Futter für Bakterien

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Die Zugabe von Melasse soll die Bakterien im Grundwasser stärken. Sie spalten die gefährlichen Chlorkohlenwasserstoffe in unschädliche Verbindungen auf. Ingenieur Michael Selle vom Umweltdienstleister Arcadis (Darmstadt) startete gestern die Impf-Aktion.

Urberach ‐ Hungrige Bakterien sollen Schadstoffe aus dem verschmutzten Grundwasser unterm früheren Bosch-Gelände in Urberach fressen. Wie funktioniert‘s? Von Berhard Pelka

Besucher des Märktezentrums werden wohl kaum bemerken, dass dort zurzeit eine der spektakulärsten Altlastensanierungen in Hessen abläuft. Die Sache sieht tatsächlich unscheinbar aus. Ein gelber Gartenschlauch verschwindet in einem Schacht im Pflaster auf dem Parkplatz vor Obi. Das andere Ende des Schlauchs mündet in einen Tank, der in einem herkömmlichen Kleintransporter steht. Das war‘s.

Was so schlicht daher kommt, könnte indes ein großer Wurf werden. Denn durch den Schlauch fließt aus dem Tank eine Lösung aus Melasse und Wasser ins verseuchte Grundwasser unter dem Parkplatz. Die zuckrige Lösung dient als Kraftnahrung für Bakterien, die in vier bis acht Meter Tiefe im Verborgenen aus dem Grundwasser Schadstoffe (Chlorkohlenwasserstoff) quasi herausfressen. Dieser Abbauprozess verlief bisher zu langsam. Auch waren die Abbauprodukte trotz aller Mühe, die sich die Bakterien gaben, immer noch zu gefährlich. Deshalb das Kraftfutter.

Gestern war die erste dieser Impf-Aktionen mit Melasse. Insgesamt sind 13 binnen sechs Monaten vorgesehen. Am Ende werden 11.400 Liter Melasse-Wasser-Lösung ins Grundwasser eingebracht worden sein. Ob die Qualitätsverbesserung und der erwünschte Beschleunigungseffekt eintreten, wird sich erst in einem halben Jahr nach dem Ende der Versuchsreihe eindeutig sagen lassen.

Quelle: op-online.de

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