Urberach

Gemeindeschiff hat Schlagseite

Urberach - (lö) Die Mainzer Kirchenleitung will‘s richten: Der Verwaltungsrat des Bistums hat sich in den Streit ums Gallusheim eingeschaltet. Innerhalb der nächsten beiden Wochen will das Gremium unter der Leitung von Generalvikar Dietmar Giebelmann einen Lösungsvorschlag formulieren und einen runden Tisch einberufen.

Der Verwaltungs-Chef des Bistums war von 1976 bis 1983 Pfarrer in Urberach. „Unser Ziel ist eine Versöhnung innerhalb der Gemeinde“, erklärte Alexander Matschak, der stellvertretende Pressesprecher des Bistums.

Generalvikar Giebelmann hatte zuvor Gespräche mit dem St. Gallus-Verwaltungsrat und den Gruppen der Gemeinde geführt, die das Gallusheim erhalten wollen und ein neues, kleineres Gemeindehaus neben der Kirche ablehnen. Wohin die Reise gehen könnte, wollte Matschak nicht sagen: Das Gespräch sei vertraulich gewesen. Auch das Zerwürfnis zwischen Pfarrer Klaus Gaebler und Teilen der katholischen Kirchegemeinde wollte Matschak nicht kommentieren.

Entzündet hatte sich der schwelende Streit im Herbst. Die Kirchengemeinde hatte die frühere Bäckerei Böffinger & Edelmann in der Traminer Straße gekauft, um sie für kirchliche Zwecke umzubauen. Pfarrer Gaebler, Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat wollen das Gallusheim verkaufen und mit dem Erlös den Neubau finanzieren. Dagegen regte sich Widerstand aus dem Kirchenchor und anderen Gruppen.

„Das Haus ist auf keinen Fall einsturzgefährdet, wie es unser Pfarrer gerne darstellt“, wirft Karl Sturm, der Vorsitzende des Kirchenchors, Gaebler vor. Der Pfarrer hatte Ende 2008 Vergleiche zwischen dem Gallusheim und dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall mit 15 Toten gezogen. Mit etwas gutem Willen, so Sturm, hätten sich Kirchengemeinde und Kreis über eine sukzessive Beseitigung der Mängel einigen können (Siehe: „Mängel“).

Oskar Rembow, von 1972 bis 1980 Vorsitzender des Pfarrgemeinderats (PGR) und danach lange Mitglied im Verwaltungsrat, ist der Ansicht, dass die Schließung „bewusst voran getrieben wurde“. Er geht in seiner Kritik aber noch weiter. Seit Gaeblers Amtsantritt im Jahr 2001 hätten viele Aktive aus der Gemeinde die Brocken „hingeschmissen“, in den Gremien bestimme er „kraft Amtes, was gemacht wird oder was zu unterlassen ist“.

Oskar Rembow hat mittlerweile sogar eine Vier-Teilung der Gemeinde ausgemacht: die Befürworter einer Sanierung des Gallusheims, Urberacher Katholiken, die nur noch in Nachbargemeinden zur Kirche gingen, Aktive, die sich komplett zurückgezogen hätten, und eine Gruppe, die loyal zum Pfarrer stehe. Die Zahl der Kirchgänger, so Rembow, habe sich in den vergangenen Jahren halbiert, während der Rückgang im ganzen Bistum nur etwa 15 Prozent betrage. Oskar Rembows Fazit: „Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, hat gewaltig Schlagseite.“

Pfarrer Gaebler, den die Redaktion zweimal um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten hatte, antwortete: „Ich möchte mich zu diesen undifferenzierten Kernaussagen jetzt nicht äußern, (...) Allerdings sehe ich schon aus den Kernaussagen, dass sie tatsächlich sowohl gegen den PGR und gegen meine Person gerichtet sind mit dem Ziel zu spalten und den Pfarrer in seiner Autorität weiter zu demontieren.“

Carmen Göbel, die frühere Hausmeisterin des Gallusheims, stärkt Klaus Gaebler den Rücken: „Er hat endlich ein Projekt angegangen, dass schon viel, viel früher hätte in Marsch gebracht werden müssen. Statt sachlich (...) an neuen Projekten teilzunehmen, wird von einigen Wenigen Stimmung gemacht.“

Vor kurzem hat eine „Arbeitsgruppe neues Gemeindezentrum“ ihre Tätigkeit aufgenommen. Die stellvertretende PGR-Vorsitzende Marion Christian verspricht, alle Nutzer frühzeitig in die Planungen für das Zentrum neben der Kirche einzubinden.

MÄNGEL

Am 21. Januar begutachteten Mitarbeiter der Kreis-Bauaufsicht und des Brandschutzes das Gallusheim.

Am 2. Februar verfügte der Kreis die Schließung wegen „gravierender Mängel im Brandschutz“.

Die Beanstandungen im Detail: Die Bauaufsicht moniert unter anderem, dass es keine zwei voneinander getrennte Fluchtwege aus dem Saal gibt, Treppen und Zwischendecken aus Holz bestehen, der Heizungsraum nur über die Krabbelgruppe erreichbar ist, Lüftungskanäle nicht aus feuerbeständigem Material bestehen und eine feuerfeste Abtrennung zwischen Saal und Nebenräumen fehlt.

Verstöße gegen das Nutzungsverbot können mit bis zu 5 000 Euro Geldbuße geahndet werden.

Ausnahmegenehmigungen hat der Kreis für die Kreppelkaffees der Katholischen Frauengemeinschaft, (17. und 18. Februar), den KJG-Kinderfasching (21. Februar) und den Halli-Galli-Maskenball (22. Februar) erteilt. lö

Quelle: op-online.de

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