Funktechnik oder Glasfaser?

Glasfasernetz: IT-Experte zweifelt an Notwendigkeit

Rödermark - Die Stadt setzt weiter auf den flächendeckenden Aufbau eines Breitband-Glasfasernetzes, um das Internet für möglichst viele Bürger zur Datenautobahn zu machen. Von Michael Löw

Marc Milde, ein Ober-Röder IT-Spezialist, wirft derweil die Frage auf, ob das Ganze nicht zu teuer ist und auch ein paar Nummern kleiner geht.

Ein lokales Funknetz, vergleichbar ungefähr mit dem WLAN zuhause, ist nach Ansicht von Marc Milde das Mittel der Wahl. Das sagt er natürlich auch, weil er sein Geld damit verdient. Milde verweist jedoch darauf, dass in weiten Teilen von Ober-Roden und Urberach schon heute Anschlüsse mit einer Datenübertragungsrate von 16 Mbit pro Sekunde („DSL 16 000“) zur Verfügung stehen. Westlich der Frankfurter Straße in Ober-Roden und nördlich der Rodaustraße in Urberach sind laut Telekom-Übersicht sogar Geschwindigkeiten zwischen 16 und 50 Mbit/Sekunde möglich.

Millioneninvestition überflüssig

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Mildes feste Überzeugung: Lokale Funknetze lösen die Probleme dort, wo sie tatsächlich bestehen, und machen die Millioneninvestitionen in ein rödermarkweites Glasfasernetz überflüssig.

In einem rödermarkweiten Glasfasernetz liegt die Zukunft. Das ist die genau gegenteilige, aber genau so feste Überzeugung von Bürgermeister Roland Kern und der großen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, die im Sommer 2012 die Gründung einer Breitband Rödermark GmbH beschlossen hatte. „Mobilfunktechnologien ebenso wie WLAN-Netzwerke werden nur als Ergänzung einer kabelgebundenen Breitbandversorgung angesehen, zumal beide Technologien eine schnelle Datenzuleitung benötigen und systembedingte Einschränkungen haben“, gibt Kern das Fachwissen der städtischen IT-Spezialisten weiter.

Rödermark in Sachen Telekommunikation ländlich

Würde die Stadt das Netz nur in den heute als unterversorgt geltenden Gebieten ausbauen, mache sie die heute gut versorgten Gebiete zu den unterversorgten Gebieten von morgen: „Wirtschaftlich gesehen macht hier nur ein flächendeckender Ausbau Sinn.“ Auf der kommunalen Datenautobahn soll dann Tempo 50.000 - sprich: eine Übertragungsrate von 50 Mbit je Sekunde - möglich sein. In Städten sei dies heute schon Standard, Rödermark gilt in Sachen Telekommunikation hingegen als ländlich. Dabei bliebe es auch, wenn Rödermark sich auf die Großen der Branche verlasse,

anstatt selbst aktiv zu werden. Aktiengesellschaften wollen nach vier bis acht Jahren Gewinne sehen, sonst meutern die Anteilseigner. Projektgesellschaften wie die Breitband Rödermark GmbH sind hingegen zufrieden, wenn sich ihre Investitionen in 15 bis 20 Jahren rechnen.

Wieviele Kunden sie mit schnellem Internet versorgt? Die Stadt schweigt

Wie hoch diese Investitionen genau sind, sagt Kern bisher noch nicht. Die sechs Millionen Euro, die Jürgen Walter, Geschäftsführer der Firma Brenergo/Erbach, einmal genannt hatte, seien „ein Näherungswert aus Erfahrungskompetenz“. Was Bau, Betrieb und Wartung des Rödermark-Netzes kosten, weiß die Stadt erst, wenn die Angebote der Ausschreibung im Rathaus eintreffen. Mit diesem europaweiten Verfahren stehe die kleine Breitband Rödermark GmbH im direkten Wettbewerb zu Telekom, Vodafone & Co. Und aus dieser Konkurrenzsituation, so Bürgermeister Kern, werde die Stadt auch in Zukunft nicht mitteilen, wieviel Kunden sie mit schnellem Internet versorgt.

Quelle: op-online.de

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