Ein großer Sohn von Urberach

HGV-Vorsitzende Patricia Lips (stehend) eröffnete im Töpfermuseum einen Abend mit Lesungen von Norbert Cobabus (verdeckt), Barbara Schwarzkopf und Horst-Peter Knapp rund um den in Urberach geborenen Heimatdichter Nikolaus Schwarzkopf.Foto: Ziesecke

Urberach - (chz) Ganz auf den Spuren des kritischen Geistes und Heimatdichters Nikolaus Schwarzkopf wanderten am Freitag Abend rund 30 Gäste im Urberacher Töpfermuseum.

Auf der Mitgliederversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins HGV Rödermark hatte Horst-Peter Knapp die Gedenkveranstaltung zum 125. Geburtstag seines Onkels angeregt und aus der Familie und dem HGV viel Unterstützung bekommen. In angenehmem Milieu lasen Barbara Schwarzkopf, die Tochter des Dichters aus dessen zweiter Ehe, sowie Horst-Peter Knapp und Norbert Cobabus vom HGV aus den Werken des Mannes, der in Foto und Büste stets präsent schien im Töpfermuseum, das so viele Erinnerungen an die Lebenszeit des Autors beheimatet.

Die Ausstellung „Nikolaus Schwarzkopf in der Erinnerung seiner Kinder“ sowie Zeichnungen des Malers Johannes Lippmann, der mit Schwarzkopf 1930 den heute als Georg-Büchner-Preis bekannten „Staatspreis des Hessischen Volkes“ verliehen bekam, vervollständigten das Bild des Dichters. Es war die einzige Gedenkveranstaltung, was Barbara Schwarzkopf nicht verwundert: „Ich sehe das ganz realistisch. Er ist vergessen. Das Büchlein wird hier seinen Leserkreis finden; ansonsten ist die Zeit über ihn hinweggegangen“.

„Das Büchlein“ ist eine kleine Neuauflage des Heftes „Die Urberacher“, in der alten Schrift nachgedruckt, von HGV-Vorstandsmitglied Herbert Schneider stark unterstützt und nun im Töpfermuseum zu erwerben.

„Als Kind war es immer ein Fest, wenn in der alten Darmstädter Lokalzeitung, dem Tagblatt, in der Beilage etwas von ihm abgedruckt wurde“, erinnert sich Tochter Barbara. Da rannte sie Samstag morgens vor der Schule runter und holte die Zeitung hoch. In einem kurzen Rückblick erinnerte Patricia Lips an das Leben des am 27. März 1884 geborenen Dichters, und kleine Anekdoten aller Vorleser machten dieses Leben noch plastischer - etwa die Erinnerung an die Stille, die meistens in der Wohnung herrschen musste: „Still, Kinder, der Vater schreibt!“ Nur mit dem allmorgendlichen Brot mit Limburger Käse oder der Post durften die Familienmitglieder diese geheiligte Ruhe im Oberstübchen stören.

Als der Urberacher Ehrenbürger am 17. Oktober 1962 starb, hinterließ er 45 Bücher, Erzählungen und Kurzgeschichten, von denen sich viele mit seiner Heimat beschäftigen. Nicht ohne Grund kennt man „Der Häfner vom Erbseneck“, „Der Feldhäfner“ und die „Der Urberacher - Erinnerungen an brave Leut“ hierzulande am besten.

Schwarzkopf war ein religiöser und politischer Mensch, geprägt vom häuslichen Katholizismus und - ohne jegliche Parteizugehörigkeit. Dass er sein großes Wissen hauptsächlich im Selbststudium erworben hatte, hat sein Leben geprägt - man ließ ihn, den Emporkömmling, das immer spüren - was sein Lebensziel noch mehr verstärkte. Jeder Mensch sollte sich seinen Anlagen und Möglichkeiten gemäß entwickeln und ausbilden können. Dazu passte auch das von Mozart vertonten Goethe-Gedicht „Das Veilchen“, das Lieblingslied ihres Vaters, mit dem Tochter Barbara die Lesung eröffnete.

„Manchmal hat er sich so bescheiden gesehen, manchmal auch nicht, er wollte nicht immer kämpfen müssen ums Gedrucktwerden und damit ums finanzielle Überleben, er wäre manchmal auch gerne die Rose gewesen...“

Geschichten um seine Mutter, das „Näh-Babettchen“, oder den Vater, den „Pflasterer“, der auch das Urberacher Erbseneck damals gepflastert hatte, näherten sich dem Menschen Schwarzkopf ebenso wie „Der Feldhäfner“, die Geschichte um Hannes mit seinen sieben Töchtern, der mit Geschirr und mit Hasenhaar für die Hutmacherei beladene Wagen nach Frankfurt bringen musste. Und auch „Die Störche von Urberach“ (im Original „Der Storch“) kam zu Gehör, zu dem Horst-Peter Knapp eine ganz besondere Beziehung hat, da es das erste Buch war, das er von Onkel Schwarzkopf gelesen hat, und eines der wenigen Bücher, die Dialekt enthalten - wenn auch noch in einer anderen Färbungen als heute.

Die Ausstellung „Nikolaus Schwarzkopf in der Erinnerung seiner Kinder“ kann noch beim nächsten offenen Museumsnachmittag am 3. Mai von 15 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden, außerdem nach Vereinbarung mit Doris Lips unter 06074 5920, oder Eduard und Rita Dutiné, . 06074 847259.

Quelle: op-online.de

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