Gelungene Integration

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Ali Ercan und Karl-Heinz Oberfranz, die derzeitigen Vorsitzenden des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins, schilderten beim Fest zum 20. Geburtstag des Vereins ihre persönlichen Beweggründe, beizutreten.

Ober-Roden (chz) ‐ Vor 20 Jahren gegründet als Türkischer Elternverein, feierte der inzwischen zum Deutsch-Türkischen Freundschaftsverein umbenannte DTF am Samstag seinen 20. Geburtstag.

Der Abend begann mit Stühleschleppen im Foyer der Kulturhalle - über 200 Gäste aus rund 30 Vereinen und Organisationen waren weit mehr als erwartet, Gratulanten aus Politik, Kultur und Vereinsleben, von Stadtverordnetenvorsteherin Maria Becht bis zu Pfarrer Frithjof Decker als Vertreter des Netzwerks Integration sowie zahlreiche Mitglieder.

Der DTF hat derzeit 87 erwachsene und 40 jugendliche Mitglieder, 35 deutsche und bis auf einige wenige andere Nationalitäten ansonsten überwiegend türkische Mitbürger, die es als gesellschaftspolitische Aufgabe sehen, „Teilhabe an der eigenen Kultur und Kenntnisse von jenseits des Tellerrands“ - so Karlheinz Oberfranz - zu vermitteln.

Von Tulumba bis Baklava - das wunderschön anzuschauende Büffet beim 20. Geburtstag des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins ließ keinerlei Wünsche an türkische Köstlichkeiten offen.

Ali Ercan, nach dem mittlerweile verstorbenen Gründungsvorsitzenden, nach Turan Firat und Hidir Karademir inzwischen der vierte Vorsitzende des Vereins, schilderte anhand seiner eigenen Biographie die Situation der eingereisten ausländischen Mitbürger. 1985 war er nach Deutschland gekommen, ein fremdes Land, fremde Kultur mit einer fremden Sprache: „Es war nicht leicht, aber hat nicht lange gedauert, bis ich mich mit den ersten Einheimischen anfreundete und von ihnen etwas Deutsch lernte, sogar etwas Ober-Röderisch... Nach einiger Zeit habe ich gemerkt: Deutsche essen Döner mit Knoblauchsoße und können auch Spaß verstehen, und Türken können an einer roten Ampel anhalten und auch Bier trinken..“.

Die 1990 als „Türkischer Elternverein“ gegründete Initiative sollte zunächst die Interessen der Kinder im Schulbereich vertreten und wollte die Jugendlichen von der Straße weg holen, „dass sie hier neue Wurzeln schlagen können, ohne dass die mitgebrachten Wurzeln vertrockneten“. Sie sollten vorbereitet werden auf den multikulturelle Lebensraum; in den langen Jahren wurden so Hunderte Jugendliche für diesen Prozess gewonnen, die heute längst selbst Eltern sind und dies weitervermitteln. „Und wenn es heute in Rödermark weniger Schwierigkeiten zwischen den Kulturen gibt, so ist das auch unser Verdienst -zusammenleben und sich gegenseitig integrieren, das haben wir bewiesen“, freute sich Ali Ercan.

Karl-Heinz Oberfranz als zweiter Vorsitzender verdeutlichte, dass der Begriff Integration zwar in aller Munde ist, aber keineswegs in allen Köpfen. Es sei immer noch Ziel des Vereins, jungen Menschen den Bezug zu ihrer Herkunftskultur zu erhalten - aber keineswegs einen türkischen Kulturverein daraus werden zu lassen. „Abhilfe dagegen schafft nur bikulturelle Parität! Nicht nur im Vorstand, sondern auch in der Mitgliedschaft - wir brauchen mehr Mitglieder, auch solche, die sich beteiligen.“ Ob der Verein in seinem Jubiläumsjahr auf seinem Zenit oder bereits in der Umkehrbewegung sei, wagte Oberfranz nicht vorherzusagen - Beitrittserklärungen lagen jedenfalls bereit.

Und wie bei allen Veranstaltungen mit türkischen Mitbürgern in bester Tradition, schloss sich an den akademischen Teil ein optisch wie geschmacklich begeisterndes Büffet an: ob salzig wie Icli Köfte, eine gefüllte Buchweizengrütze, oder verschieden gefüllte Pides, oder süß wie Baklava und Tulumba, die Spritzkuchen mit Zuckersirup - die Auswahl war groß und abwechslungsreich. Nach Grußworten, unter anderem des ehemaligen Vorsitzenden Hidir Karademir, gab‘s Musik, gespielt von Jugendlichen des Vereins, und Tanz bis spät in die Nacht.

Quelle: op-online.de

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