Gemeinnützig und doch profitabel

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Egon Schwarzkopf (links) ist der neue Vize im Gewerbeverein. Er löst Martina Schwarzkopf ab, die sich der Gesundheit zuliebe aus dem Vorstand zurückzieht.

Ober-Roden (lö) ‐ Ein Frischemarkt soll Leben in den „Zehnthof“ und damit in Ober-Rodens Mitte bringen. Gewerbevereinsvorsitzender Manfred Rädlein ist guter Dinge, dass ein „Cap“-Markt in die verwaiste Schlecker-Filiale neben dem Rathaus einziehen könnte.

„Wir stehen kurz vor dem Ziel“, sagte Rädlein bei der Hauptversammlung des Gewerbevereins. „Cap“-Märkte werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben und beschäftigen überwiegend behinderte Mitarbeiter. Sie werden professionell gemanagt und kaufen unterm Dach der Handelskette Edeka an. Das garantiert marktgerechte Preise und ein breites Sortiment von bis zu 12 000 Artikeln. Einen „Cap“-Markt gibt es schon in Obertshausen.

Gewerbeverein, Stadt und Makler Joachim von Seelen hatten zunächst bei Rewe & Co. für den „Zehnthof“ geworben. Die Branchenriesen hätten von ihren Betreibern aber verlangt, die bis zu 200 000 Euro teure Ladeneinrichtung zu finanzieren. Spätestens da hatten Interessenten abgewinkt. Daraufhin brachte Rädlein „Cap“ ins Gespräch und nahm Kontakt zu den Werkstätten Hainbachtal auf, die den Markt in Obertshausen betreiben.

Die Ansprüche von „Cap“ sind weit bescheidener als die der großen Ketten. Laut Rädlein braucht der Frischemarkt nur eine Verbindung zwischen Schlecker und dem früheren Geschenkartikel-Geschäft in hinteren Gebäude.

Ober-Rodens Mitte war ein Schwerpunkt in Rädleins ersten Rechenschaftsbericht als Vorsitzender des 211 Mitglieder starken Gewerbevereins Rödermark. „In Ober-Roden sind die Geschäfte weg geschmolzen“, schilderte Rädlein die Krise des lokalen Einzelhandels, die ausgerechnet durch die weltweite Wirtschaftskrise gemildert werden könnte: Der mehr als 800 000 Euro teure Umbau des Marktplatzes und der Frankfurter Straße wird mit Geld aus dem Konjunkturprogramm des Bundes bezahlt.

Rädlein nannte die Ortskernsanierung eine große Chance für Ober-Rodens Geschäftsleben, zumal der Gewerbeverein nahezu optimal an der Planung beteiligt worden sei. Rädlein sieht aber nicht nur die öffentliche Hand in der Pflicht, sondern auch die Immobilienbesitzer vor Ort: „Lassen Sie die Fassaden ab und zu streichen und verlangen keine überzogenen Mieten!“

Rädlein sowie die Sprecher des Ober-Röder und Urberacher Handels, Karlheinz Hitzel und Martina Schwarzkopf, bewerteten die Veranstaltungen des vergangenen Jahres durchweg positiv: Markttag in Ober-Roden und Nikolausmarkt Urberach präsentierten sich in neuem Gewand, und auch der ums Rathaus konzentrierte Adventsmarkt sei gut besucht gewesen. Änderungen kündigte Rädlein beim Konzept der Gewerbeausstellung „Uhiga“ an: „Ein neues Team soll bis 2011 die Traditionsveranstaltung modernisieren.“

Egon Schwarzkopf, der neue Gewerbevereins-Vize, will einen Energiepool organisieren. Sein Vorschlag: Mehrere Geschäfte oder Handwerksbetriebe zu sich zusammen und verhandeln mit Strom- oder Gasversorger. Solchen „Großabnehmern“ böten die Versorger Rabatte von bis zu 20 Prozent. So brächte die Mitgliedschaft greifbare Vorteile.

Am Ende der nur knapp zweistündigen - und im Gegensatz zum vorigen Jahr überaus harmonischen - Hauptversammlung ernannten die Gewerbevereinsmitglieder den Urberacher Bäckermeister Horst Angermann einstimmig zum Ehrenmitglied. Angermann war Mitbegründer des Gewerbevereins und Initiator der „Uhiga“-Tombola.

Quelle: op-online.de

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