Fünf Jahre Märktezentrum

Klassischer Supermarkt, Discounter, Textil- und Schuhmarkt, Apotheke, Reisebüro, Metzgerei, Bäckerei und viele Geschäfte mehr: die Kunden schätzen das breit gefächerte Angebot im Märktezentrum auf dem früheren Bosch-Gelände. Foto: Löw

Rödermark - Urberach (lö) Die Eröffnung des „Kaufland“-Marktes am 19. März 2004 machte aus dem Bosch-Gelände ein anfangs umstrittenes Einkaufszentrum. Nach fünf Jahren zogen wir mit Marktleiter Michael Wrba und Bürgermeister Roland Kern eine Bilanz.

INTERVIEW

Bürgermeister Roland Kern: Ortszentren für den Einzelhandel aufwerten

Fünf Jahre Kaufland in Urberach - worauf dürfen sich die Kunden freuen?

Unsere Kunden können sich auf verschiedene Aktionen freuen, es finden zahlreiche Verkostungen im Markt statt.

Wieviel Kunden kommen täglich ins „Kaufland“? Wie hat sich diese Zahl entwickelt?

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir zu Kundenfrequenzen keine Angaben machen möchten.

Wohin gingen die Trends dieser fünf Jahre? Bio oder billig, regional oder exotisch?

Die Kunden kaufen nach wie vor Produkte durch das gesamte Sortiment, jedoch hat sich die Nachfrage bei Bio-Produkten erhöht. Das Kaufverhalten unterliegt keinem speziellen Trend.

Halten Ihre Kunden angesichts der Wirtschaftskrise heute das Geld stärker zusammen als noch vor zehn oder zwölf Monaten?

Es ist keine Veränderung im Kaufverhalten aufgrund der Wirtschaftskrise zu erkennen.

Ein klassischer Lebensmittelmarkt mit eigener Discount-Marke und ein Discounter unterm gleichen Dach - wie kann das funktionieren?

Durch das Vorhandensein eines SB-Warenhauses sowie eines Discounters in einem Gebäude ist es möglich, auf die vielfältigen und individuellen Kundenbedürfnisse einzugehen. Das breite und tiefe Sortiment mit Markenartikeln, regionalen Produkten bis hin zu Qualitätsprodukten zu Discount-Billig-Preisen deckt die Bedürfnisse aller Käuferschichten ab.

Stichwort Fluktuation: Sind noch alle kleineren Märkte und die Shop-in-Shops vom Anfang mit dabei oder gab es schon einige Wechsel?

Der Feinkosthändler sowie das Schmuckgeschäft sind nicht mehr im „Kaufland“ vertreten. Auf der Fläche des Schmuckgeschäfts wird in Kürze ein Schuh- und Schlüsseldienst Einzug halten. Durch die zusätzlich freigewordene Fläche des Feinkosthändlers konnte die Metzgerei erweitert und zusätzliche Sitzmöglichkeiten für unsere Kunden geschaffen werden. Des Weiteren hat sich auch eine Apotheke im „Kaufland“ angesiedelt.

Vorm Bau des Märktezentrums wurde in Rödermark heftigst darüber gestritten: Braucht die Stadt einen solchen Publikumsmagneten oder wird das Märktezentrum zum Totengräber des alteingesessenen Einzelhandels? Wie stellt sich die Situation nach fünf Jahren in Ihren Augen dar?

Durch die Vielzahl der Einzelhändler entsteht eine positive Wettbewerbssituation und das Kaufverhalten in der Region wird gestärkt.

Fünf Jahre Kaufland in Urberach - können sich die Rödermärker darüber freuen?

Ich denke schon, dass sich viele darüber freuen, weil sie zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten haben.

Braucht eine 27 000-Einwohner-Stadt einen Publikumsmagneten?

Die Menschen brauchen ausreichende Grundversorgung sowie die Möglichkeit, die reiche Palette des Warenangebots ohne lange Wege zu prüfen und gemäß ihrem Geldbeutel sich daraus zu bedienen. Eine Märktezentrum bietet hierfür eine Gelegenheit; aber dies ist gewiss nicht die einzige.

Wäre ein solches Märktezentrum heute erneut denkbar?

Denkbar ist immer vieles. Es gab seinerzeit ja ein von mir unterstütztes Bürgerbegehren gegen dieses Zentrum. Die Mehrheit war dafür, und das ist zu akzeptieren. Ob die Abstimmung nochmals so ausgehen würde, bleibt Spekulation. Aber die Klagen über die Leerstände in den Ortskernen waren noch nie so heftig.

Vorm Bau des Märktezentrums prognostizierte ein Gutachten Rödermark ein kräftiges Kaufkraft-Plus. Hat das die Stadt seit 2004 in irgendeiner Form gespürt?

Die Frage ist ja immer, wohin die Kaufkraft fließt. Sie ist bestimmt nicht dorthin geflossen, wo früher einmal Geschäfte waren und heute keine mehr sind. Im Zusammenhang mit einem anderen Projekt lassen wir das Einzelhandelsgutachten gerade überarbeiten. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt.

Haben Läden mit dem Hinweis auf die übermächtige Konkurrenz geschlossen?

Wer definitiv nach und wegen der Eröffnung des Märktezentrums geschlossen hat, war der Baumarkt in Ober-Roden. Bei kleineren Geschäften ist das schleichender geschehen. Aber die Schließung von Läden ist die eine Sache. Die andere ist, ob denn neue Läden in den Ortskernen überhaupt eröffnen oder ob dies im Hinblick auf übermächtige Konkurrenz unterbleibt.

Wo liegen die Perspektiven für den kleinen Einzelhandel in Rödermark?

Perspektiven für eine Belebung des kleineren Einzelhandels kann ich nur in der Aufwertung unserer Ortskerne sehen. Es muss mehr Freude machen, sich in den Altorten aufzuhalten und in ansprechendem Umfeld einzukaufen. Für den Ortskern Ober-Roden erarbeiten wir derzeit interessante Vorstellungen in einer Kommission mit sachkundigen Bürgern und dem Gewerbe. Hier ist Bewegung wie noch nie. Auch die Parkplatzfrage spielt da eine große Rolle.

Quelle: op-online.de

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