Computerspieler beim „Gockel-Gaming“

Schwerer Kampf gegen Killerimage

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Mindestens zwölf Jahre müssen die Teilnehmer der „Gockel-Gamings“ sein. Deshalb kommen auch Spiele für Ältere im Gemeindehaus nicht an den Start.

Ober-Roden - Die Sucht nach Computerspielen beginnt im späten Kindes- oder frühen Jugendalter und wird oft zu einer Besessenheit, die alle Aktivitäten des realen Lebens verdrängt.

Vor diesem Hintergrund hat Frank Daxer, Gemeindepädagoge in Ober-Roden, das Projekt „Gockel-Gaming“ initiiert, mit dem er verantwortungsvolles Spielen vermitteln will. Im evangelischen Gemeindehaus ging schon die zehnte Runde über die Bühne. Das „Gockel-Gaming“ ist nach dem Kirchengockel, dem Logo der evangelischen Gemeinde, benannt und ist eine LAN-Party für Spieler ab zwölf Jahren. Daxer schaut dabei nach dem Rechten - sprich: dem Jugendschutz. Er freute sich über die rege Beteiligung von 35 Spielern beim kleinen Jubiläum, bei dem das Team sein Konzept auch Eltern, Freunden und dem Kirchenvorstand vorstellte.

Ausprobieren, was sonst nicht möglich ist, auch einmal der Böse sein dürfen, das Spiel als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, kreative Energie wird frei: „Wir - ganz Junge und auch Ältere - haben zusammen gelacht und geflucht, viel geredet über die Spiele und die Technik und vieles sonst. Und die ständig wachsende Menge der Teilnehmer bestärkt mich immer wieder weiterzumachen“, erzählt der Diplom-Religions- und Medienpädagoge, dessen Arbeitsschwerpunkte auch auf Dekanatsebene neue Medien, Musik- und Bandarbeit, Spielpädagogik und Angebote für Ein-Eltern-Familien sind.

Daxer hatte die Idee schon lange im Kopf gehabt, aber erst gemeinsam mit dem FSJler Martin Müller hatte er sie in Angriff genommen. Müller (25), Student der Politikwissenschaft in England, hatte mit zwölf Jahren und vier Computern angefangen „Damals haben wir Stunden gebraucht, diese vier PCs zu vernetzen. Computerspiele fristeten ein noch stärkeres Nischenleben als sie es heute noch tun. Diese LAN war damals wie heute eine Möglichkeit, nicht nur Spieler zusammenzubringen, die sonst nur zu Hause gespielt hätten, sonder auch der Gemeinde zu zeigen, dass das ein wichtiger Teil der Jugendkultur ist.“

Kampf gegen Vorurteile

Der Gamer in der Gesellschaft: Hier beweisen die vermeintlichen Kellerkinder, dass sie alles andere als unkommunikativ sind und kämpfen gegen Vorurteile an. Denn wer „Counter Strike“ (aus dem Genre der Online-Taktik-Shooter) spielt, wird noch immer als Killer und potenzieller Amokläufer gebrandmarkt. Lange konnte man nicht einfach über sein Spielen reden wie über einen Kinofilm. Heute, in einer Zeit, in der auf dem ZDF-Kulturkanal das „Star Craft II“-Finale in Singapur ausgestrahlt wird, ist das allmählich anders. Nur die Mädchenquote ist leider immer noch verschwindend gering.

Im Forum von www.gaming.gockel.info schreiben Teilnehmer, wie sie die LAN-Partys im Gemeindehaus erleben, so etwa Nico Urstadt: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mit meiner Konfi-Gruppe die erste Lan-Party geplant hatte. Allein die Planung hat schon riesigen Spaß gemacht, geschweige denn die eigentliche Party. Das Gamen mit Anderen bereitete mir immer große Lust und Laune.“

Am 24. und 25. Januar 2009 ging"s mit 14 Mitspielern los. Inzwischen haben die Gamer auch Anderes auf die Beine gestellt. Wie etwa einen nur wenig besuchten Diskussionsabend mit Werner Damm von der Leitung der Nell-Breuning-Schule und einem Vertreter des Verbandes der deutschen PC-Spieler. In Frankfurt bauten sie eine Demonstration einer LAN-Party bei einem Kongress über Jugendkultur auf. Ein „Auswärtsspiel“ hatten sie bei einem Kooperationsprojekt mit der Evangelischen Jugend Klein-Auheim. Im Sommer trugen sie parallel zur Londoner Olympiade die Gaming-Olympiade mit überwiegend Sportspielen aus.

Miteinander anstatt gegeneinander spielen

Christine Dutiné, Mutter zweier Gamer, war öfters bei den LAN-Partys zu Gast: „Es ist keineswegs so, dass hier schießwütige Jugendliche heranwachsen, sondern dass meine Kinder hier sehr gut aufgehoben sind und viel miteinander und nicht gegeneinander spielen.“ Als Kirchenvorsteherin ist sie glücklich darüber, dass hier Jugendliche zusammengeführt werden mit Erlebnissen, die jenseits von Beten und Büßen absolut „in“ sind und den Geist fördern.

Die zehnte LAN-Party wurde mit einer großen Torte und viel Vorfreude auf die nächsten Gaming-Erlebnisse gefeiert. Dann präsentierten die Gamer ihren Gästen eine Demo an der Großleinwand, ehe sie sich miteinander wieder in ihre eigene Welt zurückzogen.

chz

Quelle: op-online.de

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