares Geld in der Tasche sein“, wirbt Veit Höpker für die Alltagstauglichkeit der Naturwissenschaften. Mit ganz einfachen Analysen weist er in der Oberstufe nach, dass der Shell-Edelsprit „V Power“ zwar Schumis Ferrari etwas schneller macht. Der 70-PS-Motor eines typischen Anfängerautos kann dagegen mit dem teuren Benzin nichts anfangen. Und spätestens da spitzen auch Chemie-Muffel die Ohren.

Quelle: op-online.de

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