Friedensdienst in Brünns jüdischer Gemeinde

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Am 1. September beginnt für Susanne Jacobi ein Jahr Freiwilligenarbeit für die Aktion Sühnezeichen.

Messenhausen - (chz) Susanne Jacobi (19) reist am Dienstag für zwölf Monate nach Tschechien. Eine anspruchsvolle Aufgabe erwartet sie dort.

Überraschend viele der diesjährigen Abiturienten der Nell-Breuning-Schule zieht es ins Ausland, doch nur wenige dürften sich einer solch anspruchsvollen Aufgabe widmen wie die junge Messenhäuserin: Sie wird für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) in Brünn Botschafterin für Verständigung und Versöhnung sein.

Schon ihre ältere Schwester Anette hat über ASF ein freiwilliges Jahr in Danzig geleistet, deshalb sind auch ihre Eltern jetzt nicht beunruhigt, sondern finden die Einstellung ihrer Mädchen gut.

Nach einem langwierigen Auswahlverfahren hatte Susanne Jacobi im März den ersehnten Bescheid bekommen: ein Jahr Friedensdienst in Tschechien, mit zwei Tagen Urlaub pro Monat. Dort wartet ein nicht gerade einfaches Projekt auf die zierliche junge Deutsche. In der jüdischen Gemeinde von Brünn wird sie Überlebende des Holocaust besuchen. Susanne Jacobi will mit ihnen nicht nur über den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen sprechen, sondern vielleicht auch einkaufen oder spazieren gehen.

Anfangs hauptsächlich auf Mimik, Gestik und Wörterbuch angewiesen

Ich war nach einer Gedenkstättenfahrt nach Polen schon einmal privat dort und haben einige von ihnen kennen gelernt: Manche reden noch Deutsch und wollen auch gerne Deutsch sprechen, einige können nur Tschechisch - das wird am Anfang etwas schwieriger“, schildert sie erste Eindrücke. Sie hat zwar daheim schon in Eigenregie die Sprache gelernt, aber „das war weniger erfolgreich“. Zweimal wöchentlich bekommt sie einen Sprachkurs, doch zunächst läuft wohl viel über Mimik, Gestik und Wörterbuch.

Im zweiten Teil ihres Tschechien-Aufenthaltes wird Susanne Jacobi bei der Caritas in Wohngemeinschaften und in der Werkstatt mit Behinderten arbeiten: „In beiden Arbeitsbereichen warten viele Einzelschicksale auf mich, aber der Holocaust und der Zweite Weltkrieg interessieren mich sehr. Deshalb mache ich diesen Dienst auch bei der Aktion Sühnezeichen, weil ich den politischen und historischen Hintergrund sehr interessant finde.“

Genügend Einblicke dahin, was sie da erwarten wird, hat die junge Frau bereits schon gewonnen. Später, nach ihrem Freiwilligen-Jahr, möchte sie voraussichtlich Sonderpädagogik studieren, aber auch reisen und etwas von der Welt sehen. Bisher war Susanne Jacobi nie länger als drei Wochen auf Schüleraustausch in Frankreich oder in England zum Praktikum aus dem Haus, doch sie wollte schon immer nach dem Abitur ein Jahr weggehen.

Am 1. September ist es nun so weit, dann fährt sie auf ein Vorbereitungsseminar in der Nähe von Berlin, danach zu einem Sprachkurs und einer Einführung nach Prag. Dann geht es endlich nach Brünn, wo sie mit zwei weiteren Freiwilligen in einer Wohngemeinschaft leben wird. In Prag ist ein Sitz der Aktion Sühnezeichen, doch auch in Brünn steht ihr eine Ansprechpartnerin zur Seite. ASF und EFD stellen die Unterkunft und leisten einen Essensbeitrag, dazu kommt ein kleines Taschengeld. Die Kosten für Heimfahrten während des Jahres muss sie selbst tragen - über Weihnachten wird sie wohl dennoch nach Hause kommen, und dann sicher voller Eindrücke und Erfahrungen.

Quelle: op-online.de

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