Naturschutzbund nach Kontrolle optimistisch

Gefiederte Mieter in Nistkästen

+
Mit nur 16 Gramm ist die Kohlmeise die größte und am häufigsten verbreitete Meisenart in Europa.

Rödermark - In und um Rödermark piept’s, zwitschert’s und trillert’s besser als befürchtet, das viel beschworene Artensterben bleibt aus. Die Nistkastenkontrolle des Naturschutzbundes brachte positive Ergebnisse. Trotzdem ist die Vogelwelt alles andere als heil. Von Michael Löw

Der Naturschutzbund (Nabu) verhilft seit vielen Jahren Vögeln zu künstlichen Brutmöglichkeiten, weil Menschen ihnen die natürlichen wegnehmen. 2009 startete die Nabu-Ortsgruppe das „Spatzenprojekt“. Die Initiatoren Werner Weber und der heutige Vorsitzende Dr. Rüdiger Werner hatten ein Ziel: in allen Kindergärten und Schulen Rödermarks Nistkästen aufzuhängen und Winterfutterplätze einzurichten. Die Zahl der Nistkästen hat sich von ursprünglich 60 im Jahr 2010 auf mittlerweile 76 erhöht. Trotz der nicht immer idealen Standorte inmitten der belebten Spiel- und Tobeflächen haben Vögel die Nistkästen gut angenommen. Bei den jährlichen Kontrollen hat der Nabu festgestellt, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Kästen Bewohner gefunden hatten. 2017 wurde in 43 von 64 kontrollierten Kästen gebrütet.

Noch besser waren die Belegungsquoten auf dem Friedhof in Ober-Roden, wo in 16 von 22 Kästen Vögel gebrütet haben, und vor allem im Breidertwald, wo von 66 kontrollierten Kästen 63 bewohnt waren. Werner: „Das ist ein neuer Spitzenwert!“ Die Belegungsquoten der künstlichen Behausungen zeigen aber auch, dass es weiterhin viel zu wenig alte Bäume mit natürlichen Höhlen gibt. Die heutige Forstwirtschaft lässt zwar mittlerweile sogenannte Habitatsbäume stehen, allerdings wird aus wirtschaftlichen Gründen immer noch zu wenigen Bäumen erlaubt, ein Alter von 200 oder auch 300 Jahren zu erreichen. So sieht der Nabu auch in den nächsten 50 bis 100 Jahren einen Bedarf, den Höhlenbrütern mit Nistkästen aus der Wohnungsnot zu helfen, zumal auch Streuobstwiesen mit alten, höhlenreichen Bäumen zu den seltener werdenden Biotopen gehören.

Die Standardnistkästen werden übrigens nur von wenigen der heimischen Vogelarten angenommen. Die häufigsten Mieter sind Kohlmeise und Blaumeise, gefolgt vom Feldsperling, dem Trauerschnäpper und dem Kleiber. Der Namensgeber des Nabu-Projektes, der Haussperling oder „Spatz“, meidet – zumindest in Rödermark – meist die speziell für ihn angebrachten Kästen.

Wie aus dem Garten ein Zuhause für Vögel wird

Die meisten Vögel brüten auf dem Boden, in Hecken, in Astgabeln und natürlichen Spalten. In einer monotonen Agrarlandschaft, wie sie nach Ansicht des Nabu in weiten Teilen Deutschlands vorherrscht, sind auch für diese Vögel die Brutmöglichkeiten stark eingeschränkt. Das ist, so Werner, neben dem fehlenden Nahrungsangebot – auch ein Grund für den Rückgang der Arten.

Die Höhlenbrüter haben übrigens ein eingebautes Programm und bauen vor Brutbeginn immer ein neues Nest. Wird ein Nistkasten nicht gereinigt und das alte Material entnommen, ist er in ein paar Jahren schlichtweg voll und somit nicht mehr brauchbar. Schon für ihre Zweitbrut suchen sich die Vogelpaare oftmals andere, leere Kästen, sodass man von der Anzahl der Nester nicht unbedingt auf die Anzahl der Brutpaare schließen kann.

Vor 30 Jahren haben die Mitglieder des damaligen Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV), dem Vorläuferverband des Nabu, übrigens noch über 350 Nistkästen in den Wäldern von Rödermark betreut. Von den einstmaligen Betreuern sind die meisten mittlerweile verstorben, sodass die heutigen Aktiven von diesen älteren Kästen meist nicht einmal die Standorte kennen.

Rassentauben oder Brieftauben züchten

„Unser Ziel ist es“, so Dr. Rüdiger Werner, „die Zahl der betreuten Nistkästen jedes Jahr um 20 zu erhöhen. Ende 2017 haben wir die ersten Nistkästen am Friedhof in Urberach aufgehängt. Weitere sollen folgen.“ Als nächstes steht der Park am Entenweiher auf dem Programm. Zur Kontrolle und Pflege der Nistkästen sucht der Nabu weitere Partner. Gerd Gries von der Initiative „Wir sind Breidert“ kümmert sich schon um rund 50 Nistkästen. „Nur so ist möglich, unser Ziel zu erreichen, mit weniger Aktiven die Zahl der betreuten Nistkästen wieder annähernd auf das Niveau von 1990 zu steigern“, sagt Werner. Mit einer Portion Neid blickt er nach Mühlheim. Dort hat der Nabu-Ortsverein 1 300 Bruthilfen unter seinen Fittichen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.