Zimmerschnorrerin hat auch Rödermärker Hotels im Visier

Gut geschlafen, aber nicht bezahlt

Urberach - Zimmer online buchen, gut schlafen, lecker frühstücken, keinen Cent zahlen: Das ist die Masche einer Frau, die seit Wochen Hotels in Südhessen zu schaffen macht. Hans Gensert vom „Odenwaldblick“ hatte Glück: Er war gewarnt und rief die Polizei. Von Michael Löw 

Die aber verwies die mutmaßliche Betrügerin nur des Hauses. Gensert und seine Kollegen fühlen sich von der Polizei und dem Buchungsportal im Stich gelassen. Mindestens 20 Hotels im südlichen Rhein-Main-Gebiet wurden in den vergangenen Wochen Opfer einer Einmietbetrügerin. Bei Hans Gensert im „Odenwaldblick“ blieb’s beim Versuch. Auch eine weitere Rödermärker Kollegin hatte Glück, sie schickte die Frau weg. Sie fuhr nach Griesheim, wo ihr ein Hotelier auf den Leim ging. Weitere Opfer fand sie in Bad König im Odenwald und in Annelsbach.

Die Betrügereien hätten verhindert werden können, ärgert sich Hans Gensert. Denn die Frau ist sowohl der Polizei als auch dem Onlineportal Booking.com bekannt. Über dieses Portal reserviert sie seit Wochen Zimmer: Sie kündigt eine späte Anreise an. Dann liegt der Schlüssel in einem von außen zugänglichen Safe, dessen Zugangscode ihr per E-Mail mitgeteilt wird. Das erspart ihr unangenehme Fragen an der Rezeption. Nach dem Frühstück verschwindet die ungepflegt wirkende korpulente Frau, ohne zu zahlen, einmal nahm sie sogar den Schlüssel mit.

Hoteliers, die auf sie reingefallen sind, gaben Masche und Namen an den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, an Booking.com und die Polizei weiter. Die Polizei nahm Betrugsanzeigen auf, Booking.com sperrte ihren Account - aber nur für Hotels, bei denen die Betrügerin erfolgreich war. Als sie im „Odenwaldblick“ stand, war Hans Gensert vom Dehoga gewarnt und hatte die Polizei verständigt. „Die überprüfte ihre Papiere und fragte, ob sie das Zimmer zahlen könne. Jedoch hatte die Frau keinerlei Geld bei sich. Aber sie ist sehr geschickt in ihren Ausreden. Obwohl schon mehrere Anzeigen wegen Einmietbetrugs vorlagen, hat die Polizei die Dame nur des Hauses verwiesen“, war Gensert einerseits froh, kein Zimmer umsonst vermietet zu haben.

Wo im Urlaub hohe Nebenkosten lauern

Ansonsten ist der Urberacher Hotelier sauer: „Das ist ein rechtsfreier Raum, trotz mehrerer Anzeigen passiert nichts! Und Booking.com nimmt die Frau nicht raus.“ Er hat alle Rödermärker Kollegen vor ihr gewarnt. Seine Beschwerde bei Booking.com lief ins Leere: Nur bereits geschädigte Betriebe könnten vor weiteren Buchungen geschützt werden, lautete die Antwort.

Gensert machte seinem Ärger über unsere Zeitung Luft. Wir schilderten die Sache dem Onlineportal. Und dann ging alles plötzlich ganz einfach. „Die Sicherheit von Kunden und Partnern hat für Booking.com oberste Priorität. In dem sehr seltenen Fall, dass wir betrügerisches Verhalten entdecken, arbeiten wir schnell, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In diesem Fall haben wir die notwendigen Schritte unternommen, um zukünftige Buchungen von diesem Kunden zu unterbinden und um unsere Partner zu schützen“, schrieb Booking.com in einer E-Mail. Im Klartext: Zumindest über dieses Portal kommt die Betrügerin nicht mehr zum Zuge.

Michael Malkmus von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südosthessen rät Hoteliers, ein Hausverbot gegen die Frau auszusprechen: „Dann haben sie eine rechtliche Handhabe wegen Hausfriedensbruch.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare