Große Weltmeister-Dichte

Eine illustre Gästeschar gab dem Weltmeisterpaar die Ehre. Besondere Überraschung war eine große Gruppe von Eltern, Geschwistern und Fans aus dem Emsland, der Heimat von Aurelia und Heinz-Josef Bickers, die TSC-Vorsitzende Cornelia Straub heimlich eingeladen hatte. Foto: Ziesecke

Ober-Roden (chz) - Rödermark ist eine kleine Stadt mit großer Weltmeister-Dichte: Ina Schmidt von SV Diana sammelt mit der Armbrust WM-Titel zuhauf, Leichtathlet Edmund Seib gewann 2007 im Alter von 81 Jahren ebenfalls Gold.

Aurelia und Heinz-Josef Bickers vom Tanzsportclub sind nun die Nächsten.

Wenige Wochen nach ihrem triumphalen Sieg in Mallorca gab der TSC seinem Weltmeisterpaar einen kleinen, aber rauschenden Empfang. Eine Ausstellung erinnerte an den Aufstieg und dokumentierte die aktuellen Presseberichte. „Oh, oh, musstet ihr die Jugendsünden auch noch ausstellen?“, lächelte Aurelia Bickers beim Anblick der Galerie, und vervollständigte sie mit WM-Pokal und Medaille. „Ihr fördert unsere Paare durch eure Leistung“, freute sich die TSC-Vorsitzende Cornelia Straub.

Zum zweiten Mal bereits war Bürgermeister Roland Kern mit dem Goldenen Buch der Stadt beim Tanzsportclub. Das Ehepaar Bickers durfte sich auf die Rückseite der letztjährigen Eintragung – damals noch als Vizeweltmeister – verewigen. „Sie hatten sogar noch die Kraft, Ihre Partnerin zum Siegerpodest zu tragen! Also beim Erringen des Titels hatten Sie sich nicht mal verausgabt“, lobte Kern die Power von Heinz-Josef Bickers

Wie viele Weltmeister – amtierende oder frühere - es tatsächlich im Kreis gibt, konnte selbst Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel nicht klären: „Das wird nirgends aufgelistet.“ Und spontan konnte niemand Weltmeister außer den Rödermärkern benennen. Wie wär’s zum Beispiel mit Michael Groß (Schwimmen), Michael Freund (Kutschfahren) oder Cornelia Hanisch (Fechten)?

Aurelia Bickers, fröhlich, natürlich und angenehm anders als in der fast starren Maske und angespannten Konzentration eines Tanzturniers, dankte für das viele Lob: „An manchem Abend haben wir uns gewünscht, mal nicht an Tanzen zu denken, mal einen Sofaabend zu machen. Aber wir haben ‚nein’ gesagt, ‚Wir fahren ins Training, wir packen Koffer und fliegen zum Training nach Italien; wir haben das große Ziel Weltmeisterschaft!“

Vor 16 Jahren hatte vor allem Heinz-Josef Bickers seinen Traum gestartet, einmal eine WM zu tanzen. 2010 bei der ersten Teilnahme gelang auf Anhieb, wovon jeder träumt: Mit seiner Frau gewann er den Vizetitel. Aurelia Bickers erzählte, wie es weiterging: „Aber nach der WM ist vor der WM, drei Tage später zogen wir die Trainingsschuhe wieder an. Wir haben vieles, auch die Familie, vernachlässigt, aber sein Traum wurde vollendet! Und wir versuchen im nächsten Jahr den Titel zu verteidigen.“

Einen höchst amüsanten Rückblick auf die Kulturgeschichte des Tanzens steuerte Karl-Peter Beford, der Vorsitzende des Hessischen Tanzsportverbandes, zur Feierstunde bei: Bis vor 56 Jahren war das Tanzen noch nicht als Sport anerkannt, Professoren hielten es gar für „vor allem die Gesundheit der Weibsbilder strapazierend“ Goethe hatte es aber schon viel, viel früher als „nützliches Heilmittel“ erkannt, bei dem er sein Fieber vergaß. Neuschöpfungen wurden oft als „unsittlich“ beurteilt, dem sogar die Polizei zeitweise mit Argwohn gegenüber trat, „da man Unterkleider, Strümpfe und sogar ein Stück Oberschenkel sah“.

Quelle: op-online.de

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