Ortskern-Anwohner beschwert sich / Kirchengemeinde muss Schall dämmen

Rödermark: Gallus-Glocken klingen leiser

Ausgerechnet vor Ostern klingen die Glocken im Turm der St. Gallus-Kirche leiser. Nach der Beschwerde eines Nachbarn musste die katholische Kirchengemeinde Urberach das Geläut neu justieren, um weiteren Ärger zu vermeiden.
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Rödermark: Ausgerechnet vor Ostern klingen die Glocken im Turm der St. Gallus-Kirche leiser. Nach der Beschwerde eines Nachbarn musste die katholische Kirchengemeinde Urberach das Geläut neu justieren, um weiteren Ärger zu vermeiden.

Die Glocken von St. Gallus in Rödermark schwiegen Anfang März für ein paar Tage, weil das Geläut repariert werden musste. Seither schlagen sie deutlich leiser, fällt vielen Urberachern auf. „Sechs Uhr morgens und mein täglicher zuverlässiger Weckruf fehlt. Die Glockenschläge unserer St. Gallus-Kirche kommen nicht mehr bis zu uns durch. Was ist passiert?“, fragt zum Beispiel Christina Knapek, die im Süden des Stadtteils wohnt – höchstens 300 oder 400 Meter vom Kirchturm entfernt.

Rödermark - Ein Nachbar, der erst vor Kurzem in die Nähe der St. Gallus-Kirche gezogen ist, hat sich über das Geläut generell und besonders über das nächtliche Schlagen der Glocken zu jeder Viertelstunde beschwert. Das erklärte Pfarrer Klaus Gäbler gegenüber unserer Zeitung. Die Gallus-Gemeinde suchte nach Lösungen, um Lärmschutz und den Wunsch vieler Menschen, dass die Uhr auch nachts schlägt, miteinander ein Einklang zu bringen: „Dazu musste ein Teil der Anlage erneuert und ausjustiert werden, um den zulässigen Geräuschpegel nicht zu überschreiten. Leider mit der Folge, dass unsere Glocken insgesamt nun etwas leiser geworden sind.“

Christina Knapek vermisst wie viele Urberacher die Glockenschläge. „Seit ich lebe, begleiten mich diese Glocken, und gerade als sie einige Tage komplett aus waren, habe ich gemerkt, wie sehr ich daran gewöhnt bin und sie mir fehlen“, schreibt sie. Die Glocken sind für sie mehr als nur das akustische Anzeigen von Tages- und Uhrzeit. Gerade jetzt in dieser Pandemie seien sie doch ein verlässlicher Partner, der die Menschen daran erinnere, dass sie nicht alleine sind. Glockenklang lade zum Gottesdienst ein, und Glockenschlag gebe die Möglichkeit im hektischen Alltag kurz inne zuhalten.

„Mag sein, dass es für die direkten Anwohner der Kirche schon mal laut werden kann, je nachdem wie der Wind steht“, räumt Christina Knapek ein. Doch die Beschwerden kann sie nicht nachvollziehen: „Wenn ich dort hinziehe oder wohne, weiß ich, dass da eine Kirche steht und entsprechend auch Glocken läuten.“

Ihrer Meinung nach sollten die Rödermärker froh sein, dass es hier noch Kirchen gibt, die durch Glockengeläut auf sich aufmerksam machen. Die Katholikin kann nur den Kopf schütteln: „In Zeiten, wo es Christen immer schwieriger wird, ihren Glauben frei zu leben und dafür einzutreten, wo viele ihre Mitglieder aus der Kirche austreten, Menschen aber gerade in diesen Zeiten Halt und Orientierung suchen, da läuten die Glocken leiser anstatt lauter? Welche Einschränkungen kommen als Nächstes? Ich kann’s nicht verstehen.“

Was als Nächstes kommt, weiß auch Pfarrer Gäbler nicht. „Im Moment befinden wir uns aber noch in einer Versuchsphase. Die endgültige Festlegung erfolgt noch.“ (Michael Löw)

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