Essen für Alleinstehende in der Gallusgemeinde

Gemeinsam schmeckt es besser

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Beim ökumenischen Mittagessen für Alleinstehende stehen nicht nur die Mahlzeiten im Blickpunkt. Dazu gehören immer auch angeregte Gespräche und gute Kontakte.

Urberach - Fast 20 Jahre ist es her, dass unter dem ökumenischen Dach der Urberacher Kirchen von Sabine Fichtbauer und einem kleinen Team zum ersten „ökumenischen Mittagessen für Alleinstehende“ in die Petrusgemeinde eingeladen worden war.

Seither bekommen Menschen, die alleine leben, alle 14 Tage in geselliger Runde gegen eine kleine Gebühr von derzeit fünf Euro ein abwechslungsreiches frisches Mittagsmahl serviert – Geselligkeit, Herzlichkeit und Wärme inklusive.

Gemeinsam schmeckt es immer noch am besten. Diesem Leitwort folgt das „ökumenische Mittagessen für Alleinstehende“ in Urberach. Als die frühere Petrus-Küche dafür zu klein wurde, zog das ökumenische Team ins Gallusheim um. Nach dessen Schließung ist es bis zur Öffnung des neuen Gemeindezentrums wieder in Petrus untergeschlüpft.

Insgesamt etwa ein gutes Dutzend Helferinnen und Helfer wechseln sich in zwei Gruppen ab. Das Team hatte sich seit Jahren kaum verändert, jetzt sind nach mehreren Abgängen einige Neue dazugekommen. „Ich wurde angefragt, und da ich ohnehin in der Robert-Bloch-Straße wohne und eh’ im ökumenischen Brotkorb und im Häkelkreis mitarbeite, hab ich mir gedacht: darauf kommt’s auch nicht mehr an“, sagt Rosi Krail (62) lachend, während sie an der schweren Eingangstür den Gästen beim Eintreten hilft.

Neu ist auch Heinz Schultheis (65), seit einigen Monaten Lehrer im Ruhestand und seit Jahrzehnten in Sachen Kochen sehr beliebt: „Bis jetzt ist das neben dem Rentnersein-Erlernen meine erste Nebenbeschäftigung“, erzählt der Waldackerer, bittet aber lächelnd darum, ihn vor der Spülmaschine statt vor dem Herd zu fotografieren, „damit nicht alle denken: Aha! Er kommt und reißt gleich das Kochen an sich!“

Kochen heißt es an den Tagen, an denen gemeinsam zu mittaggegessen wird, etwa ab 9 Uhr morgens. Am Montag gab’s Frikadellen (immerhin für 28 hungrige Gäste und fünf Helfer eine gewaltige Menge), Salzkartoffeln, Lauchgemüse und Zwiebelsoße. Das meiste wird in der engen, aber gut ausgestatteten Gallusküche zubereitet. „Nur „das Obst für den Obstsalat zum Nachtisch hab ich teilweise schon zuhause vorbereitet“, berichtet Burglind Frank, die vor dem ersten „Guten Appetit“ ein Tischgebet mit allen Küchenhelfern und Gästen spricht.

Zuschüsse brauchen die Teams kaum, sie kommen mit den fünf Euro pro Person immer aus. Alles wird frisch gekocht, Fertiges gibt’s nicht in der Küche. Eingekauft wird selbstverständlich nur saisonbetont, außerdem meist das, was es gerade im Angebot gibt.

Neue zusätzliche Aufgabe für die guten Küchengeister: Der Gesetzgeber schreibt seit Kurzem im öffentlichen Bereich vor, dass kleine Proben der ausgeteilten Mahlzeiten einige Tage gut beschriftet im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das dient der Beweissicherung. Falls sich jemand doch einmal über gesundheitliche Probleme beklagt, können damit Proben vom Gesundheitsamt überprüft werden – ein kleiner Handgriff, aber eine gute Lösung, falls mal jemand Probleme hat.

Am Montag waren es schließlich 26 meist betagte Gäste. Viele sind sich einig: „Das hier ist wie in einer großen Familie, und da hat ja auch jeder seinen Stammplatz!“ Genau das möchte das Team auch erreichen: ein wenig Familienersatz für alle, die sonst mit ihrem Teller oft allein am Esstisch sitzen. Und Lauf- oder Fahrtprobleme gibt’s für all jene, die weniger gut zu Fuß sind, auch nicht, denn ein Fahrdienst kümmert sich mit dem „Petrusbus“ um alle, die gerne zuhause abgeholt werden möchten.

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Am Montag war es der Neu-Rentner Klaus Klein aus Ober-Roden, der diesmal zwei Ober-Röder und einen Urberacher Gast eingesammelt hat. „Es sind überwiegend Rollstuhlfahrer – das dauert manchmal etwas, aber das klappt immer.“

Herzlich eingeladen sind immer alle Alleinstehenden, ohne Altersbegrenzung nach unten. Ein paar Esser mehr verkraften die Gallusküche und das Team ohne Weiteres noch. Und wer freut sich schließlich nicht über ein leckeres Mahl zu einem günstigen Preis und dazu bald zwei Stunden nette Unterhaltung samt Kaffee zum Schluss?

Der nächste gedeckte Tisch wartet am 5. März und danach 14-tägig montags. Weitere Informationen gibt es unter Tel.: 06074/70284. Anmeldung erbeten. (chz)

Quelle: op-online.de

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