Die Fronten bleiben verhärtet

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Rita Groß (Pfarrgemeinderat), Ralf Liebscher (Verwaltungsrat), Pfarrer Klaus Gaebler und Generalvikar Dietmar Giebelmann (von links) erläuterten die Pläne für den Neubau.

Urberach (chz) - Sich gegen das Unausweichliche zu wehren, macht wenig Sinn. Proteste gegen den Neubau des Gemeindezentrums bringen zum jetzigen Zeitpunkt nur noch kostspielige Verzögerung mit sich und entzweien die Urberacher Katholiken noch mehr als es ohnehin schon der Fall ist.

Das ist das Ergebnis der Pfarrversammlung, die am Sonntagnachmittag rund 200 Gemeindeglieder von St. Gallus in der Halle Urberach zusammenführte. So traurig der Abschied vom Gallusheim auch ist, so unumkehrbar ist die Situation in den Augen vieler Urberacher längst geworden, zumal die Kosten für eine Renovierung durch verschärfte Brandschutzauflagen in schwindelnde Höhen steigen würden.

Der symbolträchtige 1. Advent als Beginn des neuen Kirchenjahres weckte Hoffnung auf einen Neuanfang in der Gemeinde, doch die Gräben zwischen den Gruppen blieben deutlich sichtbar. Kontrovers und unversöhnlich wurden die Gesprächsteilnehmer immer dann, wenn die Fragen vom Neubau auf Pfarrer Klaus Gaebler kamen.

Ruhig und sachlich geleitet vom Mainzer Gemeindeberater Bardo Zöller, wurde das Ziel, über den gesamten Prozess Transparenz zu schaffen und Teilnehmer an einem ebenfalls von der Gemeindeberatung moderierten ‚runden Tisch’ im Januar/Februar zu versammeln, weitgehend erreicht. Dieses Angebot jeglicher Form von Gesprächsbereitschaft hatte der Pfarrgemeinderat anzubieten, der durch Rita Groß auf dem Podium vertreten war. Generalvikar Dietmar Giebelmann, früher selbst Pfarrer in Urberach, erklärte für das Bistum den Sachstand, Pfarrer Klaus Gaebler und Ralf Liebscher vom Verwaltungsrat taten"s aus Urberacher Sicht.

Hoffnung auf Spenden

Nach Aussage von Ralf Liebscher basiert die Finanzierung auf der Teilvermarktung des Grundstücks an der Schömbsstraße, aus dessen Erbpacht-Zinsen in Höhe von etwa 200.000 Euro die neuen Zinsen sowie ein Teil der Tilgung bezahlt werden sollen. Für eine Umwidmung eines Teils des alten Gallusheim-Geländes bis zur Höhe der Kindergartens etwa liegen zwei Angebote vor, die derzeit vom Bischöflichen Ordinariat geprüft werden. Hoffnung für die Pfadfinder, die auf dem hinteren Teil daheim sind, machte Generalvikar Giebelmann: „Dieser Teil des Geländes ist laut Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen – das bietet mehr dogmatische Gewissheit als jedes Versprechen von Seiten des Bistums!“

Ein großes Echo löste ein Vorschlag aus dem Publikum aus, doch das Pfarrhaus umzunutzen. Der Verwaltungsrat hofft, dass mit dem Beginn des Bauvorhabens voraussichtlich im Februar oder März 2012 dann auch vermehrt Spenden eingehen. Zudem wies Altbürgermeister Walter Faust auf die Stiftungen des Kreises („Miteinander Leben)“, der Sparkasse und der HEAG hin: „Das ist ja kein Wirtschaftsbetrieb, sondern eine soziale Einrichtung!“

In sechs bis acht Wochen könnte es losgehen; der dritte Winter ohne eigenes Dach überm Kopf steht bevor. „Kindergruppen wissen in der Petrusgemeinde kaum mehr, dass sie katholisch sind“, klagte eine junge Frau. Die Pfadfinder kämpfen gegen die Kälte, die Gemeinde braucht eine neue Heimat. Die heimatlose Zeit wird wohl noch rund eineinhalb Jahre so weitergehen. Viel Leben in dieser Pfarrgemeinde bleibt dabei auf der Strecke.

Kritik an Zurückhaltung des Pfarrers

Aus dem Publikum kam immer wieder die Idee, das Gallusheim noch einmal mit einzubeziehen. Rita Groß: „Wir können froh und glücklich sein, dass bisher noch nichts passiert ist im Gallusheim!“ Kommentare im Stile von „wenn bisher nichts passiert ist, wird’s auch noch eine Weile gehen“ wurden ignoriert.

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Pfarrer Gaebler bleibt

Moniert wurde mehrfach, dass Pfarrer Klaus Gaebler an diesem Nachmittag kaum Stellung bezog: „Welche Marschroute haben Sie, Herr Pfarrer?“ fragte Susanne Seitel. Gaebler verwies darauf, dass schon um der zwei Drittel neu Zugezogener in der Gemeinde schnell gehandelt werden müsse. Grünes Licht gab auch Verwaltungsrat Ralf Liebscher: „Die Finanzierung steht und das muss jetzt angepackt werden.“

Durchaus pragmatisch beendete Generalvikar Giebelmann die Versammlung: „Es ist noch vieles an Problemen da. In einer zerrissenen Situation baut man kein Haus. Aber der runde Tisch könnte auch ein eckiger Saal sein bei dem großen Interesse, das Sie zeigen.“

Quelle: op-online.de

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