Furcht vor Rotstift der Krankenkassen

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Bis zu drei Mal pro Tag muss ein Diabetiker Insulin spritzen.

Rödermark - (lö) Diabetiker sehen sich langfristig als Verlierer der Gesundheitsreform. Sie befürchten, dass zuerst bei ihnen - und anderen chronisch Kranken - gespart wird, wenn die Kassen nicht mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds auskommen.

„Noch bin ich ein guter Patient, der alle Kosten erstattet bekommt“, sagt Hans-Peter Förster, der Sprecher der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Rödermark, derzeit noch relativ entspannt. Förster betont aber das Wörtchen „noch“. Denn erste Kürzungen machen sich schon bemerkbar: „Bei Diabetes während der Schwangerschaft müssen sich Frauen auf eigene Kosten versorgen.“ So etwas verunsichere natürlich alle „Zuckerkranken“, wie Diabetes-Patienten im Volksmund genannt werden. Die Mitglieder seiner Gruppe wüssten nicht, was noch so auf sie zukomme. Die momentane Situation vergleicht Hans-Peter Förster mit der Ruhe vor dem Sturm.

Brigitte Deller Irma Hain beim „Aufwiegeln“. Das hat nichts mit Revoluzzertum zu tun, sondern ist der medizinische Fachausdruck fürs Mischen des Insulins in den „Pens.“

2006 schätzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der Diabetiker in Deutschland auf rund acht Millionen. Bis ins Jahr 2010 steigt die Zahl auf rund zehn Millionen. Auf Rödermark umgerechnet bedeutet dies mehr als 3 000 „Zuckerkranke“. Die Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland wenden rund 20 Prozent ihres Beitragsaufkommens für die Behandlung von Diabetes und seiner Folge-Erkrankungen auf. Diabetes ist einer der häufigsten Gründe für den Gang zum Allgemeinmediziner. Kein Wunder also, dass Hans-Peter Förster die Sparkommissare der Krankenkassen schon die Rotstifte spitzen sieht. Gespart werde nämlich vorzugsweise bei chronisch Kranken.

Lesen Sie hierzu auch: "Eine Wissenschaft für sich". Wer mehr zur Diabetiker-Gruppe wissen will, kann Hans-Peter Förster unter 06074/50176 oder 01707115404 anrufen.

Fundiertes Wissen über die Krankheit, Behandlungsmethoden und das deutsche Gesundheitssystem bieten da einen gewissen Schutz, sagt Förster. Selbsthilfegruppen vermittelten dieses Wissen. Zu den Treffen der Rödermärker Initiative kommen durchschnittlich 20 bis 30 Personen - in der Regel Erwachsene zwischen 40 und über 70 Jahre. Jeweils ein Drittel behandelt die Krankheit mit Tabletten, spritzt kurzfristig wirksames Insulin oder hat eine Pumpe, die den Körper bis zu dreimal am Tag mit dem Medikament versorgt. Die Zeiten der Insulingaben hängen von den Mahlzeiten ab.

Die Diabetiker-Selbsthilfegruppe trifft sich mit Ausnahme der Ferien an jedem letzten Dienstag eines Monats im Mehrzweckraum der Halle Urberach. Sie arbeitet mit Fachärzten und Rödermärker Apotheken zusammen, um ein möglichst breit gefächertes Spektrum an Informationen zu bieten.

Quelle: op-online.de

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