Führungen im 15-Minuten-Takt

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Renate Goos (85) war eine der Bewohnerinnen des Hauses Mamre, die durch an rotes Herz an ihrer Tür ihre Offenheit für Besucher signalisierte und auch entsprechend vielen Gästen ihre Wohnung vorstellte.

Ober-Roden ‐ Altenpflegeheime sind so eine Sache: Jeder Mensch von den Älteren, die es demnächst betrifft, bis zu den Jungen, die sich dann meistens darum kümmern müssen, sollte sich schlau machen. Von Christine Ziesecke

Doch nur die wenigstens nutzen diese Chance, ehe es wirklich oft von heute auf morgen notwendig ist. Da kam der Tag der offenen Tür im Haus Morija anlässlich dessen 20. Geburtstags gerade recht, zumal das in der ganzen Region als vorbildhaft gelobte Haus natürlich auch besonderes Interesse weckt. Deshalb war der Andrang am Samstag bei den Christusträger-Schwestern auch so groß, dass Heimleiterin Dorothea Lakowitz und die weiteren Schwestern alle Viertelstunde jeweils in zwei Gruppen neue Führungen anboten. Interessierte erfuhren alles Wissenswerte über das Pflegeheim mit seinen Stationen für rund 150 Menschen und seinen 130 Mitarbeitern aus erster Hand und unmittelbarer Nähe. Stationen, die sonst nicht so leicht zugänglich sind wie etwa die Wohngruppe Mohn der Demenzerkrankten, die Tages- oder die Kurzzeitpflegestelle standen ebenso offen und wurden intensiv erlebbar gemacht wie auch der Frisörsalon oder der Gymnastikraum.

Ausnahmsweise gab es auch uneingeschränkten Einblick in die heiligen Hallen von Küchenchef Ralf Kämmerer: Gemeinsam mit seinen neun Mitarbeiterinnen zauberte er Kartoffelsuppe mit Frankfurter Würstchen, Schmorsteaks Esterhazy mit Schupfnudeln, Wurzelgemüsestreifen und Speck-Sauerrahm-Soße und Vanillepudding mit Erdbeersoße nicht nur für Heimbewohner und Mitarbeiter, sondern auch für die zahllosen Gäste, die sich im großen Zelt im Garten verköstigen konnten.

Palmengarten mit Kaffee und Kuchen

Der Freundeskreis „ProMorija“ informierte über seine Spendensammlung zugunsten von Pflegezuschüssen und machte dies mit einem kleinen feinen Basar auch praktisch fest. Im Festsaal zeigte eine ausgiebige Videopräsentation den Alltag, die Menschen und die einzelnen Aufgabenfelder im Haus, und im Keller sorgte ein meditativ ausgestatteter Raum der Stille für eine Rückzugsmöglichkeit. Das Café und der Palmengarten luden zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen und bildeten den Übergang zum Haus Mamre für betreutes Wohnen, in dem ebenso reger Besucherverkehr herrschte.

Schwester Regina Neidhart, die Leiterin des Hauses, führte durch die von den Bewohnern gerne geöffneten Wohnungen, so etwa auch bei der 85-jährigen Renate Goos. Sie war vor einem Jahr, nach dem Tod ihres Mannes, in eine Zwei-Zimmer-Wohnung gezogen und berichtete hochzufrieden über die Vorteile des Lebens hier, gerade da sie auf einen Rollator angewiesen ist.

Herzstück war die Ausstellung der Pflegehilfsmittel und deren Einsatz im Haus. Altenpfleger Miro Krijan erläuterte die Ausrüstung und gab auch Anregungen für die häusliche Pflege: vom Dusch- und Toilettenstuhl, von Inkontinenz- und Stomahilfsmitteln über Aufsteh- und Sitzhilfen bis zu Bett- und Stuhlkonstruktionen, die es ermöglichen, selbst Komapatienten regelmäßig umzulagern oder bis fast in die Senkrechte zu bewegen.

Tag der offenen Tür hat viel Aufklärung geleistet

Sprachlose Verwunderung herrschte dabei meist bei den Betrachtern, so etwa bei der flexiblen Kunststoffunterlage, die mittels eines Abflussanschlusses und hochklappbaren Seiten zu einer Badewanne für Komapatienten etwa umfunktioniert werden kann. Kaum ein Besucher lieb von der Fülle der manchmal einfachen, aber unbekannten technischen Hilfsmittel unberührt.

Vor der Ausgangstür drängte es sich fast den ganzen Tag ebenso wie am Eingang: Hier war Mitarbeiterin Nicole Kionke beim Ausfüllen von Anmeldung behilflich und wunderte sich über die vielen Interessenten: „Viele hatten wohl immer Angst davor, weil sie überhaupt nicht wussten, dass es sich um eine völlig unverbindliche Anmeldung für Tages-, Kurzzeit und Dauerpflege handelt – der Tag der offenen Tür hat da viel Aufklärung geleistet.“

Quelle: op-online.de

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