Friedhofsgebühren steigen

Der Tod wird teurer

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Sechs Jahre ruhten die Bestattungsgebühren in Frieden, jetzt steigen sie im Einzelfall um 60 Prozent.

Rödermark - Die Stadt hebt ihre Friedhofs- und Bestattungsgebühren teils kräftig an, bei manchen Grab-Typen um bis zu 60 Prozent. Das Sterben ist in Rödermark im Vergleich zu Nachbarstädten relativ teuer - doch das hängt von der Beisetzungsform ab. Von Michael Löw

Standesamt und Finanzverwaltung haben die Friedhofsgebühren nach sechs Jahren Preisstabilität neu kalkuliert. Der Kostendeckungsgrad im Bestattungswesen insgesamt soll von derzeit 43 auf 66 Prozent steigen. Bei den einzelnen Dienstleistungen zahlen die Angehörigen jedoch künftig alle tatsächlichen Kosten, der Deckungsgrad geht in Richtung 100 Prozent. 66 Prozent? 100 Prozent? Welcher Wert stimmt denn nun? Die Diskrepanz hat rein buchhalterische Gründe. Wer die Nutzungsrechte an einem Grab erwirbt, zahlt zwar auf einen Schlag die volle Summe. In der Bilanz der Stadt tauchen aber nur die Einnahmen eines Jahres auf.

Was kompliziert klingt, erläutert Regina Leiherer, die Leiterin des Standesamtes, am Beispiel des Reihengrabs: Das kostet für 30 Jahre Nutzungsdauer künftig 1 451 Euro. In der Stadtkasse werden 2014 aber nur 48,37 Euro, ein Dreißigstel des Gesamtpreises, verbucht. Da dieses Dreißigstel in der Vergangenheit nicht den tatsächlichen Kosten entsprach, klafft noch über Jahre hinaus eine Lücke. Um wie viel das Sterben im Schnitt teurer wird, kann man nicht pauschal sagen. Denn unterschiedliche Gräber verursachen unterschiedliche Kosten, die die Stadt über die Gebühren zurückholt. Hier ein paar Beispiele:

  • Den größten Preissprung macht das Urnen-Wandgrab mit der Möglichkeit, dort Blumen abzulegen: 60 Prozent.
  • Um etwa die Hälfte werden Rasen-Reihengräber (künftig: 2 068 Euro) oder das Rasen-Doppelgrab (4002 Euro) teurer.
  • Die Kosten für ein Urnen-Doppelwahlgrab steigen um 31 Prozent (1865 Euro), für ein Doppelwahlgrab um 28 Prozent (2999 Euro) und für ein anonymes Urnen-Reihengrab um 25 Prozent (823 Euro).

Teurer werden auch die Nutzung der Trauerhalle (293 Euro) oder die Räumung von Rasengräbern (182 bis 256 Euro). Für die Räumung von Doppelgräbern senkt die Stadt die Kosten von 780 auf 701 Euro. Die Neukalkulation der Bestattungsgebühren bringt auch Gebühren für Dienstleistungen, für die die Stadt bisher kein Geld verlangte. Hängt sie eine Sterbeanzeige aus, kostet das künftig 43 Euro. „Wir haben 16 Schaukästen in ganz Rödermark verteilt, die unser Bote anfahren muss“, erläutert Regina Leiherer den Aufwand.

Bestattung auf Britisch

Bestattung auf Britisch

Der Blick auf die Friedhöfe von Rodgau, Dietzenbach, Obertshausen und Mühlheim zeigt, dass Bestattungen in Ober-Roden und Urberach vergleichsweise teuer sind. Spitzenplätze belegt Rödermark bei Doppel-Wahlgräbern, Urnenwandgräbern und anonymen Urnengräbern. Letztere kosten in Rödermark 823 Euro, in Rodgau 747, in Dietzenbach 290 und in Obertshausen nur 150 Euro. Wahlgräber sind dagegen vergleichsweise billig, Gemeinschafts-Rasen- und -Urnengräber kosten in Rödermark nur halb soviel wie in Rodgau.

Für das Rödermärker Bestattungswesen sind vier Mitarbeiter zuständig - allerdings nicht mit vier vollen Stellen. Standesamtsleiterin Leiherer und eine Beamtin sind dem Friedhofsbetrieb mit 50 Prozent ihrer Arbeitszeit zugeordnet, zwei Kolleginnen mit 16 beziehungsweise 22 Stunden pro Woche. Auch diese 95.000 Euro Personalkosten fließen in die Bestattungsgebühren ein.

Quelle: op-online.de

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