Genossen fordern Leitbild

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Führende SPD-Politiker informierten sich über die Baustellen im Ortskern von Ober-Roden und machten auch am Bahnhof Station.

Ober-Roden - (lö) Vor einer wie auch immer gearteten Ortskernsanierung müssen Ober-Rodens Verkehrsprobleme gelöst werden, sonst drohen teure Fehlentscheidungen. Dieses Fazit zog die Rödermärker SPD-Spitze nach einem Rundgang, bei dem sie auch mit Bürgern diskutierte.

Die Begehung hatte vier heftig diskutierte Stationen: Bahnhof, Bahnübergang, „Zehnthof“ und Kirchenvorplatz - alles kommunalpolitische Dauerbrenner

Am Bahnhof, der seit über einem Jahr zum Verkauf steht, schilderte Fraktionschef Armin Lauer den Sachstand des Bieterverfahrens. Zwei Bewerber stünden noch zur Auswahl. Nach der Sommerpause müssten die Kommunalen Betriebe Rödermark eine entscheidungsreife Vorlage präsentieren. Die Fraktion will das Thema in einer Klausur Mitte August abschließend beraten. „Die Fakten liegen auf dem Tisch. Nun ist es an der Zeit, die Hängepartie zu beenden,“ forderte Lauer.

Der Bahnübergang in der Dieburger Straße ist ein ebenso neuralgischer wie heftig umstrittener Punkt: Hier entbrannte unter den SPD-Politikern eine heftige Debatte zur Verkehrspolitik. Unterführung, Überführung, Beibehalt des Status quo waren nur einige Aspekte, die zur Sprache kamen. Die SPD kam erneut zu der Auffassung, dass die Lösung der Verkehrsprobleme im Ortskern vorrangig vor weiteren Entscheidungen gefunden werden muss. Fraktionsgeschäftsführer Schultheis brachte es auf den Punkt: „Ich fange nicht an, ein Haus zu bauen, ohne dass hierfür Pläne vorliegen.“ Fraktionskollege Werner Popp ergänzte, „dass ohne ein Leitbild, wie der Ortskern saniert werden soll, möglicherweise kostspielige Fehlentscheidungen getroffen werden, die wir später bitterböse bereuen werden.“

Lauer erläuterte Teilnehmern und mit diskutierenden Ober-Rödern das Konzept des Shared Space (übersetzt etwa „gemeinsam genutzter Raum“): Es bezeichnet eine Philosophie, nach der von Autos dominierter öffentlicher Straßenraum lebenswerter, sicherer sowie im Verkehrsfluss verbessert werden soll. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichgestellt und unterliegen keinerlei Reglementierungen außer der Rechts-vor-links-Regel.

Dritte Station des Ortsrundgangs war der „Zehnthof“. Der präsentierte sich den SPD-Leuten mit leer stehenden, unvermieteten Ladenlokalen. SPD-Vorsitzender Stefan Junge sah „in dem unschönen Anblick“ alles andere als ein einladendes Bild zum Verweilen. Lauer forderte, dass es „hier darum gehen muss, diesen zentralen Punkt der Stadtmitte schnellstens wieder zu beleben“. Ziel müsse seiner Ansicht nach sein, durch attraktive Geschäfte, Büros oder Praxen die Nahversorgung deutlich zu verbessern und ein ansprechendes Gastronomie-Angebot zu etablieren. Vorschläge erwartet die SPD vom neuen Einzelhandelskonzept.

Der Ortsrundgang wurde abgeschlossen mit einer Debatte zur Neugestaltung des Kirchenvorplatzes, möglichen Verschiebungen der Bushaltestellen und den Überlegungen zum Platz vor der Sparkassen-Filiale.

Die SPD-Politiker waren sich einig, dass eine erneute Debatte auch in der Bürgerversammlung im August dringend von Nöten ist. „Wir werden die Bürger und Gewerbetreibenden nur von einer Gesamtlösung überzeugen können, wenn diese mit einbezogen werden und das Gefühl haben, mitentscheiden zu dürfen,“ sagte Armin Lauer. Das Motto könne deshalb nur lauten: Mit den Bürgern und nicht über sie hinweg! Alles andere fördere die Politikverdrossenheit.

Quelle: op-online.de

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