Rotter und Kreis suchen Alternativen zum Auto

Gibt es die Rückkehr des Sammeltaxis?

Rödermark – Dieselfahrverbote sind für kleine Städte wie Rödermark zum Glück kein Thema. Trotzdem suchen Kommunalpolitiker nach Alternativen zum Auto. Der Magistrat prüft, ob Rödermark beim Kreis-Projekt „ASTplus“ mitmacht.

Unabhängig davon will Erster Stadtrat Jörg Rotter, CDU-Kandidat für die Bürgermeisterwahl, das Anruf-Sammel-Taxi (AST) wieder einführen.

Rotters Pläne sind dauerhaft angelegt, das Pilotprojekt der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) sieht zunächst einen Probebetrieb bis 2022 vor. Rotters AST wäre zudem ein Alleingang, den Rödermark ohne Partner unternehmen könnte.

Egal, ob AST oder ASTplus: Sammeltaxis machen Sinn, wenn auf manchen Strecken oder zu bestimmten Uhrzeiten zu wenig Passagiere unterwegs sind, um einen Linienbus zu vernünftigen Preisen fahren zu lassen. Außerdem sind viele innerörtliche Straßen zu schmal für Linienbusse.

Rotter möchte mit dem AST Einkaufszentren, Ärztehäuser und öffentliche Einrichtungen besser erreichbar machen. Davon würden in erster Linie ältere, oft gehbehinderte Menschen profitieren, die kein Auto und auch keine Angehörigen, die Fahrdienste übernehmen können, haben. Diese Personengruppe hat bei der Fahrt mit Bus und Bahn oft Probleme: Schon der Weg vom Haus zur Haltestelle kann beschwerlich werden.

Eine Taxizentrale, so Rotters Überlegungen, fügt die Fahrwünsche mehrerer Anrufer zu einer sinnvollen Route mit „angemessenem Preis“ zusammen. „Ein derartiges System ist deutlich günstiger als ein Stadtbus und kann viel flexibler auf Fahrwünsche eingehen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Stadt die Wiedereinführung eines solchen oder eines ähnliches Systems überprüft. In diesem Zusammenhang sind Gespräche mit der KVG Offenbach und dem Regierungspräsidium Darmstadt sinnvoll. Rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Zuschüsse sind zu prüfen“, sagt Rotter.

Ein städtisch subventioniertes AST rollte schon von 1996 bis 2004 durch Rödermark. Es fuhr werktags zwischen 5.40 und 22.40 Uhr. Nachts und am Wochenende, wenn nur wenige Busse und Bahnen verkehrten, blieb das AST dagegen in der Garage.

Der ebenfalls von der Stadt mitfinanzierte Nachfolger „Bahnhof Direkt“ wurde mangels Resonanz bald wieder eingestellt. Seither bietet ein Urberacher Taxi-Unternehmen den Service „Anruf-Senioren-Dienst“ (ASD) auf eigene Rechnung an.

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Die Kreisverkehrsgesellschaft arbeitet seit vorigen Herbst am Pilotprojekt ASTplus. Es dient – wie Rotters AST – der „Feinerschließung“: Über eine Smartphone-App kann ein Kleinbus vors Haus bestellt werden, der innerhalb einer 15-Minuten-Frist anrollen soll. Der Test läuft von Mitte 2019 bis 2022 und soll in Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen beginnen. Rödermark soll laut KVG ab Dezember 2020 ans ASTplus angeschlossen werden.

Autonome Taxen ändern den Stadtverkehr

Die FDP hat das ASTplus mit einer parlamentarischen Anfrage ins öffentliche Interesse befördert. Die Fraktion wollte vom Magistrat wissen, ob er schon weiß, welche laufende Kosten auf die Stadt zukommen und ob sie Geld für Investitionen in die Hand nehmen muss. Für beides ist"s noch zu früh, ließ der Magistrat die Liberalen wissen und wies vorsorglich darauf hin, dass „bei Nichtteilnahme mehrerer Kommunen das Projekt auf der Kippe stehen könnte“.

Die FDP hatte nämlich auch gefragt, welche rechtlichen und praktischen Möglichkeiten es für die Stadt gibt, um sich von vornherein aus dem ASTplus auszuklinken. (lö)

Quelle: op-online.de

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