Schwarz-grüne Koalition meldet Bedenken an

Glasfaser in ganzer Stadt zu teuer?

+

Rödermark - Ist die Brenergo, eine Tochtergesellschaft des Odenwaldkreises, noch der richtige Partner für den auf rund sechs Millionen Euro veranschlagten Ausbau des Glasfasernetzes in Rödermark?

CDU und AL schlagen vor, dass der Magistrat zumindest bei anderen Telekommunikationsunternehmen vorfühlt und über andere Techniken, die das Internet schneller machen, nachdenkt.

Die viel zitierte Datenautobahn ist in etlichen Ecken Rödermarks bestenfalls eine Holperpiste. Etliche Haushalte, Dienstleister und Firmen surfen noch mit einer Übertragungsrate von 1,5 Mbit pro Sekunde durchs Internet, anderswo sind 16 Mbit längst Standard. Einen ersten Ausbau-Antrag hatte die damalige CDU/FDP-Koalition am 2. Dezember 2009 gestellt. Doch erst am 26. Juni 2012 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Gründung der „Breitband Rödermark GmbH“, die Bürgern und Wirtschaft flächendeckend zu einem schnellen Internet verhelfen soll. Wunschpartner war die Brenergo, die als öffentliches Unternehmen langfristigere Renditeziele als Telekom, Vodafone & Co. verfolgt.

„Wir müssen langsam entscheiden, was wir machen“

CDU und AL melden jetzt Zweifel an, ob die Stadt den richtigen Weg eingeschlagen hat: Im Odenwaldkreis, der Heimat von Brenergo, hinke der Netzausbau hinter dem Zeitplan her, genaue Zahlen blieben unter Verschluss. In einem Berichtsantrag an den Magistrat fragt die schwarz-grüne Koalition, welche Konsequenzen das für Rödermark hat. Gleichzeitig will sie wissen, ob es Alternativpläne für den punktuellen Ausbau nur der unterversorgten Gebiete gibt, ob der Magistrat schon Gespräche mit anderen potenziellen Partnern führt und ob der Ausbau eines funkgesteuerten Netzes anstelle der Glasfaserkabeln eine Möglichkeit ist.

„Wir müssen langsam entscheiden, was wir machen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert: Glasfaser oder Funktechnik? Flächendeckend oder nur im Gewerbegebiet? Diese Fragen müssten angesichts einer Investitionssumme von sechs Millionen Euro gestellt werden. Eckhard von der Lühe, Parteivorsitzender der AL, will die Angelegenheit noch einmal prüfen und bei der Telekom nachhaken: Die habe jetzt angekündigt, bundesweit mehrere Milliarden Euro in den Netzausbau zu stecken. Neu-Isenburg, so von der Lühe, profitiert davon, die Nachbarkommunen schauen in die Röhre.

Gensert und er betonen aber unisono: Rödermark braucht mehr Tempo.

„Seit über drei Jahren schleppt sich alles quälend langsam hin“

Ähnlich argumentiert auch Bürgermeister Roland Kern. Wichtigstes Ziel bleibe eine bessere Versorgung, die Organisationsform sei zweitrangig. Kern brachte auch einen Beitritt der Stadt zu einem Breitband-Zweckverband des Kreises Darmstadt-Dieburg ins Gespräch, auf eine Empfehlung dafür verzichtete der Magistrat aber.

„Seit über drei Jahren schleppt sich alles quälend langsam hin“, klagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger, der 2009 einer der Initiatoren des schwarz-gelben Antrags war. Für ihn ist die Funktechnik LTE - vereinfacht gesagt: ein stadtweites WLAN-Netz - keine Alternative. Denn je mehr Nutzer sich einklinken, desto geringer werde die Leistung für jeden einzelnen.

Der Geschäftsführer der in Erbach ansässigen Brenergo, Jürgen Walther, räumte auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass sein Unternehmen im Odenwald bis Herbst 2012 nicht so viele Kunden gewonnen hätte wie geplant. Insgesamt aber stimmten die Zahlen für das vergangene Jahr, und 2013 will Brenergo seine Ziele erreichen.

„Rödermark hat mit uns die einmalige Gelegenheit, ein flächendeckendes Glasfasernetz aufzubauen. Alles andere wäre ein Flickenteppich“, wirbt Jürgen Walther für das Brenergo-Konzept (Details siehe im Informations-Kasten „FTTC, FTTB und FTTH“.) Ab wieviel Teilnehmern sich das Rödermark-Netz rechnen würde, konnte er aber nicht sagen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare