Autofahrerin hat Warnlicht missachtet

Geldstrafe nach Unfall mit Dreieichbahn

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Seit dem Unfall im September 2016 wird der Bahnübergang Zilliggarten täglich zwischen 4.30 und Mitternacht von einem Wachmann gesichert: Der schaltet vor jedem Zug das Warnlicht an und lässt zwei Behelfsschranken herunter.

Urberach/Langen -  Eine Frau, die im Herbst 2016 mit ihrem Auto unter einen Zug der Dreieichbahn geraten war, muss eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 50 Euro bezahlen. Das Amtsgericht Langen sah es als erwiesen an, dass sie den Übergang Zilliggarten trotz rotem Warnlicht überqueren wollte. Von Michael Löw

Der Prozess um den Unfall am Bahnübergang Zilliggarten, bei dem am 23. September 2016 eine Frau schwer verletzt wurde und ein Schaden von mehr als 1,8 Millionen Euro entstand, hätte gestern Morgen schon nach 40 Minuten vorbei sein können. Staatsanwältin Sybille Wünsche-Kegel schlug die Einstellung des Verfahrens vor: Die Angeklagte, eine 62-jährige Reitlehrerin, leidet immer noch an den Folgen von sieben Rippenbrüchen und Stauchungen am ganzen Körper und bangt um ihre berufliche Zukunft. Richter Sebastian Uebele hätte sich dieser Auffassung anschließen können, zumal das Urteil keine Auswirkungen auf ein Zivilverfahren gehabt hätte.

Einzig Verteidiger Karl Kühne-Geiling drängte auf die Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen. Sein Ziel: Freispruch für seine Mandantin. Seine Argumentation stützte sich auf drei Säulen. Die Schuldfrage sei alles andere als klar, die Polizei habe bei der Vernehmung der Angeklagten im Krankenhaus schwere Fehler gemacht, und die Signaltechnik am Bahnübergang zur Bulau hinauf sei störanfällig. Über Letzteres hatte unsere Zeitung wenige Wochen vor dem Unfall berichtet.

Die Angeklagte schwieg zur Sache, Verteidiger Kühne-Geiling trug ihre Darstellung des Unfalls vor. Danach fuhr die 62-Jährige mit ihrem Auto an jenem Freitagnachmittag den Zilliggarten von der Bulau Richtung Ort. 10 bis 15 Meter vor dem unbeschrankten Bahnübergang habe sie weder einen Zug noch ein Warnlicht der Signalanlage bemerkt. „Erst im letzten Moment hat sie ein Licht gesehen“, schilderte der Anwalt. „Die einzige Chance, ihr Leben zu retten, war Vollgas zu geben!“ Bei einer Vollbremsung hätte die Dreieichbahn das Auto in der Mitte getroffen, so rammte die Lok nur das Heck und schleuderte den Nissan gegen den Schaltkasten der Signalanlage. Die ist seit nunmehr 14 Monaten außer Betrieb.

Die Zeugen brachten keine endgültige Klarheit. Eine Rentnerin, die mit ihrem Mann die Bulau hinauf spazierte, sagte, von unten sei die Ampel rot gewesen. Ob sie in der Richtung, aus der die Autofahrerin kam, ebenfalls blinkte, konnte die Zeugin weder bestätigen noch verneinen. Ihr Mann hielt es für möglich, dass die tief stehende Sonne das Warnlicht hat verblassen lassen. Ein 33-jähriger Spaziergänger hatte nicht einmal eine Minute vor dem Unfall die Gleise mit seinen zwei Kindern überquert, weil er „nicht ein einziges Licht“ hat blinken sehen. Sekunden später habe er hinter seinem Rücken einen Schlag gehört. Das Auto sah er erst, als es demoliert am Schaltkasten stand.

Bilder: Dreieichbahn rammt Auto

Der Lokführer erklärte im Zeugenstand, der Übergang sei „gesichert“ gewesen. Sonst hätte ein Signal rund 600 Meter vorher den Zug automatisch gestoppt. Auch ein Bundespolizist hielt die Anlage für in Ordnung: Er habe sie nach dem Unfall mit mehreren Kollegen getestet, alle Lichter hätten geblinkt. Richter Uebele warf einen „laienhaften Gedanken“ ein: Kann es sein, dass das Vorsignal die einwandfreie Funktion der Warnlichter suggeriert, die aber dennoch nicht blinken? Das hielten sowohl der Bundespolizist als auch Bahngutachter Olaf Albrecht für ausgeschlossen: Die Technik sei ausgereift.

Nach einem für das Amtsgericht ungewöhnlich langem Prozess verkündete Richter Uebele kurz nach 17 Uhr das Urteil: eine Geldstrafe von 1500 Euro. Für das Gericht war erwiesen: Die Signalanlage hatte funktioniert, die Frau fuhr trotz „Rot“.

Quelle: op-online.de

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