Friedhöfe in der Finanzklemme

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Auf Rödermarks Friedhöfen klaffen zwischen den Gräbern immer häufiger Lücken. Grund: Billigere und pflegeleichtere Bestattungsformen werden immer häufiger verlangt.

Rödermark ‐ Der Wandel der Bestattungskultur bringt die Stadt in Schwierigkeiten. Zwischen gepflegten Gräbern tun sich Lücken auf, in denen nur noch Gras wächst, weil immer mehr Verstorbene verbrannt und in Urnenwänden oder auf anonymen Urnenfeldern bestattet werden. Von Michael Löw

Sofern sie sich nicht schon zu Lebzeiten für Alternativen wie Friedwald oder die Bestattung auf hoher See oder auf Bergwiesen entschieden haben. Der Stadt brechen die Einnahmen, aus denen sie die Unterhaltung der Friedhöfe bestreitet, weg. Die Kosten bleiben jedoch hoch. 2008 deckten die Bestattungsgebühren nur 46,2 Prozent der Kosten. Die Stadt musste mehr als 260.000 Euro zuschießen.

Doch für die Stadt bleiben Arbeit und Kosten hoch, ein neues Friedhofskonzept soll Wege aus der Bredouille zeigen.

Damit das Defizit nicht ins Unermessliche steigt, hat der Magistrat ein neues Friedhofskonzept in Auftrag gegeben. Mitte 2010 soll ein Kasseler Landschaftsplaner darlegen, wie die Friedhöfe der Zukunft aussehen könnten. „Den Wandel der Bestattungskultur beobachten wir seit mehr als zehn Jahren“, erläuterte Regina Leiherer, die Leiterin des Standesamtes. Private Krematorien und Trauerhallen sowie die eingangs erwähnten Friedwälder und Seebestattungen machen den städtischen Friedhöfen Konkurrenz. Regina Leiherer weiß sogar von einem Verstorbenen aus Rödermark, dessen Asche in der Schweiz zu einem Diamanten gepresst wurde.

Lücken verursachen hohe Kosten

Immer mehr Angehörige geben Gräber vorm Ablauf der Ruhefrist von 30 Jahren zurück. So entstehen jene Lücken, für die es im Rödermärker Bauamt schon einen Namen gibt: Friedhofsüberhangflächen. Die werden, so Claus Murmann von der Stadtverwaltung, normalerweise nicht wieder belegt und verursachen hohe Pflegekosten.

Doch warum geht die Zahl der klassischen Erdbestattungen zurück? Die Gründe sind nach den Erfahrungen von Standesamtsleiterin Leiherer zweigeteilt. Sie sind zum einen finanzieller Natur, weil seit dem Wegfall des Sterbegeldes die Hinterbliebenen sämtliche Kosten tragen müssen. Auch die Grabpflege über Jahrzehnte hinweg ist teuer und zeitaufwändig. „Der Tod und somit auch der Friedhof geraten in unserer Gesellschaft immer mehr in Vergessenheit oder werden verdrängt. Somit wird auch der Wert des Friedhofs für die Hinterbliebenen und deren Trauerarbeit nicht erkannt“, nennt Regina Leiherer den soziokulturellen Aspekt.

Gebühren an Kosten anpassen

  • Der Friedhof in Urberach hat eine Fläche von 2,1 Hektar; der Ober-Röder Friedhof ist 4,5 Hektar groß.
  • Die Zahl der Bestattungen pro Jahr schwankt zwischen 2005 und 2008 beträchtlich: in Ober-Roden zwischen 96 und 121, in Urberach zwischen 80 und 96.
  • Die Friedhofsverwaltung hat in Ober-Roden einen stärkeren Trend weg von der klassischen Erdbestattung festgestellt. Ihr Anteil lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur noch bei 32 Prozent. Die häufigste Bestattungsform ist die Urnenbeisetzung in der Erde (38 Prozent).
  • Die Vergleichszahlen für Urberach: Erdbestattungen 53 Prozent, Urnen-Erdbeisetzung 28 Prozent
  • Der Erwerb eines Doppel-Erdgrabs kostet 2.330 Euro. Ein Urnen-Doppelgrab kostet 1.418 Euro (Erde) und 1.168 plus 77 Euro für die  Steinplatte (Wand). Ein anonymes Urnen-Einzelgrab kostet 657 Euro.
  • Bestattungen nach islamischem Ritus sind in beiden Stadtteilen möglich.

Das Gutachten soll nun Auskunft darüber geben, ob die Stadt selbst die Möglichkeit zur Bestattung unter einem Baum als Alternative zum Friedwald anbietet oder „billige“ Bestattungsformen wie anonyme Urnenfelder oder Urnengemeinschaftsgräber ausbaut. Zudem müsse die Stadt ihre Friedhofsgebühren an die Kosten anpassen und überlegen, wie sie die Arbeit der Friedhofsverwaltung optimieren kann. Beides klingt nach höheren Kosten und weniger Service für den Bürger.

Große Städte betonen häufig den Park-Charakter ihrer Friedhöfe. Regina Leiherer und Claus Murmann sehen darin keine große Perspektive. Zum einen haben‘s die meisten Rödermärker nicht weit in den Wald. Vor allem aber befürchten sie Konflikte, wenn sich in einem - gedachten - Parkfriedhof Ober-Roden trauernde Angehörige und Schüler begegnen, die dort ihre Pause verbringen.

Quelle: op-online.de

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