Breidert-Initiative schafft trotz unerwartet großen Andrang eine logistische Meisterleistung

Gänsekeulen vom Kofferraum auf den festlich gedeckten Tisch

Was wie ein konspiratives Treffen auf finsteren Parkplätzen aussieht, ist tatsächlich die Auslieferung der 40 Portionen „Gans to go“ durch die Initiative „Wir sind Breidert“. Was in den profanen Warmhalte-Packungen steckte, zeigt der festlich gedeckte Tisch bei Familie Böllert.
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Was wie ein konspiratives Treffen auf finsteren Parkplätzen aussieht, ist tatsächlich die Auslieferung der 40 Portionen „Gans to go“ durch die Initiative „Wir sind Breidert“. Was in den profanen Warmhalte-Packungen steckte, zeigt der festlich gedeckte Tisch bei Familie Böllert.

Ober-Roden – Seit 2011 ist das Martinsgans-Essen im „Sterkel“ eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Initiative „Wir sind Breidert“. Hungrige Ober-Röder fahren mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln nach Urberach; Hartgesottene gehen auch bei schlechtem Wetter oder tiefen Temperaturen zu Fuß. Über die Jahre entwickelten sich launige Rituale wie „Boxenstopps“ auf dem Hinweg oder – schon lange vor Corona – „Desinfektionen“ bei der Überquerung der Grenze zwischen Orwisch und Oweroure auf dem Rückweg. Und einige liefen sogar in der Nacht wieder zurück. Die Veranstaltung fand immer eine sehr gute Resonanz.

Dann kam Corona. Einer sagte: „Ohne Martinsgans-Essen kann das Jahr nicht zu Ende gehen. Wenn Martinsgans-Essen beim Sterkel nicht geht, müssen wir halt Martinsgans vom Sterkel ins Breidert holen.“ Gesagt - getan. „Als die Ankündigung verteilt war und die ersten Bestellungen eingingen, wurde es uns flau im Magen. Mit einer so tollen Resonanz hatten wir nicht im Ansatz gerechnet, am Ende hatten wir 40 Bestellungen“, staunten Ideengeber Willi Böllert und Breidert-Sprecher Karlheinz Weber. Und schoben den Termin von Mitte November zum Monatsende.

Aber nur das Orga-Team hatte nun ein logistisches Problem; die Bestellung war auch eine Herausforderung für das Team vom Gasthof Sterkel. „Doch da hatten wir einen professionellen Partner an unserer Seite. Silvia Sterkel legte großen Wert darauf, dass die Qualität ihrer Produkte vor Ort beim Endkunden ankommt“, sagt Weber. Dieser Anspruch konnte nicht garantiert werden, wenn 40 Essen auf einen Schlag ausgeliefert werden. So wurde ein Stufenkonzept entwickelt.

Am Abholabend fuhren schließlich drei Autos mit zeitlichen Abstand mit frisch gebratener Gänsekeule von Urberach nach Ober-Roden. Pünktlich um 17.54 Uhr hielt der erste Transport auf dem Parkplatz vor dem Ärztehaus, wo es von Willi Böllert erwartet wurde, der die namentlich verpackten Gänsebeine sowie vegetarische Varianten ausgab und coronaneutral das Geld kassierte. Gegen 18.40 Uhr kam die letzte Lieferung – alle Mitesser wurden vorher telefonisch informiert, wann ihr Abendessen zu erwarten ist. Dann war der Tisch auch rechtzeitig festlich gedeckt.

Und natürlich gab’s auch noch einen Extra-Service: Ein Ehepaar, das sich früh angemeldet hatte, musste kurz darauf seine Bestellung zurückziehen, weil es in Quarantäne zuhause angebunden war. „Dabei hatte sich mein Mann so sehr auf die Gänsekeule gefreut!“, hoffte die Frau auf Hilfe. Sofort übernahm Marita Weber die Auslieferung an jene Personen mit Handicaps wie etwa Corona-Quarantäne und brachte ihnen ihr Festessen abstandsgerecht vor die Haustür.

Das Orga-Team bedankt sich bei allen Mitgliedern der Initiative „Wir sind Breidert“, die mitgeholfen haben, das Projekt zu stemmen, und bei allen Abnehmern, die sich vielfach mit Trinkgeld bei den Fahrern bedankt haben – das natürlich einem guten Zweck zugeführt wird.  chz

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