Gesetze allein sind zu wenig

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Unermüdlicher Kämpfer gegen Alkoholmissbrauch: Rödermarks Jugendpfleger Andreas Jacobsen.

Rödermark (lö) ‐ Stadtjugendpfleger Andreas Jacobsen kämpft schon seit Jahrzehnten gegen den Suff bei Kindern und Jugendlichen. In Rödermark hat er mehrer Präventionsprojekte auf die Beine gestellt. Wir sprachen mit ihm über Möglichkeiten und Grenzen von Vorbeugung.

Seit wann gibt's in Rödermark Aktionen wie „Gaststätten mit Herz und Verstand“ oder die „Clean Scouts“?

„Gaststätten mit Herz und Verstand“ machen wir seit 2004 (Ich hatte sie von 1983 bis 1987 als Kreisjugendpfleger in Bayern erfolgreich durchgeführt). „Clean Scouts“ existieren seit 2007, diese Idee entstand auf Bitten der Kerb-Kommission Urberach, etwas Wirksames zur Verhinderung von Koma-Fällen Jugendlicher zu erfinden.

Haben bestimmte Sauf-Exzesse die Gründung angestoßen oder beschleunigt?

Die Entwicklung des ständig steigenden Alkoholkonsums immer jüngerer Menschen war einer der Anlässe. Ein weiterer war, dass unsere Stadt in ihrem Leitbild Kinder- und Jugendfreundlichkeit verankert hat. Dies ist für uns Anlass genug, Kinder und Jugendliche so früh und wirksam wie möglich vor falschen und gefährlichen Einflüssen und Verhaltensweisen zu schützen, also den Jugendschutz ernstzunehmen.

Die Hälfte der „Gaststätten mit Herz und Verstand“ sind Lokale von Vereinen, bei denen verantwortungsvolle Jugendarbeit ohnehin einen hohen Stellenwert genießt. Andererseits fehlen diverse In-Kneipen. Gibt Ihnen das zu denken?

Ja, das sehen wir schon lange als Problem, Aber Maßnahmen, die wie unsere über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinausgehen, sind in unserer Gesellschaft nun mal auf freiwillige Teilnahme angewiesen. Gastronomen und Geschäftsleute, die über das entsprechende Verantwortungsbewusstsein verfügen, unterstützen uns auch. Wir lassen auch nicht nach, diese Projekte sind bewusst als Langzeitprojekte angelegt. Vielleicht kommen wir über die Akzeptanz in der Bevölkerung dahin, dass es sich letztlich niemand mehr leisten kann, nicht mitzumachen.

Hat Rödermark verborgene „Alkoholquellen“, die dringend trocken gelegt werden müssen? Im Klaretxt: nicht nur schwarze Schafe in der Kneipen- und Geschäftswelt, sondern auch leicht zugängliche elterliche Bars oder sorglose/geldgierige Zapfer bei Festen.

Wie schon gesagt, unsere Hoffnung liegt in der ständig steigenden Akzeptanz und Öffentlichkeitswirksamkeit. Wir hoffen, dass sich auf Dauer in unserer Stadt und Gesellschaft ein starkes Bewusstsein für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol entwickelt, Verbote und Gesetze haben in der Vergangenheit ja gezeigt, dass sie nicht allein genug bewegen können. Übrigens sprechen die „Clean Scouts“ auch die Thekendienste bei Festen an, es gab auch schon Fälle, wo wir Meldung ans Ordnungsamt gemacht haben und Jemandem angedroht wurde, dass er an der nächsten Kerb keine Schankerlaubnis mehr bekommt.

Quelle: op-online.de

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