Gilt in Waldacker zweierlei Maß?

Waldacker - Gleiches (Bau)-Recht für kleine und große Investoren! Das verlangt Klaus Huthmann und fordert eine Änderung des Ende 2005 einstimmig vom Parlament beschlossenen Bebauungsplanes „A1. 4“ für Waldacker. Von Michael Löw

Der verwehre ihm und rund einem halben Dutzend weiterer Grundstücksbesitzer, was dem Investor der „Mirabella“-Siedlung erlaubt ist - Häuser, die mehr als 60 Meter vom Straßenrand entfernt stehen.

Die Firma NCC Deutschland baut auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Gelände an der Lerchenstraße 24 Ein-Familien-, Reihen- und Doppelhäuser. Knapp 3 000 Quadratmeter davon liegen laut Huthmann jenseits der 60-Meter-Grenze, was einem handfesten Vorteil von etwa einer Million Euro für NCC entspreche. Grundlage seiner Berechnungen ist der Wendehammer am östlichen Ende der Lerchenstraße.

Würde diese Regelung überall in Waldacker angewandt, gewinnt Klaus Huthmann auf seinem Grundstück an der Hauptstraße zum Beispiel 255 Quadratmeter bebaubare Fläche. Weitere Nachbarn könnten zwischen 20 und 320 Quadratmeter zusätzlich nutzen. Die Realität sehe anders aus: Die Stadt lehnte eine Bauvoranfrage Huthmanns wegen Überschreitung der 60-Meter-Grenze ab.

Potenzielle Baufläche schrumpft um 25 Prozent

Dieser Abstand ist nach Ansicht Huthmanns ein ungeeignetes Mittel, baulichen Wildwuchs in Waldacker zu stoppen. Er reduziere die überbaubare Fläche im ganzen Stadtteil nämlich um gerade ein Prozent. Kleinere Häuser auf allen Grundstücken - formal: die Verringerung der Grundflächenzahl von 0,4 auf 0,3 - hingegen lassen die potenzielle Baufläche um 25 Prozent schrumpfen. Deshalb mache er sich für eine Ausnahmeregelungen im Bebauungsplan stark.

Dazu sei aber kein städtisches Gremium und keine in der Stadtverordnetenversammlung vertretene Fraktion bereit, hielt Bürgermeister Roland Kern (AL) Huthmann und seinen Nachbarn entgegen. In Waldacker werde nicht mit zweierlei Maß gemessen, denn NCC erschließe das „Mirabella“-Grundstück über eine interne Ringstraße. Magistrat und Investor hatten 2009 einen städtebaulichen Vertrag geschlossen, nach dem die fertige Straße öffentliche Verkehrsfläche wird. Kern: „Und damit ist sie der maßgebliche Berechnungspunkt für alle Grundstücke.“ Unter dieser Voraussetzung hatte auch der Kreis die neue Siedlung im Jahr 2008 genehmigt.

Ab Mitte der neunziger Jahre dicht an dicht gebaut

Der restriktivste Bebauungsplan in ganz Rödermark geht auf Forderungen mehrerer hundert Waldackerer zurück, die um die Wohnqualität im Stadtteil fürchteten: Jahrzehntelang waren Ein- oder Zwei-Familien-Häuser auf Grundstücken von weit über 1 000 Quadratmetern Maß aller Dinge. Doch Mitte der neunziger Jahre hatten viele Erben der ersten Einwohner die Grundstücke an Bauträger verkauft; dicht an dicht schossen Reihen- oder Mehrfamilienhäuser regelrecht aus dem Boden.

Aber erst, als 2003 Pläne einer „Villenkolonie Lerchenstraße“ mit über 30 Wohneinheiten bekannt wurde, machte eine Bürgerinitiative Druck auf die Stadt. Ergebnis war besagter Bebauungsplan.

Quelle: op-online.de

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