Genussradler im Grünen

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Karl Schäfer schätzt anspruchsvolle Lektüre.

Ober-Roden - Als Direktor des Arbeitsgerichts Darmstadt trifft Karl Schäfer Entscheidungen über existenzielle Fragen: Ist eine Kündigung eines chronisch kranken Mitarbeiters rechtswirksam? Stimmt die Eingruppierung in die Gehaltsstufe xy? Was tun, wenn der Chef seit Wochen keinen Lohn mehr überweist? Von Michael Löw

Je flauer die Konjunktur läuft, desto mehr Verfahren muss ein Arbeitsrichter schlichten oder zu Gunsten einer Partei bewerten.

Dagegen muten die Entscheidungen, die Karl Schäfer in der Rödermärker Stadtverordnetenversammlung trifft, nahezu klein an. Doch auch da argumentiert er mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie vor Gericht, wägt ab, weist auf Konsequenzen hin, bedenkt auch andere Meinungen als die eigene.

Schäfer zog 1991 von Frankfurt ins beschauliche Ober-Roden und bekennt nach 18 Jahren Kleinstadt: „Da will ich nicht mehr weg!“ Er sei ein geselliger Typ, der gern mit anderen Menschen zusammen ist. Und als solcher fühle er sich in Rödermark bestens aufgehoben. Dazu passt, dass die Andere Liste weit mehr als eine Partei ist, sondern längst schon ein Kreis politisch gleich gesinnter Freunde.

Unheimlich gern“ sei er in Bewegung, am liebsten im Grünen. Hallensport käme für ihn nur im Notfall in Betracht. Karl Schäfer radelt am liebsten über ruhige Odenwaldsträßlein in gemächlichen Etappen von 45 bis 60 Kilometern. Einmal im Jahr ging‘s bisher in die Vollen, Wochenend-Touren mit 130 Kilometer am Tag. Ob das Zukunft hat, bezweifelt Schäfer allerdings: Der Freund, der bisher mit ihm fuhr, hat seinen ersten Ironman bewältigt. Ob der jetzt noch der richtige Partner für einen Genussfahrer ist, steht in den Sternen.

Seine Kletterurlaube in den Dolomiten will Schäfer wieder aufleben lassen - vorausgesetzt, er findet einen Partner, auf den er sich blind verlassen kann. Jemandem vertrauen zu können, ist ihm wichtig. Im Hobby, im Beruf, im Privatleben, in der Politik.

Der 48-jährige Jurist besitzt auch einen E-Bass, ein E-Cello und eine E-Gitarre. Doch lieber als Musik machen ist ihm Musik hören. Und zwar ganz gegensätzliche. Zusammen mit Lebensgefährtin Angelika Mirthes besucht Karl Schäfer „leidenschaftlich gern Wagner-Opern“. Kontrastprogramm sind dann Popkonzerte abseits vom Mainstream im Aschaffenburger Colossal oder in der Centralstation Darmstadt.

Wie die meisten seiner bisher porträtierten Politikerkollegen schätzt auch Schäfer das Kochen. Auch er meidet Modegerichte und serviert Gästen lieber Klassisches wie Rindfleisch mit Soße und Rotwein. Das macht er offensichtlich schon lange und auch gut. Fragte doch seine Tochter vor vielen, vielen Jahren im Kindesalter: „Du Papa, können Frauen eigentlich auch kochen?“

Daten und Fakten

- 1995: Eintritt in die Partei Bündnis 90/Die Grünen und gleichzeitig Beginn der Mitarbeit bei der AL 

- seit 1997: Stadtverordneter außer einer Unterbrechung von 2001 bis 2002 

- Aktuelle Mandate: Mitglied in der Kommission Leitbild und Stadtentwicklung, Ältestenrat, Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss 

- Frühere Mandate: unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses, Mitglied der Betriebskommission

Quelle: op-online.de

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