Genosse Manager

+
Entspannung sucht und findet Armin Lauer beim Lesen im Garten - da darf‘s auch mal ein Fantasybuch aus den Beständen seiner Söhne sein. Parallel dazu las er eine Biographie von Altkanzler Helmut Schmidt.

Urberach - Wer bei einer Gewerkschaft arbeitet, hat nicht zwangsläufig Anspruch auf die 35-Stunden-Woche. Armin Lauer, der Vorsitzende der Rödermärker SPD-Fraktion, kommt locker auf das Doppelte und noch ein paar Stunden mehr des erklärten Gewerkschaftsziels Nummer eins. Von Michael Löw

Er ist Geschäftsführer der Transnet-Vermögensverwaltung und pendelt im Auftrag der Bahngewerkschaft so um die 80 Stunden zwischen Urberach, Berlin, Frankfurt und Grainau hin und her.

Unterhalb der Zugspitze managt er ein Hotel mit 280 Betten, 100 Mitarbeitern und 5,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. „Wenn ich ein Unternehmen führe, kann ich nicht permanent bei der Muttergesellschaft um Zuschüsse bitten“, hat er sich selbst zum Erfolg verdonnert. Und dieses wirtschaftliche Denken fordert Armin Lauer auch von der öffentlichen Hand. Schlecht vorbereitete Vorlagen - als Beispiel nennt er die Umwandlung die Berufsakademie in eine gemeinnützige GmbH - ärgern ihn kolossal.

Fakten:

- 1986 SPD-Eintritt

- Ortsvereinsvorsitzender von August 2006 bis September 2007

- Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seit September 2007

- Fraktionsvorsitzender seit November 2007

Rödermarks ranghöchster Genosse ist ein Manager. Gelernt hat der Saarländer, der seit 1995 in Urberach einen Beruf, der eher zu Sozialdemokraten passt: Schlosser im Maschinenbau. Am Abendgymnasium holte er das Abi nach, seinen Betriebswirt mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft machte er im Fernstudium.
Gradlinig, kompromisslos, von Fakten getrieben - so beschreibt Armin Lauer Armin Lauer und mildert das Bild vom harten Macher im gleichen Atemzug etwas: „Ich bin auch jemand, mit dem man Spaß haben kann!“

80-Stunden-Job und Kommunalpolitik an der Spitze einer Fraktion - geht das nicht auf Kosten des Privaten? „Meine Frau fragt schon ab und an, warum ich mir das antue“, räumt Lauer ein. Das Familienleben sei knapp, aber intensiv. Nach einem Monat ohne ein einziges freies Wochenende fuhren die Lauers mit ihren beiden Söhnen (8 und 14) zwei Wochen am Stück in den Sommerurlaub.

Seine Kinder sollen „behütet“ aufwachsen, nennt der 42-Jährige seine „konservative Ecke“. Behütet heiße aber keineswegs betüttelt: Die Jungs sollen nicht in eine leere Wohnung kommen, wenn die Schule aus ist, sondern einen Ansprechpartner für Sorgen, Nöte und Wünsche antreffen. Deshalb sei seine Frau Hausfrau. Lauer: „Das mag vielleicht eine altbackene Ansicht sein. Aber es gibt der Familie Halt.“

Sport spielt in Armin Lauers Freizeit eine große Rolle. Er fährt leidenschaftlich gerne Ski, spielt Tennis beim MTV Urberach und begleitet seinen jüngsten Sohn zum Fußballspielen bei der Turnerschaft Ober-Roden. Bekennender Eintracht-Fan ist er außerdem. Entspannung findet er auch, wenn er eine halbe Stunde in die Tasten eines kleinen Keyboards haut, das im Keller steht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare