Gericht weist Kreuz-Klage zurück

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Klaus Braungart hätte die strittige Skulptur ohne Einverständnis seines Nachbarn nicht an seine Scheunenwand hängen dürfen.

Urberach/Langen ‐ Das Amtsgericht Langen hat gestern die Kreuz-Klage aus der Bachgasse zurückgewiesen. Klaus Braungart hätte die strittige Skulptur nicht an seine Scheunenwand hängen dürfen, ohne das Einverständnis seines Nachbarn Johann Müller einzuholen, argumentierte Richterin Kirsten Prass. Von Michael Löw

Müller hatte das 1,40 Meter hohe Holzkreuz im April abgesägt, Braungart klagte auf Wiederherstellung des alten Zustandes - sprich: erneutes Aufhängen. Das lehnte die Richterin ab. Braungarts Anwalt Hubert Ley hatte Müllers Handeln als „Selbstjustiz“ bezeichnet: Das Kreuz hing an der Scheunenwand seines Mandanten, und diese Wand steht 25 Zentimeter von der Grundstücksgrenze entfernt. Ley: „Das Kreuz befand sich also auf seinem Hoheitsgebiet.“ Erreichbar ist Braungarts Wand allerdings nur über Müllers Garten.

Auffallend: Richterin Kirsten Prass sprach während der Verhandlung, die übrigens nur knapp zehn Minuten dauerte, stets von einem „Holzelement“. Das Wort Kreuz mied sie konsequent.

Die Richterin gestand Braungart zu, die Fassade seiner Scheune grundsätzlich nach seinen Vorlieben zu gestalten. Bei einer Grenzbebauung wie in der Bachgasse sei er jedoch verpflichtet, „Einvernehmen mit seinem Nachbarn“ herzustellen. Nach den Erkenntnissen des Gerichts hatte Braungart vorm Aufhängen des „Holzelementes“ zwar Müllers Erlaubnis zum Betreten seines Grundstücks eingeholt - aber unter dem falschen Vorwand, er müsse eine Reparatur durchführen. Damit, so Richterin Prass, hat Klaus Braungart das „Holzelement“ ohne das erforderliche Einverständnis befestigt; folglich war das Aufhängen rechtswidrig.

„Das Urteil ist absurd“

„Die Fronten sind verhärtet“, kommentierte Richterin Prass den Nachbarschaftsstreit. Der hatte nach Ansicht von Rechtsanwalt Hubert Ley begonnen, als sein Mandant 2005 die Scheune kaufte und fand seinen vorläufigen Höhepunkt in Johann Müllers Sägeaktion.

„Das Urteil ist absurd“, sagte Ley gestern Mittag gegenüber unserer Zeitung. Es bedeute nämlich in letzter Konsequenz, dass man fremdes Eigentum mit Gewalt zerstören dürfe. Ley schließt eine Revision nicht aus, will zunächst aber die schriftliche Begründung des Urteils aus Langen abwarten. „Ich denke nicht, dass der Rechtsstreit zu Ende ist“, erklärte auch Müllers Anwalt Michael Gensert. Er ist sicher: Geht das Verfahren in die nächste Runde, kommt auch Grundsätzliches wie Religionsfreiheit zur Sprache.

Zahlreiche Nachbarn und Angehörige der beiden Kontrahenten hatten die Verhandlung gestern verfolgt. Johann Müller und seine Frau wollten zu ihrem Etappensieg vor Gericht keine Stellungnahme abgeben. Ihre Tochter sagte nur: „Meine Eltern hatten noch nie Zirkus mit jemanden in der Straße gehabt. Wir wollen doch einfach nur unsere Ruhe.“ Foto: Löw

Quelle: op-online.de

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