Fritz Rau im Wohnzimmertheater

Der große alte Mann der deutschen Blues-Szene

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83 Jahre und kein bisschen vergesslich: Fritz Rau, der höchst lebendig von den Anfängen des Blues in Europa und in Deutschland erzählte.

Urberach - „Der Blues ist die wichtigste Musik in meinem Leben. Er ist mein Überlebens- und mein Heilmittel. “ Der 83-jährige Konzertagent Fritz Rau, der diese klaren Worte im restlos überfüllten Nedelmann’schen Wohnzimmer sprach, weiß, wovon er redet.

Er war maßgeblich daran beteiligt, den Blues aus den afroamerikanischen Clubs und Hütten nach Europa zu bringen. Rau genoss es, weit über zwei Stunden lang von den Anfängen des Blues auf deutschem Boden zu erzählen. Der gelernte Jurist las aus seinem Buch „Fritz Rau – 50 Jahre Backstage“ und schweifte in jene Zeiten ab, in denen er – mit einer schweren Kindheit belastet und daher besonders empfänglich für diese Musik der Seele – die „American Folk Blues Festivals“ hier populär machte: „Konzerttouren nach Europa bedeuteten für jene Musiker aus den Armenvierteln einen Kulturschock.“

1963 hatten Fritz Rau und der mittlerweile verstorbene Horst Lippmann die Konzertagentur Lippmann + Rau gegründet. In diesen Zeitraum fällt auch die erste Blüte der Rockmusik – ein neuer Anreiz. Seine Erinnerungen reichten von Mahalia Jackson bis zu den Rolling Stones und viel weiter – ein Erlebnis für alle Zuhörer. Ohne Musik geht bei Fritz Rau natürlich gar nichts. So hatte der Rödermärker „RedRooster“-Chef Harry Beierer das Münchner Duo Black Patty, das sind Peter Krause und Ferdinand Krämer, eingeladen. Sie unterstrichen mit völlig eigenen, tief bewegenden Klängen das Erzählte. Harry Beierer hat auch das Naheliegende nicht aus den Augen verloren. Er organisierte eine kleine Sammlung zugunsten der Kinder einer Familie, die kurz vor Weihnachten von dem schweren Brand in Ober-Roden betroffen waren. 

chz

Quelle: op-online.de

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