Rödermark

150 Gebäude unter die Lupe genommen

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Heinz Weber, Vorsitzende des Seniorenbeirats begutachtet öffentliche Gebäude.

Rödermark - 150 öffentliche Gebäude vom Rathaus bis zur Kirche, Hallen, Banken, Arztpraxen und Apotheken hat Heinz Weber, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, in den vergangenen Monaten begutachtet:

Ist der Zugang ebenerdig oder nur über Stufen erreichbar? Gibt‘s draußen eine Rampe und drinnen einen Aufzug? Öffnet die Tür weit genug für einen Rollstuhl? Stehen (Behinderten-)Parkplätze zur Verfügung? Der Seniorenbeirat arbeitet an einem Stadtführer für Alte und Behinderte, in einem ersten Schritt hat Weber nach Barrieren, Hindernissen und Schwellen gesucht, die dieser Gruppe - und oft auch Müttern mit Kinderwagen den Einlass verwehren.

Die Gebäude hat er mit Piktogrammen in drei Kategorien eingeteilt, die Bildsprache ist eindeutig: Ein Rollstuhlfahrer allein bedeutet unbeschränkten Zugang, ein Rollstuhlfahrer mit Helfer weist auf einzelne Schwierigkeiten hin, der Strich durch den Rollstuhlfahrer muss nicht näher erklärt werden.

Einen durchgestrichenen „Rolli“ musste der Seniorenbeirat trotz ebenerdigem Eingang und Lift dem Rathaus Ober-Roden verleihen. Denn der Aufzug stoppt nur in den Vollgeschossen, zu den Zwischenetagen heißt‘s Treppen steigen. Auf Ebene eineinhalb aber befinden sich Trausaal, Standes- und Friedhofsamt sowie das Ehrenamtsbüro. Der Seniorenbeirat plädiert daher für den Einbau eines Treppenlifts.

Heinz Weber will den Stadtführer nicht zum Pranger machen. Im Gegenteil: Die Broschüre, die es derzeit im Internet und ab Herbst gedruckt gibt, soll Ansporn zu Verbesserungen sein. Weber hat auch überall gefragt, ob Besitzer und Mieter der Gebäude einer Veröffentlichung zustimmen. Lediglich ein Arzt sagte „Nein“, ansonsten bestand der Rücklauf nur aus kleineren Korrekturen bei Telefonnummern oder Namen.

Geschäfte, Gaststätten und Hotels sollen sich in den kommenden Monaten selbst einschätzen. „Das erspart uns Aufwand und Ärger“, sagt Weber und hofft auf rege Beteiligung der Rödermärker Gewerbetreibenden. Schließlich sei‘s auch ein Stück Reklame, wenn sie in einem solchen Stadtführer gelistet sind. Ein Problem wird sich aber auch mit viel gutem Willen nicht lösen lassen. Weber: „Fast alle Geschäfte in den Ortszentren haben zwei oder drei Stufen vor der Tür.“

In der Diskussion um eine senioren- und behindertenfreundliche Stadt werden zwei Dinge oft nicht ausreichend berücksichtigt, bedauert Heinz Weber: Öffentliche Toiletten und Behindertenparkplätze. Letztere sind in Rödermark durchaus reichlich vorhanden, aber selten frei. Dem VdK-Vorsitzenden Bernd Koop seien gar schon Prügel angedroht werden, als er Falschparker darauf hinwies, berichtet Weber.

„Im wahrsten Sinne besch... ist die Situation bei den öffentlichen Toiletten“, klagt er. Die einzige, die rund um die Uhr jedem zugänglich ist, sei die auf dem Ober-Röder Bahnsteig. Egal, ob Kulturhalle, Halle Urberach, Kelterscheune oder Gaststätten - wer dort dringende Bedürfnisse erledigen muss, ist auf Bürozeiten oder den guten Willen der Wirte angewiesen.

Mit einer gewissen Portion Bauchgrimmen verfolgt der Seniorenbeirat die Debatte um die Neugestaltung des Ortskerns Ober-Roden. Viele Politiker wollen ihn an einem historischen Vorbild anlehnen, doch Weber warnt vor allzuviel Nostalgie: „Falsches Straßenpflaster ist pures Gift für Rollstühle und Rollatoren.“

PLUS & MINUS

Problemlos für Rollstuhlfahrer erreichbar sind alle städtischen Seniorentreffs, alle Apotheken, Postfilialen, Bücherturm, Kulturhalle, das Urberacher Kino, das Ärztehaus im Breidert, die meisten Filialen der Sparkasse Dieburg und der Vereinigten Volksbank.

Einen Helfer zum Schieben oder Türöffnen brauchen Rollstuhlfahrer in der Halle Urberach, den katholischen Kirchen, Rathaus und im Sozialrathaus Urberach.

Große Schwierigkeiten bereiten der Zugang zur Bücherei im Rathaus Urberach und zu etlichen Praxen von Ärzten und Heilpraktikern, die in älteren Gebäuden untergebracht sind.

TEMPO

Vor gut einer Woche hat Heinz Weber den hohen Bordstein vor der Sparkassen-Filiale am Haus Morija reklamiert. Am Dienstag hatte er die Zusage der Sparkasse Dieburg, dass sie die Kosten einer Absenkung trägt, und die Zusage der Stadt, dass sie die Arbeit schnellstens beginnt. lö

Quelle: op-online.de

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