Gegen Blitzschlag und Leiden

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Was ihren Urberacher Kolleginnen noch bevorstand, hatten die Frauen vom Arbeitskreis Heimatkunde Nieder-Roden schon erledigt. Sie boten 50 Kräutersträuße auf dem Markt gegen eine Spende an.

Urberach/Nieder-Roden (lö) - Am Wegrand, gleich hinter den letzten Häusern der Pestalozzistraße, wächst, was angeblich vor Blitzschlag schützt und allerlei Wehwehchen mildern soll: oft unscheinbare Kräuter wie Schafgarbe, Spitzwegerich, wildes Spargelkraut oder Elisabethenstroh.

Traditionell werden sie zum Feiertag Maria Himmelfahrt am 15. August (im Dialekt: Maria Werzweih) gesammelt. .

In Urberach tun das seit Jahren die Frauen der St. Gallus-Gemeinde. Etliche Wiesenkräuter sind wegen des herbstlichen Sommers noch nicht so reif wie in den vergangenen Jahren, bedauert ihre Chefin Ingrid Killian, dem Goldregen fehlt zum Beispiel ein ganzes Stück bis zur vollen Blüte. Was aber nur den Fachfrauen auffällt. Den Laien verblüfft hingegen, welche Schönheiten sich in den Wiesen verstecken.

Bilder von den Kräutersammlerinnen

Kräuter gegen Blitzschlag und Leiden  

Sieben Kräuter, so will es der Brauch, gehören in einen Maria-Himmelfahrt-Strauß. „Bei uns sind"s immer ein paar mehr“, freuen sich Ingrid Killian und ihre Mitsammlerinnen über die Vielfalt. Die Damen vom Arbeitskreis Heimatkunde Nieder-Roden, die ihre Kräutersträuße auf dem Wochenmarkt gegen eine Spende feilboten, haben sich in der Zahl sogar festgelegt: zwölf Sorten und nicht ein Halm weniger. Die Urberacher Sträuße - 100 bis 120 wollen die fleißigen Frauen binden - sind nach den Gottesdiensten am Wochenende zu haben. Auch hier ist eine Spende willkommen.

Erzieherin Kathrin Block und die Fünfjährigen des Gallus-Kindergartens halfen gestern beim Sammeln. Bevor sie in die Wiese stapften, wurden ihre Hosen mit Zeckenschutz eingesprüht. Ingrid Killian hat schon Bekanntschaft mit ganz anderen Tieren gemacht: An einem Bach in der Nähe des Viktoria-Sportplatzes wurde sie vor Jahren von einer Schlange gebissen. Sie hat"s anfangs gar nicht gemerkt. Erst als sie wegen des vermeintlich schmerzhaften Insektenstiches zum Arzt ging, erfuhr sie den wahren Übeltäter.

Seither sammelt sie auch bei strahlendem Sonnenschein nur in Gummistiefeln für ihre Sträuße. Denn ein Kraut, das Socken resistent gegen Schlangebisse macht, wächst auf Urberacher Wiesen nicht.

Quelle: op-online.de

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